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Riesa

Besuch von drei Kontinenten

Aus allen sieben Partnerstädten reisen Gäste nach Riesa an. Sie bringen ungewöhnliche Geschenke mit.

Am Mittwoch wird der stählerne Riese, die neue Skulptur im Krankenhaus-Kreisel, offiziell an die Stadt Riesa übergeben. Per Leuchtdioden sind dann die sieben Partnerstädte auf einer Weltkugel zu sehen.
Am Mittwoch wird der stählerne Riese, die neue Skulptur im Krankenhaus-Kreisel, offiziell an die Stadt Riesa übergeben. Per Leuchtdioden sind dann die sieben Partnerstädte auf einer Weltkugel zu sehen. © SZ

Riesa. Die Amerikaner waren die Ersten: Sie schwebten schon am Sonntag in Deutschland ein, um weiter nach Riesa zu reisen. Am Montag folgten in dichter Folge Italiener, Chinesen, Franzosen, Engländer. Die Nachzügler aus Polen und Baden-Württemberg werden am Dienstag erwartet. Dann sind die Gäste zum Festakt 900 Jahre Riesa komplett. 

Denn mit allen sieben Partnerstädten hat der Verein „Riesa und die Welt“ Kontakt aufgenommen, um Vertreter zum Stadtjubiläum zu holen. Insgesamt werden fast 40 Besucher aus aller Welt erwartet. „Zuletzt waren 2012 so viele Gäste aus den Partnerstädten da“, sagt Susanne Voigt vom Partnerschaftsverein – der hatte damals zehnjähriges Bestehen gefeiert.

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Eine schwierige Frage haben die Riesaer ihren Gästen schon per Wunsch abgenommen – die nach dem Präsent. Plaketten und Schmuckteller gibt es in einer Vitrine im Rathaus schon reichlich. Dieses Mal sollen die Besucher etwas anderes im Gepäck haben: Noten und Instrumente. 

„Wir hatten die Idee, gemeinsam mit der Elbland Philharmonie und Künstlern aus den Partnerstädten ein Konzert auf die Beine zu stellen“, sagt Susanne Voigt. Seit anderthalb Jahren laufen die Planungen für das Projekt, im Rahmen des offiziellen Festakts am 30. Oktober ein Festkonzert aufzuführen. Da wurden Orchestermusiker, Dirigenten und Sänger angefragt, mögliche Programmpunkte abgeklopft, Noten zwischen drei Kontinenten hin- und hergeschickt.

Riesas Partnerstädte

Villerupt liegt im Nordosten Frankreichs. Die Gemeinde mit knapp 10.000 Einwohnern ist schon seit 1961 Partnerstadt von Riesa. Sie ist mit vier Vertretern in Riesa dabei.

Mannheim ist mit rund 310.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Baden-Württembergs und seit 1988 Riesaer Partnerstadt. Von dort reisen jetzt acht Einwohner an.

Rotherham ist seit 1998 Partnerstadt von Riesa. Die 120.000-Einwohner-Stadt liegt in Mittelengland. Ähnlich wie Riesa ist sie von Stahl geprägt – und diese Woche mit vier Besuchern vertreten.

Suzhou ging 1999 eine Partnerschaft mit Riesa ein. Die Stadt liegt im Osten Chinas und hat mehr als zehn Millionen Einwohner, vier davon sind jetzt zu Gast in Riesa.

Sandy zählt zum US-Bundesstaat Utah und ist für seinen Wintersport bekannt – die Partnerschaft mit Riesa wurde bei den Olympischen Winterspielen 2002 geschlossen; acht der knapp 100.000 Einwohner sind jetzt in Riesa.

Glogau liegt in der polnischen Wojewodschaft Niederschlesien, hat knapp 70.000 Einwohner und ist seit 2005 mit Riesa verbunden. Sechs Glogauer besuchen jetzt Riesa.

Lonato ist wie Riesa für ein Stahlwerk bekannt. Die Stadt am Gardasee entsendet vier Besucher nach Riesa, 16.000 Menschen leben dort insgesamt.

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Und während sich in Frankreich und Italien Dirigenten auf ihren Auftritt vorbereiteten, übte in England eine Trompeterin, in Amerika ein Pauken-Spieler, in Polen eine Sängerin.

Und in Riesa probte die Elbland Philharmonie schon einmal in unvollständiger Besetzung. „Das ist schon was Besonderes, dass Musiker aus den Partnerstädten bei uns im Orchester mitspielen“, sagt Sprecher Thomas Herm.

Exotisch dürfte es mit dem Trio aus Suzhou werden: Die Chinesen werden die Erhu klingen lassen, eine spezielle Form einer Laute. Offenbar gehört zu dem Instrumentenstück auch eine Form von lustigem Vortrag – jedenfalls wurde offeriert, dass die Besucher des Festakts etwas zu lachen bekommen sollen.

Spannend dürfte werden, ob sich die Komik in Riesa übersetzt: Denn die chinesische Delegation spricht offenbar nur Chinesisch – eine Fähigkeit, die in Riesa rar ist. Zum Glück hilft der Komponist Karsten Gundermann bei dem Projekt aus. Der gebürtige Dresdner lebt in Hamburg, hat aber in China studiert und spricht deshalb Chinesisch. „Wenn er uns nicht unterstützen würde, hätte das Vorhaben nicht geklappt“, sagt Thomas Herm.

Bis zum Festakt werden Riesas Gäste noch mal proben müssen, sollen aber auch Gelegenheit haben, sich die Region anzuschauen. Untergebracht sind alle im Hotel Mercure, was den An- und Abtransport zu den Programmpunkten erleichtert.

So geht es am Dienstag mit dem Bus nach Dresden, wo eine Stadtrundfahrt mit Doppeldeckerbussen ansteht. Abends gibt OB Marco Müller für die Gäste im Hammerbräu einen Empfang, bevor am Mittwoch auch noch eine Stadtrundfahrt in Riesa ansteht. Die endet im Nudelcenter, wo die Besucher aus den Partnerstädten verköstigt werden.

Wer die Delegationsmitglieder treffen will, hat dazu am ehesten Mittwoch um 16 Uhr Gelegenheit: Dann wird der stählerne Riese, die neue Skulptur im Krankenhaus-Kreisel, offiziell an die Stadt Riesa übergeben. Schließlich war sie in einer gemeinsamen Initiative des Städtepartnerschaftvereins und des Wirtschaftsforums geschaffen worden – und soll ab Mittwoch per Leuchtdioden die sieben Partnerstädte auf einer Weltkugel zeigen.

Der Festakt findet anschließend Mittwochabend statt, am Donnerstag folgt ein Festgottesdienst zum Reformationstag in der Klosterkirche. Dort wird es im Anschluss eine Orgelmatinee eines amerikanischen Organisten geben – und am selben Tag werden auch die meisten Gäste wieder aus Riesa abreisen.

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