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Rettungsdienst verfährt sich

Hausnummern oder Straßennamen? Die Grundstücke in den Dörfern der Gemeinde Radibor sind oft schlecht gekennzeichnet.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

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Radibor. Diese Diskussion gab es nicht zum ersten Mal im Gemeinderat in Radibor. Jens Schmidt aus Quoos beschwerte sich, dass die Gemeinde auf seine Bitte, die Hausnummern im Radiborer Ortsteil Quoos besser zu ordnen, auch nach zehn Jahren nicht reagiert hat. Nachdem neue Grundstücke erschlossen und bebaut wurden, sei es noch schwieriger. Kürzlich habe Schmidt gleich mehrfach die negative Erfahrung machen müssen, dass der Rettungsdienst die Hausnummern seiner Familie im Dunklen nicht gefunden hat. Schuld ist eben seiner Meinung nach die schlechte Ordnung und fehlende Ausschilderung in dem kleinen Dorf. Dass diese Hausnummern ungeordnet sind, weiß der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke (CDU). Doch die Veränderung kostet Geld. Geld, das die Gemeinde in ihrer derzeitigen finanziellen Situation nicht hat. Außerdem sagt der Bürgermeister, dass zunächst einmal die Grundstücksbesitzer in der Verantwortung sind, ihre Hausnummern gut sichtbar anzubringen. Schon dazu seien eben viele Bürger nicht bereit. Und der Vorschlag, von der Nummerierung der Häuser wegzugehen und Straßennamen zu vergeben, wird ebenfalls sehr kontrovers diskutiert. Von den 24 Ortsteilen der Gemeinde haben nur sieben Straßennamen. „Ich weiß, dass bei einer Veränderung der Adresse der Bürger rund 30 Briefe schreiben muss“, sagt Baberschke. Außerdem wollen viele ihre Hausnummern behalten.

Schwierigkeiten bei den Navigationssysteme

Gemeinderat Thomas Retschke erinnerte sich daran, dass der Gemeinderat bereits beschlossen hat, keine Straßennamen mehr zu vergeben. Doch die Verwaltung sollte prüfen, ob an unübersichtlichen Dorfkreuzungen Hinweisschilder zu den Hausnummern aufgestellt werden können. Dieser Prüfung stimmte Vinzenz Baberschke zu.

Gemeinderat Peter Klimann sprach ein weiteres Problem an. „Sind denn alle Hausnummern auch richtig an den wichtigen Stellen, wie Rettungsleitstelle, gemeldet“, fragt er. Seiner Meinung nach gibt es auch deshalb Schwierigkeiten bei den Navigationssystemen der Fahrzeuge. Gemeinderat Thomas Scheffel, der in der Leitstelle in Hoyerswerda für die Rettungstechnik zuständig ist, konnte da einige Dinge erklären. So fahren die 70 Rettungsfahrzeuge mit ganz normalen, von den Fahrzeugherstellern angebotenen Navigationssystemen. Das bedeutet, da es nur zwei Datenbankverwalter in ganz Deutschland gibt, dass Veränderungen an Straßennamen oder Hausnummern manchmal mehrere Jahre brauchen, ehe sie in die Navis eingepflegt werden. Ähnliche Probleme hat auch die Polizei. Allerdings weiß die Rettungsleitstelle alle Anschriften, wenn dort jemand anruft, erklärt Scheffel.

Rettungsleitstelle bevorzugt Straßenname

Auch in anderen Gemeinden gibt es das Problem, dass sich der Rettungsdienst wegen der Navigationsgeräte verfährt. Die Kennzeichnung von Straßen und Hausnummern wird verschieden behandelt. So weisen in kleineren Orten der Gemeinde Kubschütz zu Beginn von Straßen gut sichtbare blaue Schilder auf die dortigen Hausnummern hin, so in Kreckwitz. Andere Gemeinden, wie Neschwitz, bevorzugen Straßennamen. Laut Bürgermeister Gerd Schuster (CDU) werden in diesem Jahr voraussichtlich zwei weitere Orte mit Straßennamen ausgestattet, nämlich Doberschütz und Pannewitz. „Die zwei Orte werden wir uns genau anschauen, um zu sehen, ob durch Straßennamen eine bessere Ordnung zu erreichen ist“, so Gerd Schuster. In Neschwitz, Zescha und Saritsch gibt es Straßennamen. In den kleineren Ortsteilen lohne sich das allerdings nicht. Hier gibt es Nummern.

Auch die Rettungsleitstelle bevorzugt Straßennamen, weil dann die Zuordnung besser erfolgt. Doch Thomas Scheffel weiß, dass die Bürger in vielen Dörfern nicht darauf achten, ob ihre Hausnummern groß und deutlich zu sehen sind. „Da können wir nur immer wieder drum bitten“, sagt Scheffel. Ähnliche Probleme haben auch Zusteller, die sich nicht auskennen.