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Revolution im Vermessungsamt

Als erster Kreis in ganz Sachsen führt Görlitz eine einheitliche Datenbank für alle Grundstücke ein. Das hilft Häuslebauern, Bürgermeistern und Firmenchefs.

Von Tilo Berger

Landkreis. Wer schon einmal ein Grundstück kaufen, ein Haus, eine neue Straße oder eine zusätzliche Werkhalle errichten wollte, kennt die Prozedur: Ohne Liegenschaftskataster geht da nichts. Seit mehr als 150 Jahren ist es in Deutschland üblich, praktisch jeden Quadratmeter Land amtlich zu erfassen. Dafür gab es lange Zeit zwei verschiedene Papiere: das Flurbuch und die Flurkarte. Im Buch stand, wem das jeweilige Grundstück seit wann gehört, wie groß es ist und ob Gebäude darauf stehen. Und auf der Karte war das Ganze dann mit exakten Linien und Punkten zu sehen.

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Im Laufe der Zeit nahmen Flurbuch und -karte verschiedene Formen an, Sachsens Katasterverwaltungen nahmen schon seit 1982 schrittweise Abschied vom Papier. Ihre CoLiDo – computergesteuerte Liegenschafts-Dokumentation – kam damals einer Revolution gleich. Nach 1990 wurde alles schrittweise noch digitaler, aber es blieb immer bei zwei Datenbanken: eine mit Namen und Zahlen, eine mit Karten.

Ein längst überfälliger Schritt

Aber das war nicht nur in Sachsen so, sondern in ganz Deutschland. Bis die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen in Deutschland im Jahr 2000 beschloss, schrittweise im ganzen Bundesgebiet ein neues, einheitliches Verfahren namens Alkis einzuführen. Die Abkürzung steht für Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem. Das geht nicht von heute auf morgen. Allein im Kreis Görlitz dauerte es sieben Jahre, sämtliche Fakten, Karten und Informationen aus den bisher zwei Datenbanken in das einheitliche System im Internet zu übertragen, berichtete jetzt Landrat Bernd Lange (CDU). Nach seinem Lob an alle daran Beteiligten im Amt für Vermessungswesen und Flurneuordnung drückte Lange auf den obligatorischen roten Knopf, mit dem Alkis für den Kreis Görlitz in Betrieb ging. Sachsens östlichster Landkreis wurde damit zum ersten im ganzen Freistaat, der das neue System einführte.

Für die mehr als 40 Mitarbeiter des Amtes, das in der ehemaligen Löbauer Kaserne untergebracht ist, soll jetzt alles etwas einfacher und schneller gehen, hofft Amtsleiterin Birgit Trenkler. Wenn sich nämlich jetzt an irgendeiner Liegenschaft etwas ändert – zum Beispiel durch Verkauf des Grundstückes –, dann muss das nur noch in einer statt zwei Datenbanken eingetragen werden. Das alles passiert auf einer Internetseite, die aber nicht für jedermann zur Verfügung steht. „Adressen, Namen und ähnliche Informationen unterliegen dem Datenschutz“, erklärt Birgit Trenkler, warum Auskunftswillige nach wie vor bei den zuständigen Ämtern persönlich vorstellig werden müssen. „Für die Verwaltung aber ist das ein gewaltiger Schritt.“ Landrat Lange bezeichnet ihn als „längst überfällig“.