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Richtig streiten in Reichenbach

Schüler lernen bei einem Theaterprojekt, Konflikte zu lösen. Für sich und andere.

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© nikolaischmidt.de

Von Jenny Thümmler

In der Schulklasse als Außenseiter dastehen. In Internetforen gehänselt werden. Mit manchem Lehrer nicht klarkommen. Verbale Gewalt von Mitschülern ertragen. All das kennen viele Jugendliche. Und hadern dann oft damit, wie das Problem zu lösen sein könnte. Hilfe kam gestern in Reichenbach vom Theaterpädagogischen Zentrum Sachsen aus Dresden. Die Mitarbeiter dieses Vereins reisen seit vielen Jahren durchs Land und bringen Schülern spielerisch bei, Konflikte zu lösen. Projektleiter Walter Henckel und Vereinsvorstand Frank Hohl nutzen dafür die Form des sogenannten Forumtheaters. Dabei werden eigene Beispiele von den Schülern ausgesucht und dann als Gruppe in einer kurzen Theaterszene dargestellt. Da die Schüler darin die Rollen tauschen und gemeinsam eine Lösung für den entsprechenden Konflikt finden sollen, können dadurch tatsächliche Spannungen außerhalb des Theaterspiels gelöst werden, erklären die Experten.

Eine Wissensvermittlung, wie sie die Oberschule Reichenbach schon seit neun Jahren nutzt. „Faustrecht“ nennt sie das Projekt, nach seinem früheren Namen, noch heute. Beim Theaterpädagogischen Zentrum heißt es inzwischen „Mitten dabei“, ist vom Inhalt her aber gleich. „Das funktioniert wirklich gut“, sagt Kathrin Otter, die gestern mit ihrer siebenten Klasse an dem Projekt teilnahm und dies schon seit einigen Jahren macht. „Ich hatte einmal einen Außenseiter in der Klasse, dem die Mitschüler danach mit viel mehr Toleranz begegneten.“ Das Projekt werde jedes Jahr gezielt in Klassenstufe 7 durchgeführt, weil es vom Alter der Schüler her gut passe und weil Konflikte dann auch im Ethikunterricht eine Rolle spielten. Beim Projekt selbst werden Gruppenprobleme ausgesucht, deren Klärung der Klasse tatsächlich etwas bringt, erklärt Kathrin Otter. „Es ist klar, dass nicht alle 28 Schüler einer Klasse gleich denken und die gleichen Freunde haben.“ Aber da die Schüler bis zum Schulabschluss noch mehr als drei Jahre als Klasse zusammenbleiben, lohne sich so ein eintägiger Ausflug in die Theaterwelt aus mehreren Gründen.

Die Mitarbeiter des Theaterpädagogischen Zentrums sind schon seit mehreren Jahren in Schulen der Region unterwegs. Für unterschiedliche Altersklassen bieten sie Theaterprojekte an, aktuell zum Beispiel „Der mit dem Fuchs spricht“, wo es um die Prävention von sexuellem Missbrauch geht. Schulen können diese Projekte buchen.