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„Riesa muss sich nicht verstecken“

14 Haltestellen, zweieinhalb Kilometer, sieben Fragen: die neue Riesa-Info-Chefin Heike Kandel im Stadtbahngespräch.

© Sebastian Schultz

Britta Veltzke

Riesa. Einsteigen, losfahren, antworten: Regelmäßig lotst die Sächsische Zeitung einen Gesprächspartner in die Stadtbahn. Und zwischen Riesenhügel und Rathausplatz gibt es keine Ausreden. Auf zweieinhalb Kilometern mit 14 Haltestellen haben die Interviewpartner Zeit, die kritischen Fragen zu beantworten. Diesmal löst die neue Chefin der Riesa-Info, Heike Kandel, die SZ-Fahrkarte. Einsteigen und festhalten bitte – die Fragerunde beginnt.

Stars im Strampler aus Riesa
Stars im Strampler aus Riesa

Hier werden Fotos von Neugeborenen gezeigt, die aus Riesa oder aus der Region kommen. Vielleicht ist auch Ihr Bild bald dabei?

SZ-Redakteurin Britta Veltzke erzählt sie, wo sie schon überall auf dem Bürostuhl gesessen hat.
SZ-Redakteurin Britta Veltzke erzählt sie, wo sie schon überall auf dem Bürostuhl gesessen hat. © Sebastian Schultz

Frau Kandel, Ihr neuer Chef hat Sie in unserer Zeitung als „gestandene Frau“ bezeichnet. Was meint er damit?

Nach Ihrem Artikel habe ich im Duden nachgeschlagen und folgende Erklärungen dazu gefunden: „(reiferen Alters) erfahren, erprobt, sich auf seinem Gebiet auskennend“. Ich hoffe, es ist so gemeint.

Was qualifiziert eine Gröditzerin, die Riesaer Touristeninfo zu leiten?

Vorab: Ich habe mich Riesa immer schon verbunden gefühlt. Das bleibt auch nicht aus, wenn man aus Gröditz kommt. Dort hat man einfach nicht so viele Möglichkeiten. Mein Mann und ich sagen aus Spaß oft, dass wir nach Gröditz eigentlich nur zum Schlafen kommen. Der Großteil meines Lebens hat sich immer schon außerhalb abgespielt, vor allem eben in Riesa. Dort bin ich zur Schule gegangen, habe Autofahrern gelernt und zeitweise auch gearbeitet.

Wo haben Sie denn bislang gearbeitet?

An vielen Orten. In der Riesa-Info fange ich als Quereinsteigerin an. Ich war fast 15 Jahre lang Büroleiterin in einem Floristenbedarf-Großhandel in Lampertswalde, danach habe ich das Büro eines IT-Unternehmen in Dresden geleitet, dann war ich in einem Stahlunternehmen in Gröditz und danach in einem Unternehmen, das sich mit der Wiedereingliederung von Menschen ins Berufsleben beschäftigt. Zuletzt habe ich als Assistentin der Geschäftsleitung eines Milchviehbetriebes gearbeitet.

Ich fasse noch mal zusammen: Blumen, Computer, Stahl, Menschen und Lebensmittel. Nun steht Tourismus auf dem Programm. Welches Wissen aus Ihren bisherigen Stellen können Sie dafür gebrauchen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich einmal angeeignetes Wissen immer wieder gebrauchen kann. Ich denke aber, dass die Stelle in dem Floristikgroßhandel meinem neuen Job am nächsten kommt. Ich hatte auch dort direkt mit Kunden zu tun, wir haben Veranstaltungen organisiert, sind auf Messen gefahren und vor allem habe ich auch dort ein Büro geleitet.

Der Handels- und Gewerbeverein hat diesmal explizit nach einer Chefin gesucht, was mit ihrer Vorgängerin nicht so gut gelungen war. Können Sie auch mal hart durchgreifen?

Ich bin sicher nicht der Typ Chef, der große Standpauken hält. Ich bin eher die Teamplayerin. Die meisten Leute sind eben kreativer, wenn sie gerne arbeiten gehen. Dabei muss es natürlich trotzdem jemanden geben, der die Regeln aufstellt.

Riesa wird nicht gerade von Touristen überrannt. Wie kann sich das ändern?

Riesa liegt ja zwischen den großen Anziehungspunkten Leipzig und Dresden. Ich denke, man kann noch mehr Tagestouristen von dort zu uns ins Umland locken. Riesa braucht sich da hinter anderen Kleinstädten nicht zu verstecken. Aber wir brauchen ein gutes Netzwerk, damit die Gäste an anderen Orten von Riesa erfahren. Vor Kurzem ist mir das zum Beispiel aufgefallen, als ich einen Zeitungsartikel über den Elberadweg gelesen habe. Darin waren Meißen und Torgau deutlich als sehenswerte Orte hervorgestellt. Riesa aber wurde nicht einmal erwähnt. Ich möchte daran arbeiten, dass sich das ändert.

Sie wollen als Vorbereitung auf Ihren ersten Arbeitstag am Montag noch mal alle touristischen Highlights ablaufen. Was gehört dazu?

Kloster, Tierpark, Rathaus, Stadtmuseum – um nur einige zu nennen. Ich würde aber auch Riesas Industriekultur nicht unterschätzen. Das Stahlwerk und die Riesaer Nudeln sind auch aus touristischem Blickwinkel wichtige Anziehungspunkte.