merken
PLUS

Bautzen

Feuerwehr kämpft um Rettungsgassen

Häufig kommen Einsatzkräfte bei einem Stau auf der Autobahn nicht zum Unfallort. Bautzens Feuerwehr reagiert jetzt.

Ab durch die Mitte: Für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste ist das kaum mehr möglich, da die Rettungsgasse oft nicht korrekt gebildet wird.
Ab durch die Mitte: Für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste ist das kaum mehr möglich, da die Rettungsgasse oft nicht korrekt gebildet wird. © Symbolfoto: dpa/Matthias Schrader

Bautzen. In den Morgenstunden im Oktober 2017 geht bei der Feuerwehr Bautzen ein besonderer Notruf ein. „Dass dieser Einsatz uns bis heute in Erinnerung bleibt, hätte ich damals auch nicht gedacht“, sagt Paul Stübner, Pressesprecher der Feuerwehr Bautzen. Er musste damals mit den Kameraden auf die Autobahn 4 zwischen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla. „Zwei Laster bauten einen Auffahrunfall, es drohten Gefahrenstoffe auszutreten“, erzählt Stübner.

Als Mitglied des Gefahrengutzuges Süd im Landkreis Bautzen muss die Bautzener Feuerwehr öfter zu solchen Einsätzen fahren. Diesmal dauerte es aber besonders lange, bis sie am Einsatzort war. Das Problem: Die Kameraden konnten nicht über die Autobahn fahren, da es keine vernünftige Rettungsgasse gab. „Wir hatten schon relativ lange bis Ohorn gebraucht und sind dann dort abgefahren“, erzählt Stübner.

Anzeige
Zwischen Säge und Spänen

Wer Lust auf eine kreative und coole Ausbildung hat, der sollte nicht lange zögern und sich für eine Lehre zum Tischler bewerben!

Über die Landstraßen ging es dann zur Autobahnauffahrt nach Ottendorf-Okrilla und von dort weiter entgegen der Fahrtrichtung zum Unfallort. „Wir sind einfach nicht durch die Rettungsgasse gekommen. Wenn eine Lücke da war, passten wir mit unserem Feuerwehrauto trotzdem nicht durch.“ Auch ein Rangieren der Lkws sei nicht mehr möglich gewesen. „Teilweise haben die Fahrer bereits geschlafen, da sie selbst schon sehr lange im Stau standen“, sagt Stübner.

Baustellen sind für Rettungsgassen ein Problem

Insgesamt brauchten die Feuerwehrleute 80 Minuten bis zum Unfallort. Normalerweise hätten sie in weniger als der Hälfte der Zeit da sein müssen. „Ein kleines Feuerwehrauto war weiter durch die Rettungsgasse gefahren und später angekommen als wir, die wir über die Landstraße fuhren“, sagt der Feuerwehrmann.

Solche Fälle würden zum Leidwesen der Einsatzkräfte häufig vorkommen. Oft werde die Rettungsgasse auf Autobahnen gar nicht oder nur unzureichend gebildet. Dabei ist es eigentlich nicht schwer: Linker Fahrstreifen hält sich links, die rechte Spur fährt rechts und zack ist die Rettungsgasse da. Doch in der Realität vergessen viele Fahrer in der ohnehin schon stressigen Stau-Situation, den Weg für Einsatzkräfte frei zu machen.

Katharina Korch, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz, betont aber, dass die Bildung der Rettungsgasse auf der A 4 in den Landkreisen Görlitz und Bautzen in der Regel problemlos möglich sei. „Auf der gesamten Strecke gibt es durchgängig einen Sicherheitsstreifen“, sagt sie. „Erst eine Einengung der Fahrbahn durch Baustellen erschwert gegebenenfalls die Bildung einer Rettungsgasse.“ Fehlt die, haben es die Feuerwehrleute schwer, denn die Fahrzeuge sind im Schnitt drei bis vier Meter breit.

So wird sie richtig gebildet: Die Bautzener Feuerwehr weist mit einem Aufkleber an den Einsatzfahrzeugen auf das richtige Verhalten beim Anlegen einer Rettungsgasse hin.
So wird sie richtig gebildet: Die Bautzener Feuerwehr weist mit einem Aufkleber an den Einsatzfahrzeugen auf das richtige Verhalten beim Anlegen einer Rettungsgasse hin. © SZ/Uwe Soeder

In einer Baustelle ist das Bilden der Rettungsgasse noch schwieriger. Paul Stübner weist aber noch auf ein weiteres Problem hin: „Wir sind bei Autobahn-Einsätzen meistens die Ersten vor Ort. Da gibt es noch keine Rettungsgasse.“ Bis der Weg frei ist, vergeht viel Zeit. Zeit, die im Notfall fehlen könnte.

„Zum Glück ist das noch nicht vorgekommen.“ Aber soweit solle es nicht kommen. Deswegen wollen Stübner und seine Kollegen auf das Thema aufmerksam machen und haben dazu ihre Einsatzfahrzeuge mit einem Aufkleber ausgestattet, der auf das richtige Verhalten beim Anlegen einer Rettungsgasse hinweist. „Landes- und bundesweite Kampagnen sind gut, aber wir können auch in unserer Region das Bewusstsein für das Thema erhöhen“, sagt Stübner.

Wer keine Rettungsgasse bildet, dem droht ein Bußgeld

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Autofahrer wendet in Rettungsgasse

Der Mann wollte seinen Flug nicht verpassen - und wäre beinahe mit einem Polizeiwagen zusammengeprallt. 

Symbolbild verwandter Artikel

Rettungsgasse? – Kinderleicht!

In einem Video erklären Vorschulkinder das richtige Verhalten bei Unfällen. Dafür gab es jetzt einen Preis für den Kreisfeuerwehrverband Bautzen.

Für eine höhere Bestrafung der Verkehrsteilnehmer, die keine Rettungsgasse bilden, spricht sich Stübner aber nicht aus. „Das hilft ja dem Unfallopfer nicht“, sagt er. „Schöner wäre es, wenn das Thema ins Gedächtnis der Menschen kommt.“ Laut Straßenverkehrsordnung sind Fahrer auf Autobahnen dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Bei Missachtung droht ein Bußgeld von bis zu 320 Euro inklusive einem Monat Fahrverbot.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.