merken
PLUS

Retter der Streuobstwiesen

Obstbäume prägen die Dörfer. Fast wären sie ausgestorben. Ein Ehrenberger hat nun Kinder für Äfpel und Co. begeistert.

Von Anja Weber

Baldur Hänsels liebstes Hobby sind Obstbäume. Er kann einfach nicht von ihnen lassen. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich damit. Die Apfelallee auf dem Hofehainweg in Ehrenberg ist beispielsweise eine Idee von ihm. Alte Apfelsorten erhalten, damit auch seine Enkel einmal wissen, wie lecker so ein Apfel direkt vom Baum ist. Das ist sein Credo, und er scheut auch nicht davor zurück, andere Leute mit seinem Hobby begeistern zu wollen.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Da freut sich der Herr der Apfelbäume. Baldur Hänsel präsentiert eine anlässlich des Projektes „Drei Äpfel für Goldmarie“ gestaltete Tafel. Die haängt neben Kirschbäumen am Hutbergweg und neben Apfelbäumen am Hofehainweg. Foto: Steffen Unger
Da freut sich der Herr der Apfelbäume. Baldur Hänsel präsentiert eine anlässlich des Projektes „Drei Äpfel für Goldmarie“ gestaltete Tafel. Die haängt neben Kirschbäumen am Hutbergweg und neben Apfelbäumen am Hofehainweg. Foto: Steffen Unger

Bei seinen Enkeln hat das bereits gefruchtet. Sie pflücken freiwillig Äpfel und schaffen sie mit ihm zur Mosterei und lassen sich dann den Apfelsaft schmecken, ungesüßt und lecker. Baldur Hänsel forscht unterdessen nach rein biologischen Methoden, wie er seine Apfelbäume gesund erhalten kann. Er arbeitet zum Beispiel mit sogenannten effektiven Mikroorganismen und mit einer Methode, die sich Bokashi nennt. Dabei werden ungekochte Küchenabfälle fermentiert und um die Bäume eingegraben. Mit den Mikroorganismen werden die Blüten gespritzt.

Im vergangenen Jahr gewann er den Streuobstwiesenwettbewerb beim Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dass er auf die Auszeichnung stolz ist, kann er nicht verhehlen. Mit der konnte er schließlich auch seine vielen Bemühungen krönen.

Jetzt kam Baldur Hänsel auf eine neue Idee. Warum nicht noch mehr Ehrenberger Kinder von den Streuobstwiesen begeistern? Die gehören zum Dorf wie die Kirche. Also auf in die Ehrenberger Kindertagesstätte. Und dort war man begeistert. Aber es ging dabei nicht nur ums Genießen. Wer das will, muss auch etwas dafür tun. Und da kommt ihm die neue Initiative des Landschaftspflegeverbandes gerade recht. „Drei Äpfel für Goldmarie“ heißt diese und wird von der EU gefördert. „Alle Besitzer und Bewirtschafter von Streuobstwiesen sind eingeladen, unsere Goldmarie mit ihren Aktionen zum Schutz dieser wertvollen Biotope zu unterstützen“, sagt Steffi Freund, die gemeinsam mit Katrin Müller das Projekt im Verband koordiniert.

Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach und verlockend zugleich. Goldmarie schenkt den Teilnehmern drei Apfelbäume zum Einpflanzen auf einer Streuobstwiese. Und das traf natürlich ganz den Nerv von Baldur Hänsel. Flugs war er im Kindergarten. „Es ist doch schön, wenn man die Kinder für solche Sachen begeistern kann“, sagt Hänsel. Und mit Erzieher Klaus Richter fand er in der Kita den Partner für das Projekt. Die Kinder waren natürlich begeistert und haben die Bäume vom Landschaftspflegeverband am Hutbergweg und am Hofehainweg in Ehrenberg gepflanzt. Dafür kam die Goldmarie kürzlich gleich doppelt zu ihnen, in Person von Steffi Freund und Katrin Müller. Sie hatten Aufkleber und kleine Schilder für die Kinder mit. Die hängen jetzt an den von ihnen gepflanzten Bäumen. „Wir wollen mit der Aktion nicht nur erreichen, dass die alten Baumbestände auf diese Weise verjüngt werden, sondern dass sich die Kinder mit ihren Familien intensiver mit dem Thema beschäftigen und lernen, dass es nicht immer der gekaufte Apfel sein muss“, sagt Steffi Freund. Insgesamt 48 Teilnehmer hat das Projekt im Landkreis. Es läuft noch bis nächstes Jahr, neue Interessenten seien willkommen, sagt sie. Bewerben kann sich jeder, der eine Fläche von etwa 1 000 Quadratmetern beziehungsweise schon zehn Bäume hat. Eine kleine Geschichte dazu, Fotocollagen zum Beispiel über den ganz persönlichen Obstwiesenschatz, gehören mit zur Bewerbung. Die Landschaftspfleger werten diese aus und setzten sich dann mit den Interessenten in Verbindung. Noch bis August kann man sich für die Pflanzaktion anmelden, damit spätestens im Herbst dann neue Bäume gepflanzt werden. Es müssen nicht nur Äpfel sein, sondern eben Obstbäume, die auf so eine Wiese passen.

www.obst-wiesen-schaetze.de