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"Frauen sind die besseren Centermanager"

Elke Ullrich leitet seit Kurzem die Geschicke des Einkaufszentrums in Riesa-Weida. Sie will den Riesapark aus seinem Dornröschenschlaf wecken, sagt sie.

Elke Ullrich ist die neue Centermanagerin im Riesapark.
Elke Ullrich ist die neue Centermanagerin im Riesapark. © Sebastian Schultz

Riesa. Auf dem Weg über den Parkplatz vor dem Riesapark hält Elke Ullrich kurz inne. "Einen Moment", sagt sie nur, bückt sich und reißt eine Pflanze heraus, die wild aus den Fugen herausgewachsen ist. "Ich kann so was nicht sehen", sagt sie. Ehe es unordentlich aussieht, packt sie lieber selbst an. 

Mit Elke Ullrich hat sich der Eigentümer des Einkaufszentrums eine Macherin ins Haus geholt, das wird schnell deutlich. Seit 23 Jahren ist sie bereits Centermanagerin im PEP-Einkaufszentrum in Torgau. Das ging nun an den französischen Fonds über, zu dem auch der Riesapark gehört. Nun sei sie neben Torgau auch für Riesa verantwortlich, erklärt Ullrich. 

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Für einen Besuch in der Riesaer Innenstadt hatte die Torgauerin bisher noch keine Zeit, gesteht sie. Höhere Priorität haben für sie  erst einmal Gespräche mit den Mietern. "Die sind das Allerwichtigste", sagt sie. "Ich will wissen, wie ticken sie, welche Probleme und Sorgen haben sie - und vielleicht auch schon, was sie bei der Außendarstellung besser machen können." Bisher habe sie nur gute Gespräche gehabt, mancher Ladeninhaber sei sogar etwas überrascht von ihrem Besuch gewesen. 

Der "Centerfrieden" ist ihr wichtig

In einem Gespräch mit der LVZ hatte die Centermanagerin schon vor fünf Jahren erklärt, der sogenannte "Centerfrieden" sei ihr besonders wichtig. "Es ist nichts Schlimmer, als wenn ein Mieter mit dem anderen nicht kann." Im Idealfall fühle sich die Centergemeinschaft wie eine Familie oder eine kleine Stadt. "Und ich bin gefühlt wie eine Bürgermeisterin", sagt Ullrich und schmunzelt. 

Dabei ist die gebürtige Erfurterin erst die zweite Frau, die das Einkaufszentrum in Riesa-Weida seit seinem Bestehen leitet. "Ich glaube, Frauen sind die besseren Centermanager", sagt sie. Organisieren, zuhören - und sich dann auch um die Dinge kümmern, das seien Fähigkeiten, die man in dem Job braucht - und die Frauen ihrer Erfahrung nach öfter mitbringen als Männer. "Es ist kein Beruf, es ist eine Berufung." 

Diese Berufung fand Elke Ullrich erst in den 90er Jahren. Nach ihrem Studium der Elektrotechnik und Arbeitsgestaltung war sie Produktionsleiterin beim VEB Herrenmode in Dresden. Problemlöserin sei sie schon damals gewesen. "Wenn etwas bei uns nicht geklappt hat, dann konnten kurz darauf auch die Nähwerke nicht mehr produzieren." 

Nach der Wende wurde der Herrenmode-Standort in Dresden geschlossen, Ullrich verlor ihren Arbeitsplatz. Auf Hinweis eines Bekannten bewarb sie sich als Centermanagerin. "Damals wusste ich nicht, was diese Tätigkeit alles überhaupt beinhaltet." 

Von Dresden nach Torgau

Übernehmen sollte sie zunächst ein Center in Chemnitz. Schließlich ging es nach Torgau, wohin Elke Ullrich auch umzog. Bereut hat sie das nicht: "Ich würde heute nie wieder in eine Großstadt ziehen wollen." Bei Torgau wird sie auch wohnen bleiben - schließlich hat sie dort nicht nur Familie, sondern auch weiterhin den "PEP" zu verwalten.

 "Aber ich bin immer nur so weit weg, wie das nächste Telefon", betont sie. Mehrfach in der Woche nach Riesa kommen will sie trotzdem. Schließlich muss die Centermanagerin auf dem Laufenden sein, was sich tut. Bei Umbauarbeiten in Torgau sei sie zum Beispiel auch zu Bauberatungen gegangen. "Ich mische mich da nicht unbedingt ein, aber ich will wissen, was passiert." Das gehöre einfach dazu. 

Den Riesapark will die neue Centermanagerin "aus dem Dornröschenschlaf wecken", erklärt sie. Früher sei das Einkaufszentrum in der Branche überregional beachtet worden. "Ich weiß zum Beispiel noch, dass es einen sehr schönen Weihnachtsmarkt im Rondell gegeben hat." Die Idee habe sie dann sogar für ihr Center in Torgau übernommen, nur im Außenbereich. In den vergangenen Jahren sei es aus ihrer Sicht aber eher ruhig geworden um den Riesapark. 

In der Werbegemeinschaft will sie nun gemeinsam mit dem Vorstand die Weichen dafür stellen, das zu ändern. "In Torgau sind wir zum Beispiel berühmt für unsere Pfannkuchenmeile, dazu gibt es immer noch eine Ranzenparty. Das kommt so gut an, dass man schauen kann, ob man das so ähnlich auch hier ins Leben rufen kann." Außerdem muss der Riesapark unbedingt auch im Internet besser für sich werben, sagt sie. Eine Facebook-Seite und einen zeitgemäßeren Internetauftritt nennt sie da als Beispiele. 

Trotz einiger leerstehender Geschäfte: Das Potenzial ist in Riesa-Weida auf jeden Fall groß, sagt Elke Ullrich. Im Innenbereich sei viel Platz für Veranstaltungen, und das Center nach wie vor gut besucht. "Wir haben hier einen guten Branchenmix, und tolle, aktive Mieter. Die müssen wir jetzt nur noch aus der Reserve locken." 

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