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Sängerin verwirklicht Kindheitstraum

Bekannt ist Miss Rockester als Sängerin der Band "medlz". Jetzt hat Silvana Mehnert in Riesa voll zu tun - und beschäftigt sich auch mit Jörg Bernig.

Miss Rockester alias Silvana Mehnert bei ihrer CD-Aufnahme in Riesa. Die läuft derzeit wegen Corona nur unter Auflagen.
Miss Rockester alias Silvana Mehnert bei ihrer CD-Aufnahme in Riesa. Die läuft derzeit wegen Corona nur unter Auflagen. © Sebastian Schultz

Riesa. Beinahe hätte Corona den Kindheitstraum von Miss Rockester kaputtgemacht. Aber nur beinahe. Denn mit Verspätung läuft sie jetzt doch noch, die Aufnahme ihres neuen Albums, für das die Künstlerin mit der Elbland Philharmonie ein ganzes Orchester zur Verfügung hat. 

"Mal vor dem Orchester zu stehen und zu singen, das wollte ich schon als Achtjährige", sagt Silvana Mehnert, die ihre Gesangskarriere im renommierten Philharmonischen Kinderchor Dresden begonnen hatte. "Bei meinem ersten Konzert mit der Philharmonie habe ich damals bei Beethovens 9. Symphonie hinter den Pauken gestanden und konnte kaum den Dirigenten sehen", erinnert sich die 40-Jährige.

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Das ist jetzt in Riesa kein Problem: Zu Dirigent Tobias Engeli, der schon mit den Prinzen Musik machte, ist der Abstand überschaubar. Nur mit dem ganzen Orchester hat es in dieser Woche noch nicht geklappt. "Wegen Corona können wir das Album nicht mit allen Musikern gemeinsam einspielen, sondern müssen das gruppenweise machen", sagt Miss Rockester.

Da sind also die Blechbläser zu einem anderen Termin dran als die Holzbläser, die Streicher kommen ebenso separat dazu wie die Schlagwerker. Und deshalb auch die großen Kopfhörer: Damit später alles zusammenpasst, werden die Aufnahmen der anderen Gruppen eingespielt. "Das alles noch zusammenzumischen, wird ein großer Aufwand", sagt Silvana Mehnert.

Band und Elbland Philharmonie werden bei dem Projekt von Tobias Engeli (im Hintergrund) geleitet.
Band und Elbland Philharmonie werden bei dem Projekt von Tobias Engeli (im Hintergrund) geleitet. © Sebastian Schultz

Irgendwie scheint die Sängerin mögliche Probleme aber schon geahnt zu haben, als sie vor drei Jahren mit der Planung ihres nächsten Albums loslegte. "Ich habe dabei zum Glück einen großen Puffer zwischen den Orchesteraufnahmen und der CD-Veröffentlichung eingeplant", sagt Miss Rockester. 

Im Oktober soll ihr drittes Album mit dem Titel "Dieser Moment" erscheinen. Und die Zeit bis dahin wird die Produktion noch brauchen. Schließlich sind allein 40 Musiker der Elbland Philharmonie dabei, dazu noch die sechs Musiker ihrer eigenen Band. "Das sind ziemlich viele Tonspuren, die wir dann noch zusammenmischen müssen."

Im Saal der Riesaer Elbland Philharmonie dürfen die Orchestergruppen nur einzeln spielen.
Im Saal der Riesaer Elbland Philharmonie dürfen die Orchestergruppen nur einzeln spielen. © Sebastian Schultz

Das wird dann in einem Röhrsdorfer Studio laufen. Und auch beim Orchester hat Miss Rockester ganz bewusst ein sächsisches Ensemble ausgesucht. "Das neue Album wird einen ganz starken Heimatbezug haben", sagt die Sängerin. Da widmet sie der Elbe einen Titel ("Mein Fluss") und auch ihrer Heimatstadt Radebeul ("Ich gehöre hierher").

Und für die Radebeulerin spielt auch Karl May eine wichtige Rolle. "Von dem kennen ja viele nur die Indianergeschichten, aber der hat auch ganz zauberhafte Naturgedichte gemacht", sagt Silvana Mehnert. Eines davon, "Ade!", hat sie für ihr neues Album vertont.

Zuletzt hatte Radebeul aber nicht nur mit Karl May, sondern auch mit der Aufregung nach der Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum Kulturamtsleiter für Schlagzeilen gesorgt. "Das hat mich sehr beschäftigt", sagt Silvana Mehnert. Die Wahl Bernigs habe sie als "sehr unglücklich" empfunden. Jeder könne seine politische Meinung haben - aber von Bernig als Kulturamtsleiter hätte sie sich nicht vertreten gefühlt. "Ich hätte mir gewünscht, dass man so eine Wahl nicht hinter verschlossenen Türen macht."

Die Wahl des Amtsleiters wird nun ohnehin wiederholt - und ohne Bernig, der seine Kandidatur mittlerweile zurückzog und kritisiert hatte, in dem Streit werde mit Werkzeugen wie "Unterstellung, Verheimlichung, Verdrehung bis zu Stigmatisierung" gearbeitet.

Miss Rockester arbeitet unterdessen an ihrem Album weiter. Finanziert werden soll es wie schon der Vorgänger per Crowdfunding, also der Sammlung finanzieller Unterstützung im Internet: Miss Rockester offeriert dort etwa Radebeuler Weinpakete, signierte Alben, Gitarrenstunden. Für 800 Euro gäbe es auch ein exklusives Wohnzimmerkonzert, für 2.500 Euro wäre ein Sponsoring-Paket buchbar. "Passend wäre ein regionaler Partner, für den ich mir auch musikalisch was ausdenken würde."

Am 10. Oktober will die Sängerin dann endlich mit dem ganzen Orchester in Meißen das Album live auf die Bühne bringen - und dann hoffentlich ohne Corona-Beschränkungen.

Die CD "Dieser Moment" soll am 9. Oktober 2020 erscheinen.

Die Tour dazu:
Miss Rockester Band & Orchester

  • 10. Oktober 2020 Theater Meißen, 19.30 Uhr
  • 8. November 2020 Dresden, Ostra-Dome im Rahmen der Jazztage Dresden, 20 Uhr

  • 13. Oktober 2020 Osnabrück, Lagerhalle, 20.00 Uhr
  • 14. Oktober 2020 Harsefeld, Kino-Hotel Meyer, 19.30 Uhr
  • 15. Oktober 2020 Schwerin, Saal Schleswig-Holstein-Haus, 19.30 Uhr
  • 16. Oktober 2020 Königshütte (Oberharz), Dorfkirche, 19.30 Uhr
  • 17. Oktober 2020 Pirna, Q24 Kleinkunstbühne, 20.00 Uhr

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