merken
PLUS

Riesa

Markthändler atmen auf

Die Landesregierung hatte das Verbot am Montag gelockert. Jetzt steht fest: Auch in Riesa kann es weitergehen.

Christoph Kirschbaum hatte mit seinen Käse-Spezialitäten einen neuen Standort vor der Elbgalerie gefunden. Nun kann auch er wieder an den Rathausplatz.
Christoph Kirschbaum hatte mit seinen Käse-Spezialitäten einen neuen Standort vor der Elbgalerie gefunden. Nun kann auch er wieder an den Rathausplatz. © Sebastian Schultz

Riesa. Als er erfährt, dass die Wochenmärkte möglicherweise wieder öffnen dürfen, muss Christoph Kirschbaum erst einmal lachen. "Hier ist was los", sagt der Händler, der normalerweise jeden Freitag mit seinem Wagen auf dem Riesaer Rathausplatz steht und Käse feilbietet. 

Am vergangenen Freitag allerdings hatte die Allgemeinverfügung der Landesregierung dafür gesorgt, dass der dortige Wochenmarkt ausfallen musste. Der Käsehändler aus Roßwein stand damit vor einem Problem: Gerade erst hatte er eine große Lieferung erhalten. "Wir reden da von einer halben Tonne, die möglicherweise verdorben wäre", erklärt Kirschbaum. 

Begeistere deinen Verstand!
Begeistere deinen Verstand!

Wissensdurst? Wir stillen ihn - im deutschen Hygienemuseum.

"Das war echte Teamarbeit"

Dass der Händler am Montag trotzdem in Riesa seine Ware verkaufen kann, verdankt er der Mitarbeit der Riesaer Kundschaft, sagt er. Die hatte aktiv darauf hingewirkt, dass der Roßweiner doch noch seinen Stand öffnen kann. Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) berichtet, er sei von Linke-Stadtrat Volker Thomas auf das Thema hingewiesen worden. "Uns beiden war klar, dass wir helfen wollen", so Müller. Gemeinsam mit der Magnet Riesa und dem Centermanagement der Elbgalerie wurde schließlich kurzfristig vereinbart, dass der Käsewagen montags vor dem Einkaufszentrum stehen darf. "Das war echte Teamarbeit."

Christoph Kirschbaum freut sich über die Hilfe. Der Verkauf am Montag sei gut angelaufen. Besonders umfangreiche Schutzmaßnahmen gegen eine Corona-Infektion musste der Händler übrigens nicht ergreifen. "Der Käse wird sowieso nur mit einer Zange angefasst oder ist in der Folie", erklärt Kirschbaum. Der einzige Unterschied sei, dass er und seine Kollegin sich jetzt noch öfter die Hände desinfizieren und häufiger die Oberflächen am Verkaufsstand reinigen. 

Neben der Arbeit auf den Märkten verkauft Kirschbaum seine Ware auch auf dem eigenen Hof, ein geringer Teil wird auch verschickt. Rein wirtschaftlich seien die Wochenmärkte das A und O. "Versand und Hofverkauf, das läuft so nebenbei." Überdramatisieren will der Händler die Situation nicht. "Die Existenz ist wegen einer Woche lange nicht bedroht." Es gehe ihm in erster Linie um die verderblichen Lebensmittel. Trotzdem hat auch Kirschbaum Kurzarbeit für seine Mitarbeiter angemeldet. Zwei Teilzeitkräfte, die im Verkauf mitarbeiten, hat er außerdem entlassen. "Die werden wieder aktiviert, wenn die Märkte wieder erlaubt sind", sagt er.

Wiedereröffnung des Marktes wird geprüft

Das ist am Montagmittag. Wenig später macht die Meldung die Runde, der Verkauf im Freien sei wieder zugelassen. Nach Absprache mit der Polizei heißt es auch in Riesa: Es kann weitergehen. Schon ab Mittwoch dürfen zumindest Lebensmittel- und Pflanzenhändler wieder auf dem Rathausplatz stehen. Für die Besucher gelten Einschränkungen, sagt Magnet-Chef Reiner Striegler. "Der Zugang ist nur maximal 60 Personen gleichzeitig erlaubt. Das ergibt sich aus der Fläche des Platzes." Es sei zwar schade, dass es wegen der Märkte zuletzt so ein Hin und Her gegeben habe. "Aber ich finde es gut, dass das Einkaufen unter freiem Himmel wieder möglich wird."

Weiterführende Artikel

Corona-Warn-App stößt auf wenig Begeisterung

Corona-Warn-App stößt auf wenig Begeisterung

Weniger als die Hälfte der Deutschen will Corona-App nutzen, Tschechien will Grenze schon eher öffnen, nur eine Neuinfektion in Sachsen - unser Newsblog.

So sieht es auch der Käsehändler.  "Die 15 anderen Bundesländer verbieten die Märkte nicht, erhöhen teilweise sogar die Frequenz." Die Nachfrage sei groß. Er habe zuletzt nur vorbildliches Verhalten bei den Kunden erlebt. "Die halten Abstand beim Anstehen, das funktioniert." Für ihn sei das Verbot eine Kurzschluss-Reaktion gewesen, ausgelöst durch Berichte einer Boulevardzeitung. "Die Marktbesucher jedenfalls sind froh. Die finden es viel besser, draußen einzukaufen." 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Riesa