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Riesa bekommt seine eigene Tierdoku

Mit der Sendung Elefant, Tiger & Co. wurde der Leipziger Zoo über Sachsen hinaus bekannt. Jetzt versuchten sich Kinder im Riesaer Tierpark an ihrer eigenen Version.

Fuchs wird Filmstar: Beim Ferienangebot des SAEK Riesa produzieren Kinder eine Tier-Doku-Soap. Die könnte am Ende auch im Tierpark laufen.
Fuchs wird Filmstar: Beim Ferienangebot des SAEK Riesa produzieren Kinder eine Tier-Doku-Soap. Die könnte am Ende auch im Tierpark laufen. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Rotfuchs schaut etwas skeptisch in die Kameras. Zuschauer ist er bei der täglichen Fütterung eigentlich nicht gewohnt. Nun stehen und hocken fast ein Dutzend Leute am Eingang zu seinem Käfig im Tierpark Riesa - und hoffen, dass er trotzdem Appetit hat. 

Nachdem die MDR-Sendung "Elefant, Tiger & Co." in den vergangenen Jahren zum Quoten-Hit wurde und andere öffentlich-rechtliche Sender ihre eigenen Ableger produzierte, entsteht über die Sommerferien auch eine Riesaer Mini-Version des Formats. Treibende Kraft hinter dem einwöchigen Ferienprojekt ist John Weickardt, Studioleiter des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals (SAEK) in Riesa. "Es ist ein Ferienprogramm", betont er, "es soll also auch Spaß machen." 

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Aber in den fünf Tagen lernen die teilnehmenden Kinder quasi nebenher, wie solche Serien entstehen. Da verbringt etwa ein Kamerateam auch mal einige Minuten damit, einfach nur die Geräuschkulisse rund um den Hühnerstall aufzunehmen, um die gegebenenfalls später über andere Aufnahmen legen zu können. 

Die Kurse waren schnell voll

Während sich der Fuchs noch etwas schüchtern gibt, nutzt Tierpflegerin Viola Buscher die Wartezeit, um den Kindern noch einige Informationen zu vermitteln. "Normalerweise besteht seine Nahrung vor allem aus Mäusen und kleinen Vögeln." Zur Tierpark-Fütterung greift Buscher auf eine Schüssel mit toten Küken zurück. An einigen Stellen könne man noch das alte Winterfell des Tieres erkennen, sagt die Pflegerin, die schon seit 39 Jahren in Riesa arbeitet. 

Insgesamt acht Kinder und Jugendliche haben sich für die erste Runde des Filmdrehs angemeldet. Eine zweite soll es in der zweiten Augustwoche geben. "Die Plätze sind alle belegt", sagt John Weickardt. Mehr als acht Teilnehmer könne man nicht annehmen. Auch wegen der begrenzt vorhandenen Technik.  "Die Teilnehmer arbeiten in Zweiergruppen", erklärt der Studioleiter. 

Jede Gruppe bekommt eine Kamera, am ersten Tag gab es eine Einweisung in die Technik. Für die ist jede Gruppe selbst verantwortlich, wie ein echtes Filmteam. Auch das Rohmaterial werden die Kinder nach dem Dreh selbstständig überspielen, sichten und schneiden. Die Mitarbeiter des SAEK übernehmen laut Weickardt lediglich die "Veredlung" und den Schnitt, falls am letzten Tag die Zeit doch zu knapp wird. 

Aus zehn Stunden werden zehn Minuten

Nach einigen Minuten traut sich der Rotfuchs doch noch ans Futter, schnappt sich eins der Küken - und verkrümelt sich in die Ecke. "Carlotta hat es drauf", sagt ein Mädchen. Man braucht eben Geduld für die richtige Tierszene. 

Gut vier Stunden lang sind die vier Filmteams an den beiden Tagen insgesamt im Tierpark unterwegs. 50 Gigabyte Rohmaterial kommen am Ende zusammen, etwa acht bis zehn Stunden Film. Gemeinsam mit den SAEK-Mitarbeitern wird dann noch gesichtet und geschnitten.

 Am Ende der Woche bleibt eine etwa zehn Minuten lange Tierpark-Doku. Vom Resultat ist John Weickardt regelrecht begeistert. "In Summe ist dafür, dass die Kinder das an zwei Tagen bei drei Stunden Einweisung geleistet haben echt Wahnsinn. Da kann sich mancher Mediengestalter eine Scheibe abschneiden!" 

Den fertigen Film können die Teilnehmer mit nach Hause nehmen. Im Magazin des SAEK auf Youtube soll er ebenfalls zu sehen sein - und nicht nur dort. "Wir wollen ihn schon gerne auch bei uns laufen lassen", sagt Tierparkleiter Michael Tobis. Gerade suche man nach einer einfachen Möglichkeit dafür. Zum Tierparkfest am 8. August wird es wohl noch nicht klappen, danach aber bestimmt. Sollte es an der Technik scheitern, will John Weickardt helfen. 

Und wer weiß, vielleicht entwickeln sich die beiden Filme aus Riesa ja auch zu einem kleinen Hit. 

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