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76 Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs

Am Kiessee Nieska gibt es Zoff zwischen Anglern und illegalen Badegästen. Nun schreitet die Polizei ein.

Kein schöner Anblick: Müll, der noch am Montag am Kiessee Nieska herumlag. Die Angler machen dafür illegale Badegäste verantwortlich.
Kein schöner Anblick: Müll, der noch am Montag am Kiessee Nieska herumlag. Die Angler machen dafür illegale Badegäste verantwortlich. © Sebastian Schultz

Gröditz/Riesa. Halbvolle Müllsäcke, dreckige Einweggrills, leere Schnapsflaschen. "Leider beginnt die warme Jahreszeit wieder genau so wie im letzten Jahr, mit viel Müll und Partyhinterlassenschaften", sagt Maik Rühle. Der Vorstand des Riesaer Angelsportvereins hat am Wochenende am Kiessee Nieska Dönerpapier feststellen müssen, Einwegverpackungen, Pizzakartons und Babywindeln.

Mit dem Problem haben die Angler schon seit Jahren zu kämpfen. Aber jetzt ist etwas anders: Die Angler haben am Wochenende die Polizei kommen lassen. Denn sie sind Hausherr am Gewässer, das dem Anglerverband Elbflorenz gehört und vom Riesaer Angelverein betreut wird. Große rote und grüne Schilder weisen am Gelände darauf hin, dass hier Baden verboten ist.

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Offenbar helfen die aber wenig. "Am Wochenende wurden 76 Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs erstellt", sagt Riesas Revierleiter Andreas Wnuck. Außerdem hätte die Polizei zwölf Parkverstöße in Nieska geahndet.

Schwer zu übersehen: die Hinweisschilder am Kiessee Nieska.
Schwer zu übersehen: die Hinweisschilder am Kiessee Nieska. © Sebastian Schultz

Aber warum gleich Strafanzeigen? "Es geht darum, dass die Maßnahme etwas Nachhaltigkeit entfaltet", sagt Wnuck. Eine Verwarnung reiche offenbar nicht mehr aus.

Wie Angler-Chef Maik Rühle sagt, habe man es seit drei, vier Jahren mit Ermahnungen gegen die Badegäste versucht. "Leider gibt es da kein Einsehen. Dieselben Leute kommen einfach wieder - mit dem Argument: 'Das war schon immer so'." Da leider alle Gesprächsversuche mit den Badegästen ins Leere gelaufen seien, werde das Gewässer nun gemeinsam mit der Polizei kontrolliert. "Verstöße wegen Hausfriedensbruch werden angezeigt und gehen damit zur Staatsanwaltschaft", sagt Rühle.

Keiner von den Anglern könne verstehen, warum viele Leute ihren Müll nicht einfach wieder mitnehmen. "Da bleiben leere Flaschen liegen oder schwimmen im Wasser oder werden zerdeppert und mit Sand bedeckt. Dies kann ich nicht verstehen. Muss es erst soweit kommen, dass sich jemand schwer verletzt?"

Sollte sich jemand ernsthaft den Fuß aufschneiden, könne es gefährlich werden, sagt Rühle. Weil die Zufahrt per Schranke versperrt ist, käme der Rettungswagen nicht auf das Areal. "Nur die Feuerwehr hat einen Schlüssel."

Wer lässt sowas liegen? Auch Textilien gehören zu den Überresten des Wochenendes.
Wer lässt sowas liegen? Auch Textilien gehören zu den Überresten des Wochenendes. © Sebastian Schultz

Wobei hier jeder hofft, dass man die niemals wirklich braucht. Denn der Kiessee Nieska grenzt direkt an die ausgetrocknete Gohrischheide an. Nicht ohne Grund sei es verboten, Feuer zu machen - und dennoch finde man kaputte Grills und Feuerstellen. Auch von den herumliegenden Glasscherben gehe eine Waldbrandgefahr aus, sagt Riesas Polizeichef Andreas Wnuck. "Weil die Einsicht bei den Leuten offenbar fehlt, sind die Strafanzeigen auch im Sinne der Waldbrandprävention sinnvoll." Nieska habe offenbar als illegaler Badesee eine gewisse Anziehungskraft entwickelt - die Kfz-Kennzeichen der Fahrzeuge stammen teils auch aus dem südbrandenburger Raum, teils aus der Region Leipzig.

Dabei hat die Badesaison noch gar nicht richtig begonnen, sagt Angler Maik Rühle. "Im vergangenen Jahr haben wir an einem Tag bei 250 Besuchern aufgehört zu zählen." Offenbar interessiert es niemanden, dass es sich um Privatgelände handelt. "Würden wir als Angler einfach so Privatgrundstücke betreten und unseren Müll liegen lassen, wäre der Aufschrei groß", sagt Rühle. Warum also solle man als Angler tatenlos zusehen, was mit dem Gewässer gemacht wird? Zumal man für das Areal seinen Mitgliedsbeitrag zahle und "Unmengen" Arbeitsstunden ableiste.

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Ja, auch unter den Anglern gebe es schwarze Schafe, die sich daneben benehmen und Müll liegen lassen. "Für diese gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen", sagt Rühle. Und auch die würden bei Verstößen bestraft. Weitere Kontrollen sind abzusehen.

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