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Leipzig

Richter spricht neben Gysi zu Leipziger Jubiläums-Konzert

Die Einladung des letzten SED-Chefs als Redner zum 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution hatte für Kritik gesorgt. Nun bessern die Veranstalter nach.

Der Theologe und Bürgerrechtler Frank Richter war  während der Friedlichen Revolution in Dresden ein Mitbegründer der „Gruppe der 20“.
Der Theologe und Bürgerrechtler Frank Richter war während der Friedlichen Revolution in Dresden ein Mitbegründer der „Gruppe der 20“. © Sebastian Kahnert/ZB/dpa

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Frank Richter soll es richten: Bei einem umstrittenen Festkonzert zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober in Leipzig, bei dem bisher nur der letzte SED-Chef Gregor Gysi als Redner geladen war, tritt nun auch der Dresdner Bürgerrechtler und neue SPD-Landtagsabgeordnete als zweiter Ehrengast auf. Das gab jetzt die private Philharmonie Leipzig als Ausrichter des Konzerts bekannt. 

„Gregor Gysi und Frank Richter sprechen über diesen besonderen Tag in der Leipziger Geschichte“, teilt der Vereinsvorstand mit. Beide Gäste sollen einige einleitende Worte sprechen. Zum 30-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution spielt die Philharmonie Leipzig die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Titel des Festkonzerts: „Freiheit schöner Götterfunken“. Auch Carolin Masur, Tochter des legendären Gewandhaus-Maestros Kurt Masur, der im Herbst 1989 vermittelnd zwischen Demonstranten und Staatsführend wirkte, tritt als Gesangs-Solistin auf.

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Die Einladung Gysis als alleiniger Redner zu dem Festkonzert hatte wochenlang vor allem unter früheren DDR-Bürgerrechtlern für heftige Kritik gesorgt. Noch im Spätherbst 1989, als die DDR-Bevölkerung gegen Unterdrückung, Überwachung und Bevormundung protestierte, habe Gysi die führende Rolle der SED und den Erhalt der Staatssicherheit verteidigt, hieß es. Heute übe sich der Linken-Politiker in Geschichtsklitterung und der Verbreitung von Legenden. 

Die Einladung Gregor Gysis als alleiniger Redner zu dem Festkonzert hatte wochenlang vor allem unter früheren DDR-Bürgerrechtlern für heftige Kritik gesorgt.
Die Einladung Gregor Gysis als alleiniger Redner zu dem Festkonzert hatte wochenlang vor allem unter früheren DDR-Bürgerrechtlern für heftige Kritik gesorgt. © Carmen Jaspersen/dpa

Mehr als 400 Menschen aus der ehemaligen DDR-Opposition, aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und Politik in Ost und West hatten in einem Offenen Brief scharfe Kritik geäußert. „Wir können nicht glauben, dass die Geschichtsvergessenheit bereits so weit fortgeschritten ist, dass nun schon diejenigen zu Festreden eingeladen werden, die Revolution und Einheit mit aller Entschiedenheit zu verhindern suchten“, heißt es in dem Brief.

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Der Theologe und Bürgerrechtler Frank Richter war indessen während der Friedlichen Revolution in Dresden ein Mitbegründer der „Gruppe der 20“. Er war bis 2016 Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und danach Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche. Nach einer erfolglosen Kandidatur zum Meißner Oberbürgermeister 2018 wurde der parteilose SPD-Kandidat jetzt zum Landtagsabgeordneten gewählt.