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So kämpfen Protestanten für ihr Gotteshaus

Evangelische Christen wollen die ältesten Kirchengeheimnisse in Lauban retten. Welche Rückschläge sie dabei erleben.

Die evangelische Kirche von Lubań ist die älteste der Stadt. Innenleben, wie einige Köpfe an Säulen, geben Rätsel auf.
Die evangelische Kirche von Lubań ist die älteste der Stadt. Innenleben, wie einige Köpfe an Säulen, geben Rätsel auf. © Wolfgang Wittchen

Diese Köpfe – wer ist das nur? Stumm blicken sie von Säulenrippen hinab auf den Altar. Vielleicht waren sie die Zuschauer eines großen Dramas. Der Pest und ihrer Toten. Die raffte zum Beispiel 1553 und 1613 viele Menschen hin in Lauban.

Wenn die Leichen in der Kirche aufgebahrt wurden, kamen nur der Pfarrer und eventuell ein Helfer zum Trauergottesdienst. Zu groß war die Gefahr der Ansteckung. Um die Bürger zu ersetzen, könnten die Köpfe an die Säulen gekommen sein. Das ist zumindest eine Theorie für dieses künstlerische Geheimnis in der Jungfrau-Maria-Kirche. Die Köpfe könnten aber auch biblische Gestalten wie Petrus und Paulus zeigen.

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Die älteste Kirche Lubañs (Lauban) in Polen gibt der Gemeinde eben so einige Rätsel auf, weiß Pfarrer Cezary Królewicz. Bei Restaurierungsarbeiten wurden vor einiger Zeit Namensinschriften entdeckt. Experten haben sie dokumentiert; erforscht seien die noch nicht. „Aber es müssen bedeutende Leute gewesen sein“, vermutet der Pfarrer. Außerdem fand man Weihe- oder Apostelkreuze. 

Innenleben, wie einige Köpfe an Säulen, geben Rätsel auf.  
Innenleben, wie einige Köpfe an Säulen, geben Rätsel auf.   © Kirche
Epitaphe wie dieses gibt es im Kirchhof der Jungfrau-Maria-Kirche von Lubañ. Die Gemeinde möchte sie restaurieren lassen.
Epitaphe wie dieses gibt es im Kirchhof der Jungfrau-Maria-Kirche von Lubañ. Die Gemeinde möchte sie restaurieren lassen. © W. Wittchen
 Auch für das Gotteshaus wünschen sich Pfarrer Cezary Królewicz (links) und Bauingenieur Krzysztof Alykow eine Sanierung.
 Auch für das Gotteshaus wünschen sich Pfarrer Cezary Królewicz (links) und Bauingenieur Krzysztof Alykow eine Sanierung. © W. Wittchen

Sie sind aus gebogenen Linien zusammengesetzt und werden von einem Kreis umschlossen. Sie wurden früher oft bei Kirch- oder Altarweihen aufgemalt. Und sie sollen, wie die Inschriften und alte Originalwandfarben, bei einer künftigen Restaurierung erhalten bleiben.

Keine EU-Förderung bekommen

Auf diese große Sanierung hatte die Gemeinde der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, das entspricht etwa der evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland, gehofft. Umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro sollten investiert werden – Geld aus Fördertöpfen der Europäischen Union. Doch das kam nicht zustande. „Jetzt müssen wir in kleinen Schritten vorwärts kommen“, sagt Pfarrer Cezary Królewicz. Immerhin, mithilfe aus Deutschland, auch aus Görlitz, und Polen konnte das Dach saniert werden. Die Wände im Altarraum sind gemacht.

Ein großes statisches Problem konnten Bauleute lösen. Bei einer Sanierung Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein massives Gewölbe mit Kreuzbogen eingebaut. Eine schwere Last, welche die Wände auseinanderdrückte. Die Gefahr wurde gebannt, wie der Lubañer Bauingenieur Krzysztof A³ykow berichtet. Er begleitet das Großprojekt mit seinem Team.

Nun soll die Außenfassade neu verputzt werden. Die Wände im Kirchenschiff sind zu machen – dort verursachen vorbeifahrende Schwerlaster Risse. Der Altar mit der deutschen Inschrift „Gruß und Frieden euch von unserem Vater und Herrn Jesu Christo“ muss restauriert werden, genauso wie die Bänke, die Kanzel, die Emporen. „Alles, was aus Holz ist“, weiß Cezary Królewicz. Die Restaurierung der Orgel, ein Instrument des Görlitzer Orgelbaumeisters Max Eichler, ist für dieses Jahr geplant. Sie sei aber in relativ gutem Zustand.

Cezary Królewicz, der übrigens sehr gut Deutsch spricht, führt zu einer Seitenwand, an der ein Epitaph lehnt, eine Totengedenktafel. Lange wurde sie als Wegplatte am Eingang genutzt. Mit der Schrift nach unten. Niemand wusste, dass sich auf der Unterseite ein weiterer historischer Schatz verbarg. Erst bei Bauarbeiten hat man ihn entdeckt. Mehr Epitaphe, teilweise mit Moos bewachsen, liegen im Kirchhof. Auch sie würde die Gemeinde gern sanieren lassen.

Auf viel finanzielle Hilfe durch die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen können sie nicht hoffen. Denn die zählt nur um die 61.000 Mitglieder. Sie ist nicht zu vergleichen mit der großen römisch-katholischen Kirche des Landes, der fast 85 Prozent der Polen angehören.

Doch als älteste Kirche der Stadt sei das Gotteshaus nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Geschichte Lubańs wichtig. Der Vorgängerbau aus dem späten 14. Jahrhundert wurde wohl in den Hussitenkriegen zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die evangelische Kirche Polens das Gotteshaus, das zuvor der deutschen evangelischen Gemeinde gehört hatte.

„Weil es die polnische Kirche bekam, wurde es nicht zerstört“, sagt Pfarrer Królewicz. Die Polen ließen die Deutschen weiter Gottesdienst feiern, schützten sie. „Das war ein Zeichen der Versöhnung“, ist Cezary Królewicz überzeugt. Bis heute gibt es einmal monatlich einen deutschsprachigen Gottesdienst. (mit mm)

Wer die Kirche unterstützen will, findet Bankinformationen zur Gemeinde in Lubañ im Internet.

Pfarrer Królewicz ist erreichbar: luban(at)luteranie.pl

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