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Rettungsschirm für Tiergärten gefordert

Ab 5. Mai darf auch der Elbetierpark Hebelei wieder öffnen. Trotz eigener Not hilft er auch anderen.

Musiker Max Schumann und Betreiber Jörg Seidel vom Sachsenkeller Meißen und Sven Näther (v.l.n.r.) mit Zwergziegennachwuchs. im Elbetierpark Hebelei.
Musiker Max Schumann und Betreiber Jörg Seidel vom Sachsenkeller Meißen und Sven Näther (v.l.n.r.) mit Zwergziegennachwuchs. im Elbetierpark Hebelei. © Foto: privat

Diera-Zehren. Darauf hat Sven Näther wochenlang gewartet. Am 5. Mai darf er den Elbetierpark Hebelei aller Voraussicht nach wieder für Besucher öffnen. Der Betreiber ist dringend auf Einnahmen angewiesen. Dass der Elbetierpark überhaupt schließen musste, hält er für unnötig. "Wir haben ein großes Gelände, so viele Besucher kommen nicht auf einmal. Die Sicherheitsabstände können bei uns eingehalten werden", sagt er. 

Ihm sind in den letzten Wochen wichtige Einnahmen weggebrochen, die er nicht nur für den täglichen Betrieb  braucht, sondern auch,  um sich ein Polster für den Winter zu verschaffen. Besonders die Schließung über die Osterfeiertage hat ihn hart getroffen. Dann findet nämlich immer das Tierparkfest statt. 

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Ein kleiner Hoffnungsschimmer war der Bauernmarkt, der am 19. April unter verschärften Hygienebestimmungen durchgeführt wurde.  Der sei ganz gut gelaufen. Bereits am kommenden Sonntag, dem 3. Mai, findet nun der nächste Bauernmarkt statt.  Es sollen mehr Händler da sein, als noch vor zwei Wochen. Das Problem: Viele Unternehmer habe ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, nur noch den Hofladen geöffnet. Ihre Leute können sie nicht so schnell zurückholen. Für die Besucher gelten natürlich alle Vorschriften zum Virenschutz. Mundschutz ist wie derzeit bei allen Einkäufen Pflicht. 

Auch die Meißner Club-und Musikszene ist von der Corona-Krise bedroht , weshalb am Sonntag auf dem Bauernmarkt der Sachsenkeller-Club Meißen unterstützt werden soll , der zurzeit  Totalausfall hat. Der Club wurde von Jörg Seidel und Freunden vor vier Jahren gegründet und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit. Er befindet sich in der Bohnitzscher Straße 14 in einen romantischen, voll ausgestatteten Gewölbekeller, so Näther. Das besondere an diesem Ort sei die Leidenschaft und das Herz für echte Live-Musik.  Ein besonderer Höhepunkt  ist jedes Jahr der Auftritt der Puhdys-Tribut-Band "Wilder Frieden", die auch Bon Jovi covern.  "Die Mitglieder sehen ihren geliebten Club, der auch zum Üben dient, gerade extremst gefährdet", sagt Sven Näther. 

Thema: Fieberklee

Thema ist der Fieberklee, die  Blume des Jahres 2020. Mit der Aktion „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung auf den dringend notwendigen Schutz der Moore aufmerksam und thematisiert ihre Bedeutung für Mensch und Natur. Denn nicht nur eine Vielzahl gefährdeter, hoch spezialisierter Arten fühlt sich hier wohl – vor allem das Klima wird in erheblichem Maße durch sie beeinflusst. 

Schon in den 1970er Jahren erwarb Loki Schmidt, die Frau des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD), eine erste Wiese, um an der deutsch-belgischen Grenze ein Vorkommen der Wilden Narzisse zu sichern. Später kamen im ganzen Bundesgebiet Grundstücke hinzu. Fieberklee oder Bitterklee ist eine Sumpf- oder Wasserpflanze und auf der Nordhalbkugel verbreitet. Fieberkleepflanzen aus Kultivierung kann man am Stand des Elbetierparkes erhalten, dessen Erlös diesem zu Gute kommt. 

Zum Bauernmarkt dürfen die  Besucher noch nicht in den Tierpark, geöffnet werden darf erst zwei Tage später.   "Die Einnahmen zum verlängerten ersten Maiwochenende als Absicherung für den Winter gehen uns leider verloren", bedauert Sven Näther. Um wirtschaftlich irgendwie über die Runden zu kommen, hat er sogar seine eigenen Prinzipien vorübergehend über Bord geworfen. So ist es im Tierpark verpönt, Einwegverpackungen zu benutzen. 

