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Richtig versichert durch die Krise

Mit Corona haben sich auch die Risiken verändert. Anlass, seine Verträge kritisch zu überprüfen.

Die Corona-Krise verunsichert und wirft viele Fragen auf. Auch bestehende Versicherungen sollten auf den Prüfstand.
Die Corona-Krise verunsichert und wirft viele Fragen auf. Auch bestehende Versicherungen sollten auf den Prüfstand. © Christin Klose/dpa

Rund 2.400 Euro bezahlt jeder Deutsche pro Jahr für private Versicherungen.

Kann ich jetzt durch Vertragsänderungen Kosten sparen?

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Grundsätzlich ja. Eine Möglichkeit ist, in der Kfz-Versicherung die jährliche Kilometerlaufleistung zu verringern. Letztere ist zwar nur ein Faktor von vielen, hat aber Gewicht bei der Berechnung der Prämie. Sei absehbar, dass dank fortdauernder Homeoffice-Arbeit und wegfallender Urlaubsreisen zum Beispiel 10.000 statt 20.000 Kilometer gefahren werden, lohne sich eine Änderungsmitteilung, so Kim Paulsen vom Bund der Versicherer (BdV). „Wichtig ist dabei allerdings, später auch das Überschreiten dieser Marke zu melden, falls die neue Laufleistung doch zu niedrig angesetzt gewesen sein sollte.“

Erhalte ich bei einer abgesagten Reise den Reiserücktrittsbeitrag zurück?

Diese Frage wird derzeit häufig gestellt, sagt Madlen Müller von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Da es sich bei den meisten Reiserücktrittsversicherungen aber um Jahresverträge handelt, werden die Prämien in der Regel auch nicht zurückerstattet.“ Versicherungen für einzelne Reisen seien mittlerweile selten.

Zahlt die Reiserücktrittsversicherung bei Corona-Virus-Verdacht?

Wer wegen des Verdachts einer Infektion von der Gesundheitsbehörde unter Quarantäne gestellt wird, zählt laut BdV nicht als Versicherungsfall. Anders dürfte es aussehen, wenn der Betroffene tatsächlich an Covid-19 erkrankt ist.

Gibt es Policen, die ich jetzt bedenkenlos kündigen kann?

Nein. Denn der Bedarf an Risikoschutz, den man als Einzelner oder Familie bisher hatte, bleibt auch in der Krise bestehen. Eine Ausnahme könne die Auslandsreisekrankenversicherung sein, so Paulsen. Aber nur, wenn feststehe, dass in diesem Jahr alle Urlaube in Deutschland stattfinden werden. Hier bewegt sich die Ersparnis allenfalls im niedrigen zweistelligen Bereich.

Welche Leistungen bietet die Auslandsreisekrankenversicherung, wenn ich im Ausland an Corona erkranke?

Sie übernimmt die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht gedeckten Kosten für eine medizinisch notwendige Heilbehandlung im Ausland. Das gilt auch für Covid-19, wenn Pandemien in der Versicherungsbedingungen nicht ausgeschlossen sind. Erstattet werden dann auch die im Ausland anfallenden Kosten für ärztlich verordnete Arzneien soweit Verband- und Heilmittel und der Rücktransport. Vor allem wegen der Rücktransportkosten empfiehlt der BdV die Auslandsreisekrankenversicherung auch für privat Versicherte.

Im Homeoffice ist man im Falle von Unfällen unter Umständen schlechter geschützt als am eigentlichen Arbeitsplatz.
Im Homeoffice ist man im Falle von Unfällen unter Umständen schlechter geschützt als am eigentlichen Arbeitsplatz. © Sebastian Gollnow/dpa

Bin ich bei der Arbeit im Homeoffice genauso versichert wie im Betrieb?

Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) gilt: Während der Ausübung ihres Berufs und auf dem Weg zur und von der Arbeit sind Arbeitnehmer gesetzlich unfallversichert. Allerdings gibt es einige Gerichtsentscheidungen, die den Schluss nahelegen, dass man im Homeoffice unter Umständen schlechter geschützt ist. So hat etwa das Bundessozialgericht entschieden, dass die gesetzliche Unfallversicherung nicht einspringt, wenn man sich während einer Pause etwas zu trinken holt und dabei in der Wohnung stürzt (Aktenzeichen: B 2 U 5/15 R). Auch der Sturz beim Weg zum WC oder von dort zurück gilt im Homeoffice nicht als Arbeitsunfall. Das zumindest hat das Sozialgericht München entschieden (Aktenzeichen: S 40 U 227/18).

Sollte ich jetzt eine Rechtsschutzversicherung abschließen?

Nur wegen der Corona-Pandemie ist das aus Sicht der Experten nicht sinnvoll. „Entweder findet man eine solche Police grundsätzlich empfehlenswert oder nicht“, sagt Versicherungsmakler Johannes Brück. Ähnlich sieht es Kim Paulsen. Er sagt: „Interessenten sollten vorher gut überlegten, welche Lebensbereiche sie versichern wollen“. Bei vielen Tarifen ist noch etwas anderes wichtig: Neuverträge beinhalten eine Klausel, die für die meisten Leistungsbestandteile eine Wartezeit vorsieht. Üblicherweise sind das drei Monate. Innerhalb dieser Frist deckt die Police also noch keinen Versicherungsfall ab.

Wie wirkt sich Corona auf meine Altersvorsorgeversicherung aus?

Das lässt sich laut BdV noch nicht sagen. Fakt sei, dass weltweite wirtschaftliche Verwerfungen und Kurseinbrüche an den Börsen auch Auswirkungen auf die Kapitalanlagen der Lebensversicherungen haben.

Was, wenn ich Beiträge nicht mehr zahlen kann?

„Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer“, empfiehlt Johannes Brück. Es gibt viele Möglichkeiten, eine Kündigung zu vermeiden. Eine Variante ist demnach, eine Stundung zu vereinbaren. Das bedeutet, dass Beiträge zu einem späteren Zeitpunkt nachgezahlt werden. Laut Bund der Versicherten (BdV) zeigen sich derzeit viele Versicherer kulant beim Thema Stundung. Manche verzichten auch auf den sogenannten Unterjährigkeitszuschlag, also jenen Mehrbetrag, die für das monatliche quartalsweise oder halbjährliche Abstottern der Prämie anfällt. „Diese Ersparnis macht das Kraut aber auch nicht fett“, sagt Brück. Größere Entlastung bringt da schon das vorübergehende Aussetzen der Zahlungen. „Allerdings verliert man damit in diesem Zeitraum seinen Versicherungsschutz“, gibt Paulsen zu bedenken. Bei der Absicherung von Risiken sei das problematisch. Bei Rentenversicherungen hingegen führten ausgesetzte Beträge „nur“ zu einer geschmälerten Ablaufleistung. Das ist jene Summe, die nach Ablauf der Versicherung ausgezahlt wird.

Wie lange darf ich meine Beitragszahlung aussetzen?

Für Pflichtversicherungen gilt: Berufen sie sich auf eine durch Corona bedingte Notlage, können sie die Prämienzahlung bis zu drei Monate aussetzen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Laut BdV müssen die Nachzahlung dann spätestens bis 21. Dezember 2021 geleistet werden.

Was muss ich beachten, wenn ich einen Neuabschluss erwäge?

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Ein wichtiger Punkt für die Auslandsreisekrankenversicherung ist die Regelung zum Umgang mit Vorerkrankungen. „Hier gibt es normalerweise eine Einschränkung der Leistungspflicht auf ,unvorhergesehene, nicht absehbare und akute‘ Erkrankungen“, erklärt Kim Paulsen vom BdV. Die Frage ist nun, was das für chronisch Kranke bedeutet. Um nachträglichen Streit zu vermeiden, müsse daher geklärt werden, dass Vorerkrankungen definitiv mit unter den Versicherungsschutz fallen. Ebenfalls wichtig ist aus Sicht von Experten, dass nicht nur der „medizinisch notwendige“, sondern auch der „medizinisch sinnvolle Rücktransport“ aus dem Urlaubsland mitversichert wird.

>>>Zum Online-Bedarfs-Check vom Bund der Versicherten

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