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Riesa will beim Welthandel mitmischen

Der Hafenbetreiber SBO beteiligt sich an einem EU-Projekt, das den Verkehr von der Ostsee bis Griechenland besser bündeln soll.

Tausende Container werden jährlich im Riesaer Hafen verladen. Aufs Schiff geht es aber nur, wenn der Wasserstand der Elbe reicht. Sonst sind Bahn und Lkw dran.
Tausende Container werden jährlich im Riesaer Hafen verladen. Aufs Schiff geht es aber nur, wenn der Wasserstand der Elbe reicht. Sonst sind Bahn und Lkw dran. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Riesa/Dresden. Auf der Elbe können wegen Niedrigwasser kaum Schiffe fahren. Heiko Loroff, Chef der Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO), hat dennoch ein volles Arbeitspensum. Gerade erst war er auf Dienstreise in Ungarn – denn die SBO, die den Riesaer Hafen betreibt, mischt bei einem EU-Projekt namens CorCap mit.

Dabei geht es darum, Güterverkehrswege quer durch Europa zu vernetzen. Darunter ist ein Nord-Süd-Korridor, der von der Ostsee bis zum Balkan reicht. „Der führt die Elbe runter, womit alle sächsischen Häfen an der Strecke liegen“, sagt Loroff. 

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Weil sich auf der Strecke Dresden-Prag Engpässe abzeichnen, sei es dringend nötig, den Zugang zu Bahn- und Schiffsverkehren zu verbessern, um alternative Routen zu ermöglichen. Dabei böten sich die sächsischen Häfen an – dort ist der Wechsel der Verkehrsträger Straße/Schiene/Schiff möglich. „Wir wollen den Verkehr bündeln“, sagt Loroff. In Torgau, Riesa, Dresden, aber auch in den zur SBO gehörenden tschechischen Häfen.

Wie das funktionieren könne, habe man in Budapest besprochen. Die Hafenbetreiber an der Donau hätten auch mit Niedrigwasser zu kämpfen. „Der Hafen in Budapest hat aber mehr Probleme als Riesa: Denn hier verfügen wir bei Niedrigwasser noch über die Alternativen Schiene und Straße.“

 Die SBO wolle künftig bei der Entwicklung des europäischen Verkehrs mitspielen. „Wir lassen unsere Region nicht abhängen.“ Bedeutet das mehr Verkehr für Riesa? So einfach lasse sich diese Frage nicht beantworten: Ja, die Hafeninfrastruktur selbst werde mit mehr Verkehr belastet. Dafür gebe es anderswo eine Entlastung. „Die Bündelung der Verkehrsströme soll nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile haben.“ 

Lange Wege per Lkw seien heutzutage nicht mehr nur ein Kostenproblem, sondern wegen der knappen Lkw-Fahrer gar nicht mehr so einfach zu besetzen. Deshalb prüfe man, ob man künftig mehr Lkw-Auflieger an der Ostsee auf den Zug laden und so bis Südeuropa durchrollen lassen könne. 

Bleibt dabei noch Güterverkehr für die von Niedrigwasser geplagte Schifffahrt auf der Elbe übrig? „Wir betrachten immer alle drei Verkehrswege im Zusammenhang: Was lässt sich von der Straße auf Schiene oder Wasser verlagern – und was nicht“, sagt Loroff.

Die Beteiligung am EU-Projekt sei wichtig: Dabei würden die Grundlagen gelegt, um später Fördergelder für Projekte beantragen zu können. Der Kauf des größten griechischen Hafens durch die Chinesen zeige: Die Verkehrswege verändern sich. „Dem müssen wir uns stellen.“ 

Man halte aus sächsischer Sicht an der Verbindung nach Hamburg fest, wolle aber auch den Schienenverkehr von Rostock nach Dresden und weiter zum Balkan im Blick behalten. Der dürfte allerdings an Riesa eher vorbeilaufen. Die hiesigen Bahnanlagen seien schon jetzt voll ausgelastet.

 „Die Züge bei uns sind voll, weil wegen des Niedrigwassers auch Getreide und Düngemittel per Bahn transportiert werden, die Container ohnehin“, sagt Loroff. Die Riesaer Hafenarbeiter würden trotz Ebbe an der Kapazitätsgrenze arbeiten – auch sonnabends.

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