SZ +
Merken

Reue allein hilft nicht

Der zwanzigjährige Robert G. traut sich nachts nicht mehr auf die Straße. Zu groß ist seine Angst, wieder überfallen zu werden, wie am 7. Mai. Gegen 0.20 Uhr sprachen ihn auf der Breiten Straße zwei Jugendliche an.

Teilen
Folgen

Von Gudrun Stabenow

Der zwanzigjährige Robert G. traut sich nachts nicht mehr auf die Straße. Zu groß ist seine Angst, wieder überfallen zu werden, wie am 7. Mai. Gegen 0.20 Uhr sprachen ihn auf der Breiten Straße zwei Jugendliche an. Sie wollten Geld haben. Als er sagte, dass er nichts bei sich hätte, schlugen und traten sie ihn so lange, bis er ihnen 20 Euro gab. Nur kurze Zeit später versuchten es Stanislaw A. und Markus B., die von einer Feier im „Schwarzen Adler“ kamen und Geld für Zigaretten brauchten, noch einmal. Jetzt war ein Mann an der Bushaltestelle Robert-Koch-Straße ihr Opfer. Von ihm verlangten sie ebenfalls Geld und EC-Karte. Als Marcus R. und Lars E. zu ihnen stießen, fühlten sie sich noch stärker. Kurzerhand zog Markus B., mit 15 Jahren der Jüngste, sein Klappmesser, um von dem Mann die PIN-Nummer zu erfahren. Als sie vergeblich versuchten, an Automaten Geld abzuheben, ließen sie ihre Wut an dem Opfer aus.

Alle vier mussten sich am Montag vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Keiner ist ein „unbeschriebenes Blatt“, wie Jutta Schurig von der Jugendgerichtshilfe weiß. Sie sind in der „Szene“ bekannt, haben schon Vorstrafen und saßen in Untersuchungshaft. Immer wieder ist Alkohol mit im Spiel. Auch am 26. April, als sie einen Achtunddreißigjährigen auf dem Ernst-Thälmann-Platz so brutal zusammenschlugen, dass er vier Wochen krank war.

Als die Jugendlichen nun wegen schwerer und räuberischer Erpressung sowie Raubes angeklagt sind, geht ihnen endlich ein Licht auf. Sie sind geständig und zeigen Reue. Markus B. und Stanislaw A. entschuldigen sich bei dem von ihnen Zusammengeschlagenen. Die Untersuchungshaft ist auch an Marcus R. nicht spurlos vorübergegangen. Er will auf keinen Fall wieder „rein“. „Dann darf aber auch nichts mehr passieren“, sagt ihm der Richter Jürgen Uhlig eindeutig.. Markus B. sitzt mit gesenktem Kopf da. Als Erwachsener müsste er eine Haftstrafe von fünf Jahren verbüßen. So kommt er mit einem Jahr und sechs Monaten davon, Stanislaw A. mit einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Auch die anderen beiden Angeklagten erhalten Bewährungsstrafen, müssen aber strenge Auflagen erfüllen. Dazu gehören soziale Trainingskurse und jeweils 120 Stunden gemeinnützige Arbeit.