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Rettungswache auf Bombengebiet wächst

Der Rohbau an der Gerokstraße soll im März fertig sein. Angst vor einem weiteren Bombenfund müssen die Arbeiter nicht haben.

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© steffen füssel, steffen fuessel

Von Tobias Hoeflich

Ein eisiger Wind weht an diesem Morgen über die Baustelle an der Ecke Gerok-/Hopfgartenstraße. Noch hat es die aufgehende Sonne nicht über die Plattenbauten gegenüber geschafft. Trotzdem werkeln die Arbeiter schon emsig am Betonmantel der künftigen Rettungswache. Nächstes Jahr sollen Notfallhelfer von hier starten können. Damit das Ziel eingehalten wird, sind die Bauarbeiter auch bei Minusgraden auf dem Metallgerüst unterwegs. „Hier oben kriegst du das Hosenflattern“, sagt Bauleiter Reinhard Kleinert lachend.

© steffen füssel, steffen fuessel

Der Hochbaumeister der Firma Gläser Komplettbau aus dem erzgebirgischen Sayda kann zufrieden sein. Ende August rückten auf dem Gelände die Bagger an. Allmählich wird die künftige Rettungswache erkennbar, der Rohbau wächst Woche für Woche. Erd- und Obergeschoss sind bereits fertig. „Jetzt werden die Wände im zweiten Obergeschoss hochgezogen. Danach kommt die Decke“, erklärt Bauleiter Kleinert. Mitte März soll alles fertig sein. Dann kann der Innenausbau starten.

Dabei profitiert die Baufirma von dem milden Winter. Nur Mitte Januar, als die Temperaturen zeitweilig bis auf zweistellige Minuswerte sanken, mussten die Arbeiten wenige Tage ruhen. Seitdem geht es wieder voran. Vor allem den Johannstädtern wird die neue Rettungswache nutzen: Bisher kommen die Einsatzfahrzeuge aus der Neustadt, Friedrichstadt und Striesen. Dabei sind in der dicht besiedelten Johannstadt wegen des hohen Altersschnitts besonders viele Rettungs- und Krankenwagen unterwegs.

„Das Ding hätte hochgehen können“

Auch wenn die Wache vor allem für die Johannstädter wichtig ist, sorgte sie im September stadtweit für Aufsehen. Ein Arbeiter baggerte sich beim Graben eine britische Fliegerbombe auf die Schaufel. Wegen des fünf Zentner schweren Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser im Umkreis von 400 Metern evakuiert. Mehrere Tausend Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Noch in der Nacht gelang es, die Fliegerbombe zu entschärfen. „Der Marathon ging bis früh um vier“, erinnert sich der Bauleiter. Kleinert selbst war beim Fund in den Morgenstunden des Bombenfreitags nicht vor Ort.

Den Bauleuten war bewusst, jederzeit auf einen Blindgänger stoßen zu können: Die Johannstadt trafen die Angriffe der Alliierten 1945 besonders hart. „Der Kollege im Bagger hat Glück gehabt“, sagt Kleinert. „Das Ding hätte auch hochgehen können.“ Nach dem Bombenfund musste die Firma den Plan ändern: Statt nur für die Seitenfundamente wurde der Boden in der gesamten Fläche ausgehoben. Ein zweiter Bauarbeiter hat stets die Baggerei überwacht. „Wir wollte sichergehen, dass keine weitere Bombe unter dem Neubau ist.“

Zeit hat der kolossale Blindgänger die Arbeiter nicht gekostet. Nur am Tag des Bombenfundes waren die Firmen zu einer Pause gezwungen. In den folgenden Wochen ist aber teils auch Sonnabend gearbeitet worden, um den Zeitplan einzuhalten. Wenn der Rohbau im März steht, rücken die Dachdecker, Stahlbauer und Elektrotechniker an. „Aber das geht uns nur bedingt etwas an“, sagt Projektleiter Kleinert. „Wichtig ist, dass wir den Staffelstab pünktlich übergeben.“

Daran ist auch Feuerwehrsprecher Thomas Mende gelegen. Maximal zwölf Minuten darf es dauern, bis ein Rettungswagen zum Einsatzort gelangt. Gerade in der Johannstadt war das bisher oft heikel. Durch den knapp vier Millionen Euro teuren Neubau an der Gerokstraße ändert sich das: „Logistisch ist der Standort perfekt und entlastet die Einsatzkräfte“, freut sich der Feuerwehrsprecher. Zwei Rettungswagen, zwölf Krankentransporter und vier Reservefahrzeuge werden hier stationiert sein – laut Mende voraussichtlich ab 2015. „Bald können wir hoffentlich schon das Richtfest feiern.“