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Retter oder Dienstleister?

Immer öfter wird die Feuerwehr zu Einsätzen gerufen, die auch andere hätten erledigen können.

Frank Fischer ist Chef der Meißner Freiwilligen Feuerwehr. Ihr gehören 46 Mitglieder in der Einsatzabteilung, 20 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung und 25 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr an.
Frank Fischer ist Chef der Meißner Freiwilligen Feuerwehr. Ihr gehören 46 Mitglieder in der Einsatzabteilung, 20 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung und 25 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr an. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Statistik der über 170 Einsätze der Meißner Freiwilligen Feuerwehr in diesem Jahr zeigt es deutlich: Nur jede vierte Anforderung gilt dem Feuerlöschen. Die meisten Einsätze sind sogenannte Hilfeleistungen. Immer öfter werden die Kameraden gerufen, um eine Tür zu öffnen oder um Rettungsdiensten beim Tragen von Personen behilflich zu sein, stellt Frank Fischer fest. Wie der Chef der ältesten freiwilligen Feuerwehr in Deutschland berichtet, vergeht kaum eine Woche ohne einen solchen Einsatz.

Dabei verwischen sich mitunter die Grenzen zwischen Rettung und Dienstleitung, beklagt der Feuerwehrchef. „Werden wir alarmiert, dann rücken wir aus", bekräftigt Frank Fischer. Natürlich auch, wenn sich zum Beispiel jemand aus der Wohnung ausgesperrt hat. Wenn sich beim Einsatz dann aber herausstellt, dass das Öffnen der Wohnungstür auch ein Schlüsseldienst hätte übernehmen können, dann ist das ärgerlich. Denn die Kameraden sind allesamt ehrenamtliche Feuerwehrleute, eilen vom Arbeitsplatz oder von der Familie weg zum Rettungseinsatz.

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Vor Ort wird schnell klar, wenn der Hilferuf wohl eher dem Sparen der Kosten für einen Schlüsseldienst galt. Und die Feuerwehrleute sehen sich mit einem weiteren Problem konfrontiert: „Viele Hausbesitzer rüsten die Sicherheitstechnik auf, sodass es auch für uns schwieriger wird, Türen zu öffnen“, sagt Frank Fischer. Ehe die Retter sich entschließen, die Tür zu zerstören, schauen sie, ob ein „Einbruch“ über das Fenster möglich ist. Dass es bei solcherart Öffnung im Nachhinein Streit um das Bezahlen gibt, kann der Feuerwehrchef nicht verstehen. Hier sind auch die Versicherungen gefordert.

Hilfe auch für Rettungsdienste

Zum Öffnen von Wohnungstüren werden die Meißner Feuerwehrleute auch von Rettungsdiensten angefordert. Sie machen den Weg frei, wenn anzunehmen ist, dass sich in der Wohnung hilflose Personen befinden. Manchmal auch ein Verstorbener. Und es bleibt nicht bei der technischen Hilfeleistung, worunter die Türöffnungen gezählt werden. Immer öfter müssen die Kameraden mit zufassen – und sogenannte Tragehilfe leisten. Rettungsdienste und Feuerwehrleute tragen gemeinsam übergewichtige Personen aus der Wohnung zum Fahrzeug des Krankentransports. Manchmal nach der Behandlung in der Notaufnahme auch wieder zurück in die Wohnung.

In Dresden gibt es inzwischen ein spezielles Fahrzeug bei der Feuerwehr, mit dem bis zu 200 Kilogramm schwere Personen bewegt werden können. Es verfügt über Hilfsmittel, die es den Patienten erleichtern, aber auch die Kräfte der Helfer schonen. Das Spezialfahrzeug kann von Meißen aus angefordert werden. Für den Landkreis würde sich die Anschaffung eines solchen Fahrzeuges durchaus lohnen, ist Frank Fischer überzeugt – aus eigener Erfahrung. Er weiß sich darin mit den Kameraden der Wehren in der Umgebung einig.

Rein statistisch wurden die Kameraden der Meißner Feuerwehr in diesem Jahr zu fünf Einsätzen in jeder Woche gerufen. Für eine freiwillige Feuerwehr mit derzeit 46 Kameraden in der Einsatzabteilung ist das eine große Herausforderung. Kooperationen mit Wehren in der Umgebung sorgen dafür, dass weitere Retter alarmiert werden können, wenn es notwendig sein sollte. Außerdem hilft die Betriebsfeuerwehr der Porzellan-Manufaktur. Bei Bränden kann sie ebenfalls alarmiert werden und sechs Feuerwehrleute ausrücken lassen. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Meißen revanchieren sich mit der Wartung und regelmäßigen Überprüfung der Atemschutzgeräte.

In Corona-Zeiten werden die Einsatz-Fahrzeuge nicht mehr voll besetzt, um Abstandsregeln einhalten zu können, erläutert Frank Fischer. Dafür rücken dann mehr Fahrzeuge aus. Für jeden Feuerwehrmann stehen persönliche Mittel zum Infektionsschutz bereit, auch im Fahrzeug.

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