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Riesa landet auf dem Mars

Die Sternwarte wäre wohl nicht die Sternwarte, wenn sie bei der aktuellen NASA-Mission ihre Finger nicht im Spiel hätte. Mittlerweile vertreten sie ihre Stadt sogar auf dem roten Planeten.

Von Jens Ostrowski

Ob Mensch oder Alien, ob in fünfzig oder eine Million Jahren: Wann auch immer ein intelligentes Wesen zum Mars reisen wird – es wird auf Spuren von Riesa stoßen. Dafür hat die Sternwarte der Elbestadt gesorgt. Wer das Team um Leiter Stefan Schwager kennt, weiß, dass es immer für eine Überraschung gut ist. Ihren vorerst letzten Coup hat es bereits vor drei Jahren eingestielt. „Wir haben es mithilfe unserer Kontakte geschafft, dass unsere Namen mit zum Mars fliegen, wenn die NASA die Curiosity dort hinbringt“, erklärt Schwager. Das Forschungsfahrzeug soll nach Spuren von Leben auf dem Nachbarplaneten suchen. In der Nacht zu gestern landete es unbeschadet auf dem roten Planeten.“

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Die amerikanische Planetary Society, bei der die Sternwarte Riesa eine Mitgliedschaft besitzt, hat 1246445 Namen auf einem elektronischen Chip gespeichert, der sich an Bord der Curiosity befindet. Es handelt sich um einen Marketing- und Spenden-Gag, der auch Geld für neue Weltraumprojekte in die Kassen spülen soll. Vor allem Mitarbeitern, Organisationen und Partnern des aktuellen Mars-Unternehmens war der Speicherplatz auf der elektronischen Karte vorbehalten. Ein Teil konnte käuflich erworben werden, allerdings nicht alle Bewerber berücksichtigt. Gut 21500 deutsche Namen sind gestern auf dem Mars gelandet. Vier von ihnen aus Riesa. „Wir haben zum einen unseren Verein ,Sternwarte Riesa e.V.‘ als auch die Namen von drei Mitgliedern auf die Reise geschickt“, sagt Schwager stolz mit Hinweis auf ein entsprechendes Zertifikat.

Was das Ganze gekostet hat, will Stefan Schwager nicht verraten. „Uns ist es wichtig, dass wir solche Projekte unterstützen“, sagt er nur. Leider sei ein Großteil der zivilisierten Bevölkerung von den kostspieligen Missionen ins All nicht überzeugt. Die Sternwarte Riesa wolle ihren Teil dazu beitragen, diesen Menschen die Wichtigkeit zu erläutern. „Dabei geht es nicht nur um das Entdeckerfieber. Je weiter wir ins All vordringen, desto eher stellen wir fest, dass unsere Erde ein einzigartiger Planet ist. Ich glaube nicht, dass wir eine zweite Erde finden werden, auf die wir flüchten können, wenn wir unseren eigenen Planeten kaputtgewirtschaftet haben. Je eher die Menschheit das erkennt, desto schneller wird sie ihren Planeten auch schonen. Es geht hier um unsere eigene Existenz“, ist Stefan Schwager fest überzeugt.

Den Gedanken, dass fremde Lebensformen, die vielleicht irgendwann auf dem Mars landen könnten, auf den Computerchip mit dem Namen der Sternwarte stoßen könnten, findet das Team faszinierend. Selbst in einer Million Jahren sei die Curiosity als Weltraumschrott auf dem Mars noch vorhanden. „Die Materialien sind so ausgewählt, dass die Spuren sehr lange für nachfolgende Generationen sichtbar sind“, weiß Schwager.

Er glaubt übrigens nicht, dass ein Mensch innerhalb der nächsten fünfzig Jahre den Mars betreten wird. „Technisch wäre das zwar schon jetzt möglich, aber ob sich das bis dahin finanzieren lässt, ist zweifelhaft.“ Bis dahin müssten er und sein Team wohl noch sehr viele Namensrechte für den Mars kaufen.