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Wie viele Märkte verträgt Riesa?

Ein Investor kritisiert den geplanten Edeka an der Pausitzer Straße - und äußert Zweifel an den bisherigen Gutachten. Was ist dran?

Blick auf die Widmann-Brache an der Pausitzer Straße. Kommt dort wirklich ein Edeka samt Aldi?
Blick auf die Widmann-Brache an der Pausitzer Straße. Kommt dort wirklich ein Edeka samt Aldi? © Lutz Weidler

Riesa. Die an der Pausitzer Straße geplanten Lebensmittelmärkte könnten sich schwerer auf die schon vorhandenen Märkte auswirken als bisher prognostiziert. Diese These vertritt die Firma DP Dresdner Projektentwicklungs GmbH in einem Schreiben, das sie eigenen Angaben zufolge am Dienstag an die Riesaer Stadträte verschickt hat. Die SZ listet die Probleme auf, die das Unternehmen thematisiert. 

DP wollte selbst bauen

So viel vorab: Unbefangen ist DP keinesfalls. Der Projektentwickler hatte selbst vor, einen Lebensmittelmarkt nach Riesa zu holen, auf eine Fläche an der Poppitzer Straße. "Hier im alten Zentrum der Stadt besteht gegenwärtig ein hoher Leerstand", argumentiert die Gesellschaft, "es fehlt ein Frequenzbringer." Eigenen Angaben zufolge hatten die Projektentwickler dabei zunächst an einen kleinen Vollsortimenter gedacht - also beispielsweise auch einen Edeka-Markt. Später kam wohl auch Aldi als Alternative ins Spiel. 

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Beides könnte nun stattdessen an der Pausitzer Straße entstehen - und gleichzeitig der DP nach jahrelang betriebenem Aufwand die Genehmigung für einen Markt an der Poppitzer Straße verwehrt werden. Die Dresdner Projektentwickler verfolgen also durchaus eigene Interessen. Gleichwohl macht die DP auf Widersprüche aufmerksam, die sich aus jüngeren Gutachten zum Einzelhandel in Riesa und zu einzelnen Bauvorhaben ergeben. 

Konkurrenz zur Innenstadt

Pikant sind aus Sicht des Projektentwicklers vor allem die Auswirkungen, die ein Edeka samt benachbartem Aldi für die Innenstadt hätte. Noch 2014 hätten die Gutachter von Lademann und Partner einer solchen Kombination abgeraten, weil dadurch erheblicher Wettbewerb zum Kaufland in der Elbgalerie entstünde. Dies hätte unter Umständen die Aufgabe ansonsten marktfähiger Betriebe zur Folge, hieß es. 

Sechs Jahre später sei davon vom gleichen Büro nichts mehr zu lesen, "obschon sich die Sachlage nicht geändert hat", so das Schreiben von DP. "Der Zentrenbereich soll offensichtlich unter Wegfall von Teilen der Hauptstraße verändert werden. Damit wird der dortige kleinteilige Einzelhandel nicht mehr geschützt; im Übrigen werden weitere Geschäftsschließungen und höhere Leerstandsquoten in Kauf genommen." 

Dass Kaufland auf den prognostizierten Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent nicht reagieren würde, bezeichnet DP als "möglicherweise eine Fehleinschätzung". Und auch die kleineren Discounter würden unter der neuen Konkurrenz leiden, so DP. Man frage sich, wie der 700 Quadratmeter große Netto an der August-Bebel-Straße zwischen dem nach Erweiterung doppelt so großem Lidl und dem neuen Einkaufszentrum an der Pausitzer Straße bestehen soll. 

Umsätze "schöngerechnet"?