Kaffee to go

Doch jetzt verkauft er zum Beispiel Kaffee to go,  um wenigstens ein paar Einnahmen zu haben. Da muss der Umweltschutz eben mal zurückstellen. Auch am kommenden Wochenende soll es dieses Angebot wieder geben. Auch am 1. Mai soll am Imbiss verkauft werden, außer Kaffee unter anderem auch Rostbratwürste, Eis und Bier. Der Tierpark bekommt nach wie vor Unterstützung von Spendern. So spendete beispielsweise die Bäckerei Liebscher aus Weinböhla Brötchen für den Bratwurststand und das Elblandklinikum Riesa Desinfektionsmittel.  "Bei diesen und allen anderen Spendern bedanken wir uns sehr", sagt der Tierparkchef. 

In der Krise zeigt sich der wahre Charakter des Menschen, heißt es.  Sven Näther muss einen guten Charakter haben. Denn obwohl ihm das Wasser bis zum Hals steht, setzt er sich für andere ein, unterstützt sie, wenn auch nicht finanziell. So wird er  auf dem nächsten Bauernmarkt einen Meißner Musikclub unterstützen,  in dem er ihm kostenlos einen Stand zur Verfügung stellt.

"Auch die Gastro- und Kulturszene ist stark bedroht und wird ungefördert im Lockdown gehalten.  Hier muss ein Rettungsschirm her, denn die laufenden Nebenkosten müssen  weiter bezahlt werden", sagt er. Aus diesem Grund hat er  zu Ostern bereits durch einen Facebookaufruf das Gasthaus "Zum Roß" der Familie Dörner in Diesbar-Seußlitz unterstützt. "Die Gaststätte hat uns damals in der  Hochwasserkrise großartig geholfen", sagt er.  Das Gasthaus hält sich derzeit mit Catering über Wasser und kocht zum Beispiel Spargelgerichte, die telefonisch  bestellt und abgeholt werden können. 

Der Elbe-Tier-Park Hebelei, der ebenfalls stark davon bedroht sei,  für immer zu schließen, könne dem Sachsenkeller zwar nicht wirtschaftlich helfen,  jedoch habe er dem Club kostenlose Standflächen auf dem Bauernmarkt zur Verfügung gestellt. Auf diesen wird der Freundeskreis des Sachsenkeller Streetfood to go verkaufen, dessen Erlös dem Sachsenkeller-Club Meißen zu Gute kommt. 

Außerdem sollen bis zu seiner Wiedereröffnung kleinere Solo-Acts stattfinden, der Erlös aus diesen Aktionen dient der Deckung von Miete, Nebenkosten und Versicherungen des Sachsenkellers, so der Betreiber des Elbetierparkes. Aus diesem Grund wird es am  3. Mai am Eingang des Tierparkes zwei Sparschweine geben, eins für den Sachsenkeller Meißen und eins für den Elbe-Tier-Park Hebelei.  Um 11, 14 Uhr und 16 Uhr werden dann die echten Schweine am Tierparkeingang gefüttert. 

Öffnung löst nicht alle Probleme

Sven Näther sehnt nun den 5. Mai herbei, hofft, dass es dabei bleibt, Tiergärten öffnen zu können. Ganz traut er dem Frieden noch nicht. "Jeden Tag ändert sich doch etwas, was gestern richtig war, ist heute plötzlich falsch", sagt er. Und weiß, dass eine Öffnung längst nicht alle Probleme löst. Auch hier denkt Näther nicht nur an sich, sondern an andere. So dürfte zwar das Freigelände geöffnet werden, nicht aber Tierhäuser und die oft privat geführten Aquarien, Terrarien, Schmetterlingshäuser.  "Was wird mit denen?", fragt er.

Nähter fürchtet auch, dass trotz der Lockerungen die Einnahmen der Tiergärten sinken werden, da ja weiterhin nur leichter Tourismus erlaubt sei. Zudem hätten viele Menschen wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit jetzt weniger Geld in der Tasche, könnten sich vorläufig einen Tierparkbesuch nicht leisten, fürchtet er. Insofern müsse ein umfassender Rettungsschirm auch für die über 800 Tiergärten in Deutschland her. 

Wie viele Unternehmen hat auch Sven Näther Soforthilfe beantragt. Am 3. April war das. Das Geld sollte innerhalb von 48 Stunden ausgezahlt werden, versprach die Regierung. Bis heute, nach 25 Tagen,  hat der Tierparkchef noch keinen einzigen Cent erhalten. Nun hofft er, dass die Regierenden wenigstens bei der Öffnung der Tiergärten Wort halten. "Ich kann es immer noch nicht fassen. Eine der ersten Lockerungen war,  in Dresden eine Pegida-Demonstration zu genehmigen. Und uns lässt man kaputtgehen", sagt er. 

Spendenkonto: Elbepark Hebelei, IBAN: DE04 8505 5000 3100 0050 65, BIC: SOLADES1MEI, Sparkasse Meißen, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark

Bauernmarkt: 3. Mai von 10 bis 16 Uhr in der Hebelei. 

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