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Ist die Badesaison wirklich gerettet?

Es gibt einen Vertrag, einen Sponsor, einen Einsatzplan: Aber dass in diesem Sommer genügend Rettungsschwimmer am See Dienst tun, kann man nur hoffen.

Tim Glogowski gehört zum Team der Rettungsschwimmer am O-See. Mitglieder von DLRG und DRK-Wasserwacht übernehmen die Dienste ehrenamtlich - wenn sie Zeit haben.
Tim Glogowski gehört zum Team der Rettungsschwimmer am O-See. Mitglieder von DLRG und DRK-Wasserwacht übernehmen die Dienste ehrenamtlich - wenn sie Zeit haben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Tim Glogowski hebt das Fernglas: Hat den Schwimmer dort draußen im See womöglich die Kraft verlassen? Der 18-Jährige würde das schnell erkennen. Er ist Rettungsschwimmer - gut ausgebildet und gut trainiert. Er kann dem Mann, falls nötig,  sofort zu Hilfe eilen. 

Für diese Woche hat Tim Glogowski sich zum Dienst am Olbersdorfer See gemeldet. Es sind seine letzten Sommerferien, da hat er gerade Zeit. Für nächste Woche muss sich Martin Kontek einen anderen suchen. Da sitzt Glogowski auf einem Wachturm der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an der Ostsee.

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Martin Kontek ist derjenige, der beim Zittauer DLRG-Kreisverband die Einsätze der Rettungssschwimmer koordiniert. "Ein schwieriger Job", sagt er. Einer, den der 29-Jährige ehrenamtlich macht - neben seiner eigentlichen Arbeit. Auch die Rettungsschwimmer tun ihren Dienst ehrenamtlich.

"Es ist wird immer schwieriger, die Dienste abzusichern", sagt er. Das Problem ist nicht neu. Auch in vergangenen Jahren hatte es nicht immer genügend Rettungsschwimmer gegeben, die sich in den Sommerferien und an den Wochenenden für nichts mehr als eine Aufwandsentschädigung an den See stellen können. Und im Grunde haben das auch für diesen Sommer alle kommen sehen.

Martin Kontek vom Zittauer DLRG-Kreisverband koordiniert den Einsatzplan der Rettungsschwimmer am See: "Es wird immer schwieriger, die Wachen abzusichern", sagt er.
Martin Kontek vom Zittauer DLRG-Kreisverband koordiniert den Einsatzplan der Rettungsschwimmer am See: "Es wird immer schwieriger, die Wachen abzusichern", sagt er. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dabei, sagt Kontek, sei er ja froh, dass überhaupt wieder ein Vertrag mit den Rettungsschwimmern zustande gekommen ist. "Wäre es nach dem Landkreis gegangen, wäre Schluss gewesen", weiß der Einsatz-Koordinator. Dass es in diesem Sommer überhaupt wieder eine Badeaufsicht am O-See geben kann, ist der Gemeinde Olbersdorf und der Sparkasse zu verdanken.

Am Donnerstagnachmittag hat Bürgermeister Andreas Förster (FDP) mit den Vertretern von DRK und DLRG den Vertrag unterzeichnet, der die Wasserrettung am O-See erst einmal wieder sicherstellt. Die Olbersdorfer Gemeinderäte hatten das einstimmig beschlossen. Aber der Vertrag gilt wieder nur für eine Saison - und ist immer noch nur eine Notlösung, die auf ehrenamtliche Dienste und die Finanzierung durch Spenden setzt.

Olbersdorfs Bürgermeister hat seine Unterschrift mit gemischten Gefühlen gegeben - und eigentlich auch gegen seine Überzeugung. "Wir tun das, damit es hier irgendwie weitergeht, nachdem sich der Landkreis aus der Verantwortung gezogen hat." Försters mehrfach zur Sprache gebrachter Vorschlag, dass sich der Landkreis, die Stadt Zittau und die Gemeinde in die Verantwortung für das überregional bedeutende Gewässer teilen, wird vom Kreis abgelehnt - und bleibt in Zittau ungehört.

Alle in einem Rettungs-Boot: Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (FDP), Oleg Dietze von der DLRG und Gottfried Hanzl vom DRK-Kreisverband haben am Donnerstag den Vertrag über die Wasserrettung am O-See unterschrieben. Bettina Richter-Kästner von der
Alle in einem Rettungs-Boot: Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (FDP), Oleg Dietze von der DLRG und Gottfried Hanzl vom DRK-Kreisverband haben am Donnerstag den Vertrag über die Wasserrettung am O-See unterschrieben. Bettina Richter-Kästner von der © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wasserretter sind auf Spenden angewiesen

Auch Martin Kontek sieht den neuen Vertrag mit gemischten Gefühlen. "Es ist erst einmal gut, dass wir wieder abgesichert sind", sagt er. "Aber es ist wieder nur eine Lösung für ein Jahr." Und wieder seien DLRG und Wasserwacht auf eine Spende der Kreissparkasse angewiesen, um den Rettungsschwimmern eine Aufwandsentschädigung zahlen und das nötige Material kaufen zu können. 

"Wenn es eine generelle Lösung gäbe, sagt Kontek, "dann könnten wir langfristig planen und gezielter ausbilden." Normalerweise braucht er für jeden Dienst einen ausgebildeten Wachleiter, einen Bootsführer mit Bootsführerschein und einen Rettungssanitäter vor Ort am See. So viel ausgebildetes Personal hat er unter den Ehrenamtlichen gar nicht.  

Landesregierung hat Handlungsbedarf

Auch der Oberlausitzer CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer sieht in der Frage der Wasserrettung Handlungsbedarf. Und das nicht nur am Olbersdorfer See. Man könne die Anliegergemeinden der neu entstandenen Seen mit der Verantwortung nicht allein lassen, sagt er. In der Landesregierung sei das Thema auch schon auf dem Plan.

Aber dafür muss das Brand- und Katastrophenschutzgesetz geändert werden. "Die Beratungen dazu seien angelaufen, so Meyer,  wurden aber coronabedingt unterbrochen. Meyer geht davon aus, dass dazu frühestens im ersten Halbjahr 2021 im Landtag beraten werden kann.

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Bis dahin sind die Badegäste am Olbersdorfer See weiter auf Tim Glogowski und die anderen Rettungsschwimmer von DLRG und DRK angewiesen, die hier für eine Aufwandsentschädigung von vier Euro pro Stunde freiwillig Dienst tun.

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