Auch das Zahlenwerk in den Gutachten zum neuen Standort sieht DP kritisch. Die Umsätze für den neuen Edeka und Aldi seien ungewöhnlich gering angesetzt, "obwohl es sich um einen sehr guten zentralen Einzelhandels-Standort handelt und beide als besonders leistungsstark gelten". Man gehe von 4.200 Euro brutto pro Quadratmeter Verkaufsfläche aus; 1.000 Euro unter Bundesschnitt und immerhin noch 150 Euro unter Riesaer Schnitt. "Man hat also sehr vorsichtig gerechnet." Damit wiederum fallen die zu erwartenden Auswirkungen auf die Konkurrenten gering aus. 

Dazu kommt, dass verschiedene Gutachten von Lademann und Partner unterschiedliche Flächen für das Edeka-Vorhaben angeben: einmal 3.102 Quadratmeter, einmal 2.800.  Wichtig ist das, weil sich laut Handelskonzept nur noch höchstens 3.200 Quadratmeter Fläche verträglich umsetzen lassen. Weil auch Lidl seinen Markt an der August-Bebel-Straße ausbauen will, würde man diesen Wert also möglicherweise sprengen. 

Auf einem Gelände zwischen Poppitzer-, Großenhainer- und Dr.-Külz-Straße wollte die DP einen Markt ansiedeln. Aus ihrer Sicht fehlt dort noch ein Nahversorger.
Auf einem Gelände zwischen Poppitzer-, Großenhainer- und Dr.-Külz-Straße wollte die DP einen Markt ansiedeln. Aus ihrer Sicht fehlt dort noch ein Nahversorger. © Lutz Weidler

Versorgung in Altriesa nicht gesichert

DP argumentiert auch, der neue Vollversorger hätte eher ans östliche Ende der Hauptstraße – also in Richtung Rathausplatz – gehört, um einen zweiten Einkaufsmagnet für das Zentrum neben der Elbgalerie zu schaffen. "Die Leerstände und Probleme um den Rathausplatz und den Beginn der Hauptstraße (...) sowie deren Ursachen werden nicht zur Kenntnis genommen", kritisieren die Projektentwickler. In Altriesa sei die Nahversorgung "mangels Discounter oder Vollsortimenter nicht gesichert", das werde auch im Einzelhandelsgutachten unzureichend betrachtet. Es fehle dort ein Lebensmittelmarkt als Frequenzbringer. Vor seiner Schließung sei der Penny-Markt vor Ort noch akzeptiert worden, danach zunächst ein vorhandenes Potenzial in Altriesa festgestellt worden. Nun heiße es plötzlich, es bestehe kein Bedarf für eine wohnortnahe Versorgung in dem Gebiet. 

"Was ist eigentlich los in unserer Stadt?"

Erste Reaktionen auf den offenen Brief hat es schon im Internet gegeben. Stadtrat Gunnar Hoffmann (parteilos) veröffentlichte am Dienstagabend bereits eine Stellungnahme auf der Seite seiner Fraktion Gemeinsam für Riesa - und fragte im ersten Satz: "Was ist eigentlich los in unserer Stadt?" Er räumt ein, dass sich einige Widersprüche zu älteren Gutachten mit einer Entwicklung in Riesa erklären ließen. "Der Nettomarkt in der Pausitzer Delle ist einem Fressnapf gewichen, die Kaufkraft der Menschen hat sich erhöht und pro Kopf wird ein höherer Anteil des Einkommens für gesunde Lebensmittel ausgegeben. Dennoch dürften alle Veränderungen zusammengenommen nicht annähernd ausreichen um jetzt gleich einen Aldi und einen Edeka in einem positiven Licht erscheinen zu lassen."

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Der Kombination aus beiden werde seine Fraktion deshalb nicht zustimmen können. Gleichzeitig biete Gemeinsam für Riesa an, zwischen Edeka und den Anwohnern zu vermitteln. Ein solches Vorhaben im Wohngebiet werde immer auf Widerstand stoßen, egal wo. Er könne nicht verstehen, dass nicht schon im Vorfeld mit den Nachbarn gesprochen wurde. 

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