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Riesa fliegt zum Mars

Seit wenigen Tagen ist eine Rakete in Richtung Roter Planet unterwegs. An Bord sind auch Nachrichten aus der Stahlstadt.

Auf zur Mars-Mission: Stefan Schwager - hier vor der Sternwarte in Riesa - hat gleich mehrere Riesaer Namen auf einem Chip verewigen lassen, der gerade zum Roten Planeten unterwegs ist.
Auf zur Mars-Mission: Stefan Schwager - hier vor der Sternwarte in Riesa - hat gleich mehrere Riesaer Namen auf einem Chip verewigen lassen, der gerade zum Roten Planeten unterwegs ist. © Sebastian Schultz

Riesa. Als die Atlas-Rakete am Donnerstag von Cape Canaveral Richtung Mars startete, wurde auch in Riesa gebannt zugeschaut. "Die ersten Minuten sind die Heikelsten", erzählt Stefan Schwager. Der Sternwarten-Chef war am Nachmittag gerade noch pünktlich gekommen, um den Start live im Fernsehen zu erleben. Und das nicht bloß aus rein fachlichem Interesse. Denn an Bord der Atlas V befindet sich neben dem Mars Rover "Perserverance" und einer Drohne auch ein Stück Riesa, erklärt Schwager. 

Genauer gesagt, fliegt mit der unbemannten Mars-Mission auch ein Computerchip mit. Auf dem wiederum sind Namen vermerkt, sozusagen virtuelle Passagiere. "Im Vorfeld konnte man bei der NASA Tickets erwerben", sagt Stefan Schwager. Insgesamt sind etwa elf Millionen Namen in Richtung des Roten Planeten unterwegs. 

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"Und darunter sind jetzt auch einige aus Riesa." Stellvertretend für die Stadt hat Schwager beispielsweise ein Ticket mit dem Namen "Riesa an der Elbe 1119-2019" gelöst - sozusagen als etwas verspätetes 900-Jahr-Geschenk. Auch das Stadtmaskottchen, Riesaer Riese, hat ein Ticket bekommen, ebenso wie die Volkssternwarte und ein Mitglied der Sternenfreunde, das 2015 bei einem Unfall in Riesa gestorben war

Am 30. Juli startete die Atlas V in Cape Canaveral. An Bord der Rakete befindet sich der Mars Rover "Perseverance". Der etwa eine Tonne schwere und drei Meter lange Roboter soll im Februar 2021 auf dem Roten Planeten landen.
Am 30. Juli startete die Atlas V in Cape Canaveral. An Bord der Rakete befindet sich der Mars Rover "Perseverance". Der etwa eine Tonne schwere und drei Meter lange Roboter soll im Februar 2021 auf dem Roten Planeten landen. © TNS via ZUMA Wire

Elf Millionen Namen auf dem Computer-Chip

Jeder auf dem Chip verewigte Name hat auch ein Zertifikat bekommen. Das für Riesa will Stefan Schwager in einer der nächsten Stadtratssitzungen an Oberbürgermeister Marco Müller überreichen. 

Bei vorangegangenen Marsmissionen hatte es solche Aktionen ebenfalls schon gegeben. Stefan Schwager erinnert an das Jahr 2012. Als damals die "Curiosity" auf dem Mars landete, waren ebenfalls Riesaer Namen an Bord

Die Chips sind so gebaut, dass sie die Zeit auf dem Planeten überdauern werden - und theoretisch in ferner Zukunft einmal gefunden werden könnten, wenn intelligentes Leben den Mars erforscht. "Rein statistisch gesehen ist es ja mehr als wahrscheinlich, dass es Leben außerhalb der Erde gibt", sagt Stefan Schwager.

 "Es ist nur sehr unwahrscheinlich, dass es jemals mit der Erde in Kontakt kommen wird." Dagegen spricht schon die schiere Größe des Universums. Nachrichten wie der Chip mit den Namen entspringen auch dem Wunsch, ein Zeichen zu schicken. "Wir würden ja auch wollen, dass wir noch etwas finden, wenn es auf einem Planeten einmal intelligentes Leben gegeben hat." 

Fast elf Millionen "Tickets zum Mars" wurden im Rahmen der Aktion gelöst. Die Urkunde für Riesa will Stefan Schwager im Stadtrat an den Oberbürgermeister übergeben.
Fast elf Millionen "Tickets zum Mars" wurden im Rahmen der Aktion gelöst. Die Urkunde für Riesa will Stefan Schwager im Stadtrat an den Oberbürgermeister übergeben. © Sebastian Schultz

Wie klingt der Mars?

Streng genommen handelt es sich bei den Namensaktionen in erster Linie um ein PR-Mittel. "Das ist natürlich eine ideelle Geschichte, ohne wissenschaftlichen Wert", sagt Stefan Schwager. Ganz anders allerdings der Rest der Marsmission. An Bord ist erstmals auch eine Drohne, die auch in der dünnen Mars-Luft fliegen und Aufnahmen fertigen kann. 

Der gut eine Tonne schwere und drei Meter lange Rover trägt eine ganze Palette von Instrumenten in sich. Erstmals soll er zum Beispiel längere Tonaufnahmen fertigen. "Man wird dann den Wind hören", sagt Stefan Schwager, "ein Geräusch, das wir auch von der Erde kennen." Und das damit auch eine gewisse Vertrautheit schafft. 

In seiner Beschaffenheit ähnelt der Mars ja ohnehin schon mancher Steinwüste auf der Erde, sagt der Hobby-Astronom. Neben Wetteraufzeichnungen und Gesteinsproben, die vielleicht Hinweise auf früheres Leben geben könnten, soll der Roboter auf der Oberfläche des Mars auch ein Experiment wagen: die Herstellung von Sauerstoff. Es wäre ein weiterer Schritt zur Besiedlung des Alls in ferner Zukunft. 

Selbst ein bemannter Flug zum Mars ist nach Einschätzung des Riesaer Sternwarten-Chefs noch Zukunftsmusik. Und das, obwohl die Reise der am Donnerstag gestarteten Rakete nur sieben Monate dauern wird. Selbst das wäre aber nach jetzigem Stand eine gewaltige Belastung für Astronauten.

 "Auf der ISS bleiben sie heutzutage meist drei bis sechs Monate." Schon in dieser Zeit werden Knochen und Muskulatur erheblich abgebaut. Es sei schon etwas Besonderes, dass der deutsche Astronaut Alexander Gerst nach einer seiner Landungen selbst aus der Kapsel aussteigen konnte - und durfte. Ein Flug zum Mars und zurück würde aber deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. 

"Die Flüge nehmen jetzt so wenig Zeit in Anspruch, weil sich Erde und Mars relativ nahe sind", erklärt Stefan Schwager. Das aber ist nur alle zwei Jahre so. Ein bemannter Flug würde also eher zwei bis vier Jahre im All bedeuten. Das setzt ganz andere Planung voraus, ebenso wie neue Technologie, um dem Muskelschwund entgegenzuwirken. 

Die Prioritäten auf der Erde seien derzeit aber andere, sagt Stefan Schwager mit einigem Bedauern. "In Europa werden derzeit pro Kopf zwei Euro im Monat für die Raumfahrt ausgegeben. Würde man diesen Wert verfünffachen, könnte man vielleicht in zehn bis 20 Jahren so weit sein." 

Nach jetzigem Stand dagegen kann es noch 50 Jahre dauern, schätzt Schwager. Das kritisierten übrigens auch viele ehemalige Astronauten. "Die Innovation stagniert, wir trauen uns gerade nicht mehr." 

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