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Riesaer Arzt erntet Widerspruch

Im SZ-Gespräch hatte Dr. Dieter Frank erklärt, die Reaktionen auf Corona seien überzogen. Eine Medizinerin hat jetzt darauf geantwortet.

Christine Geiger widerspricht den Aussagen von Dieter Frank.
Christine Geiger widerspricht den Aussagen von Dieter Frank. © SZ-Montage/ Fotos: Lutz Weidler; privat

Riesa. Ein Interview mit dem Riesaer Arzt  und ehemaligen CDU-Stadtrat Dr. Dieter Frank hat Widerspruch ausgelöst. In dem Artikel hatte Frank unter anderem erklärt, er halte die Maßnahmen gegen Covid-19 teils für überzogen und Panikmache. Er erinnerte auch an die Flecktyphus-Epidemie erinnert, die 1945 die Region in Atem gehalten hatte. Dieses Interview habe sie lange beschäftigt, schreibt die Ärztin und frühere CDU-Stadträtin Dr. Christine Geiger an die SZ. "Etliches daraus können mein Mann (Dr. Stefan Geiger, Chefarzt am Elblandklinikum in Riesa, Anm. der Red.) und ich nicht unwidersprochen stehen lassen." Die SZ veröffentlicht das Schreiben an dieser Stelle im Wortlaut. 

"Unbestritten sind die Verdienste von Herrn Dr. Frank für Riesa. Allerdings stellt er in seinem Interview Thesen auf, denen wir aus unserer Sicht gerne widersprechen möchte.
Er schildert eindringlich die Zustände in Riesa nach Ende des Krieges. Die von ihm genannten (bakteriellen) Erkrankungen sowie deren Infektionswege und Krankheitsverlauf waren allerdings bekannt. Sie blieben regional begrenzt und hatten nie zu einer Infektionswelle geführt, deren Ausmaß mit einer Viruspandemie zu vergleichen wären.

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Die Krankheit gibt weiter Rätsel auf

Virologen, Ärzte und Epidemiologen tappen nicht völlig im Dunkeln. Sie wissen inzwischen vieles über das neue Virus, aber nach erst vier Monaten Forschung und Beobachtung wäre es illusorisch, wenn alle Übertragungswege und deren Bedeutung für den Verlauf der Pandemie völlig offenliegen würden. Auch das Krankheitsgeschehen im Körper wirft noch viele Fragen auf. Übereinstimmend berichten Ärzte, die Covid-19-Patienten betreuen, dass der individuell so unterschiedliche Krankheitsverlauf noch immer viele Rätsel aufgibt. 

Medikamente sind weltweit in der klinischen Erprobung, bisher ohne einheitliche, richtungsweisende Erfolge, von einem Impfstoff sind wir weit entfernt. Eine regional teils dramatische Übersterblichkeit zeichnet sich in ersten Statistiken für mehrere Länder bereits ab. Das neue Virus hat die saisonale Grippe schon deutlich überholt. Wer an Covid-19 stirbt, verliert im Schnitt 9 Lebensjahre. Das ist übereinstimmend das Ergebnis einer italienischen und einer deutschen Studie. Auch den älteren Mitbürgern wird es nicht gleichgültig sein, ob Gevatter Hein dieses Jahr oder 2029 an die Tür klopft.

Lockdown ist der beste Weg

Die dramatischen Folgen des vorübergehenden Lockdowns für den Einzelnen und für die gesamte Wirtschaft stehen uns deutlich vor Augen. Dennoch ist es der Weg, der auch im Hinblick auf die langfristigen ökonomischen Auswirkungen von verschiedenen (auch internationalen) Expertenteams als der Beste erachtet wird. Erste Lockerungsschritte wurden bereits vollzogen, weitere Anpassungen werden schrittweise erfolgen.

Sicherlich hat Riesa schon Schlimmeres erlebt. Trotzdem sollte sich jeder fragen, ob es in der heutigen Zeit für uns tragbar wäre, wenn am Ende einer Pandemie ohne Gegenmaßnahmen wieder ein Massengrab in Riesa angelegt werden müsste."

Dres. med. Christine und Stefan Geiger, Riesa

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