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Rettungsplan für den Kalkofen

Die Stadt Wilsdruff investiert viel Geld, um die Blankensteiner Anlage wieder vorzeigbar zu machen.

Über viele Jahre haben sich Ingolf Dachsel und die Blankensteiner Heimatfreunde bemüht, den letzten Kalkofen im Ort zu sanieren. Nun steht der Vereinschef, der auch im Bauamt der Stadt arbeitet, kurz vor dem Ziel.
Über viele Jahre haben sich Ingolf Dachsel und die Blankensteiner Heimatfreunde bemüht, den letzten Kalkofen im Ort zu sanieren. Nun steht der Vereinschef, der auch im Bauamt der Stadt arbeitet, kurz vor dem Ziel. © Karl-Ludwig Oberthür

Wer von Blankenstein nach Neukirchen fährt, übersieht den einzig noch vorhandenen Kalkofen im Wilsdruffer Stadtgebiet. Dabei steht er keine fünf Meter von der Straße entfernt. Allerdings ist er zugewachsen. Sträucher haben sich hier breitgemacht und überdecken die Anlage mit einem grünen Mantel. Hier wuchsen auch schon Bäume, deren Wurzeln tief ins Mauerwerk vorgedrungen sind. „Wir mussten sie fällen, sonst wären die Schäden am Kalkofen noch größer geworden“, berichtet Ingolf Dachsel. Einen großen Schaden habe auch die Jahrhundertflut 2002 angerichtet. Die innere Ausmauerung war nach der Überflutung in sich zusammengestürzt, erzählt der Blankensteiner.

Der 53-Jährige ist heute in Doppelfunktion vor Ort. Zum einen als Chef der Heimatfreunde Blankenstein. Dieser 2003 gegründete, 24 Mitglieder starke Heimatverein bemüht sich seit Jahren darum, den Kalkofen zu erhalten. Und zum anderen ist Dachsel als Mitarbeiter des Wilsdruffer Bauamtes vor Ort.

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Das Rathaus verfolgt das gleiche Ziel, bemühte sich lange um eine Finanzierung für die überfällige Sanierung dieses technischen Denkmals. Die steht inzwischen. Deshalb konnten die Arbeiten schon ausgeschrieben werden. „Die Ergebnisse liegen vor“, sagt Dachsel. Die Angebote reichen von 125 000 bis 404 000 Euro. Die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, werde in den nächsten Tagen fallen. Fest steht schon, wie die Sanierung ablaufen wird. Zunächst werde die Firma das Gestrüpp beseitigen und das Mauerwerk freilegen. Dann wird das Geröll aus dem Inneren des Kalkofens herausgenommen.

„Steine, die wir zum Wiederaufbau verwenden können, werden aussortiert“, so Dachsel. Anschließend werde das eingestürzte Gewölbe wieder hergestellt. Zudem sollen die Stellen, an denen Steine herausgebrochen sind, geschlossen werden.

Damit der Kalkofen in wenigen Jahren nicht wieder saniert werden muss, soll er anschließend mit Platten abgedeckt werden. Um dieses technische Denkmal erlebbar zu machen, wird Wilsdruff noch einen stählernen Steg über den Kalkofen errichten. Von diesem werden sich Interessierte die Anlage von oben anschauen können. Dachsel ist froh, dass sich die Stadt bereit erklärt hat, diesen Kalkofen zu erhalten. Er ist der Letzte von zwei Anlagen, die 1798 errichtet wurden und zum Kalkbergwerk von Carl Ernst Faust gehörten. Der Ofen entspricht dem Typ „Schneller“. Wenn er kontinuierlich mit Kalkstein sowie Holz- oder Steinkohle bestückt wurde, konnten mit ihm damals täglich zwei Tonnen Brandkalk produziert werden.

Nicht nur das Gewölbe des Kalkofens ist kaputt. Auch am äußeren Mauerwerk ist einiges zu tun.
Nicht nur das Gewölbe des Kalkofens ist kaputt. Auch am äußeren Mauerwerk ist einiges zu tun. © Karl-Ludwig Oberthür

Aufgrund seines Entstehungsjahres geht die Stadt Wilsdruff davon aus, dass der Kalkofen mit zu den ersten Brennstätten dieser Art in der Region gehörte. In seiner Einschätzung stützt sich das Rathaus auf Untersuchungen von Lutz Wernecke, der lange Zeit in Blankenstein lebte und in seiner Freizeit den früheren Kalkbergbau erforschte, erzählt Dachsel. Seine Erkenntnisse sind auf den Schautafeln nachzulesen, die am Kalkofen und der benachbarten Altbergbaulandschaft stehen. Denn der Kalkofen ist Teil eines größeren Areals, zu dem einst auch das frühere Brennmeisterhaus gehörte, das immer noch existiert und neben dem Kalkofen steht, heute aber ein Wohnhaus ist.

Einige Meter weiter befindet sich eine kleine Betonfassung. Diese wurde über dem 1869 angelegten 26,5 Meter tiefen Schacht errichtet. Dieser führt zu den Stollen, aus denen Kalkstein gewonnen wurde. 1876 stürzte der schlecht gesicherte Nordstollen ein, berichtet Dachsel. Es entstand eine Grube, bergmännisch Pinge genannt, die später gesichert und danach bis in die 1990er-Jahre als Schutthalde genutzt wurde. „Von der Pinge gibt es nur noch historische Fotos“, erzählt er. Weitere Altbergbauanlagen gibt es im Triebischtal und auf dem Schlossberg. Der Kalkofen ist der markanteste Sachzeuge jener Zeit, als es in Blankenstein drei Kalkbergwerke gab, neben dem Faust’schen existierte auch noch das Hahn’sche und das derer von Schönberg.

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Die Heimatfreunde Blankenstein möchten, dass das wenig Erhaltene weiterhin zu sehen ist. Deshalb sei er froh, dass die Stadt sich des Kalkofens angenommen hat, sagt Dachsel. Er war auch gern bereit, die Sanierung zu koordinieren, obwohl er im Bauamt eigentlich für den Tief- und Straßenbau zuständig ist. Die Sanierung soll, so möchte es der Fördermittelgeber, im Oktober beendet sein. Dann, da ist sich Dachsel sicher, werde man besser verstehen können, wie der Brennkalk früher hergestellt wurde.

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