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Seifenwerk startet mit neuem Eigentümer

Mitten in der Corona-Krise ist das Insolvenzverfahren für das Riesaer Werk erfolgreich zu Ende gegangen.

Ein Blick auf das traditionsreiche Seifenwerk von Kappus in Riesa. Links im Hintergrund ist die Teigwaren-Fabrik zu erkennen, rechts hinten die frühere Zündwarenfabrik.
Ein Blick auf das traditionsreiche Seifenwerk von Kappus in Riesa. Links im Hintergrund ist die Teigwaren-Fabrik zu erkennen, rechts hinten die frühere Zündwarenfabrik. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Während Corona in vielen Branchen derzeit für Kurzarbeit sorgt, ist die Auftragslage in einer Branche förmlich explodiert: Die Nachfrage nach Seife sei durch die Hygienemaßnahmen infolge der Pandemie um mehr als 300 Prozent gestiegen, teilt Seifenhersteller Kappus mit. Das Unternehmen betreibt auch das Riesaer Seifenwerk und ist nach eigenen Angaben Europas größter Seifenhersteller.

Seit wenigen Tagen hat Kappus einen neuen Eigentümer: Zum 1. Mai wurde die Firma aus der Insolvenz heraus planmäßig von der Münchner Beteiligungsgesellschaft Ad Astra übernommen.

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"Die Übergabe an den Investor markiert den erfolgreichen Abschluss einer eineinhalb Jahre dauernden Sanierung unter zum Teil schwierigen Bedingungen", sagt Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko. Er hatte den Geschäftsbetrieb der Kappus-Gruppe seit deren Insolvenzanmeldung im September 2018 fortgeführt und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Die Kappus-Gruppe könne als operativ gut aufgestelltes Unternehmen unter dem Dach eines finanzstarken Investors wieder durchstarten. "Auch für die Gläubiger ist der Verkauf ein gutes Ergebnis", so Danko.

Die Übertragung umfasst den vollständigen Geschäftsbetrieb der „Kappus Seifen GmbH Riesa & Co.“ mit 76 Mitarbeitern und den der „Hirtler Seifen GmbH“ in Heitersheim/Baden-Württemberg mit 82 Mitarbeitern. Alle dort beschäftigten Mitarbeiter würden übernommen. Die Unternehmen fungieren künftig als Kappus GmbH.

Ein Blick in die Seifenproduktion bei Kappus. Das Unternehmen betreibt künftig noch Werke in Heitersheim (Baden-Württemberg) und Riesa.
Ein Blick in die Seifenproduktion bei Kappus. Das Unternehmen betreibt künftig noch Werke in Heitersheim (Baden-Württemberg) und Riesa. © Kappus

Der Insolvenzverwalter hob den Beitrag der Mitarbeiter am erfolgreichen Abschluss der Sanierung hervor. „Dass die Sanierung und der Verkauf mitten in der Corona-Krise relativ reibungslos über die Bühne gehen, ist alles andere als selbstverständlich“, sagt Danko.

So habe die Corona-Krise zwar die Nachfrage nach Seife deutlich erhöht. Gleichzeitig seien die Produktionsbedingungen aber massiv erschwert worden - etwa durch den zusätzlichen Hygieneaufwand, Quarantäne-bedingte Ausfälle von Mitarbeitern und eine teils krisenbedingt erschwerte Rohstoffbeschaffung.

Beim dritten verbliebenen Unternehmen der Kappus-Gruppe, Dreiring mit Sitz in Krefeld, wird nur noch bis Ende September produziert: Bereits Ende Januar hatten die Gläubiger entschieden, den Standort Krefeld stillzulegen, nachdem zwischen dem Investor und den Kunden keine Einigung über auskömmliche Preise erzielt werden konnte. Die knapp 100 Mitarbeiter bleiben solange weiter dort beschäftigt.

An den verbliebenen Standorten Riesa und Heitersheim produziert Kappus jährlich 150 Millionen Stück Seife und seifenfreie Waschstücke. Neben Eigenprodukten der Marke Kappus, wie die zurzeit besonders nachgefragte Arztseife, produziert das Unternehmen auch für international agierende Markenartikler, Lebensmitteleinzelhändler und Drogeriemärkte.

"Unser vordringliches Ziel ist die Versorgung unserer Kunden mit Seife und damit weiterhin auf Hochtouren zu produzieren", erklären Ulrich Clemm und Thomas Krüger, Gründer und geschäftsführende Gesellschafter von Ad Astra. 

Als neuer Geschäftsführer für Kappus wurde Rainer Gsell bestellt. „Um zur Bekämpfung des Corona-Virus beizutragen, steht vor allem die Sicherung der Produktion mit dem bestehenden Sortiment im Vordergrund", sagt Gsell. Langfristig wolle man aber an Produkt-Innovationen und Optimierungen arbeiten, um die Stellung von Kappus in der Seifenbranche zu festigen und auszubauen.

Beliebt seien die Seifen nicht nur im Heimatmarkt, sondern auch in Asien und dem amerikanischen Raum. Dort gelte Festseife nach wie vor als Standard, während hierzulande eher Flüssigseife gefragt sei. Dabei sei Festseife deutlich nachhaltiger - sowohl in der Zusammensetzung, in der Produktion, als auch bei der Verpackung.

Kappus stellt in Riesa Seife unter dem eigenen Namen her - aber auch sogenannte Handelsmarken, die es etwa bei Drogeriemärkten gibt.
Kappus stellt in Riesa Seife unter dem eigenen Namen her - aber auch sogenannte Handelsmarken, die es etwa bei Drogeriemärkten gibt. © Sebastian Schultz

Das Unternehmen Kappus war 1848 von Johann Martin Kappus in Offenbach am Main als „M. Kappus Feinseifen und Parfümeriefabrik“ gegründet worden. Das Unternehmen blieb über fünf Generationen in Familienbesitz und erwarb sich einen Ruf als Markt- und Innovationsführer. 

Finanziell war Kappus jedoch 2018 in Schieflage geraten und meldete Insolvenz an. Laut Insolvenzverwalter waren die Gesellschaften der Kappus-Gruppe durch stark gestiegene Rohstoffpreise und hohen Preisdruck in finanzielle Bedrängnis geraten. Die Gruppe habe zudem unter erheblichen Überkapazitäten gelitten. 

Danko verhandelte zunächst höhere Preise, um die Fortführung zu sichern. Anschließend setzte er nach eigenen Angaben "zum Teil einschneidende, aber dringend notwendige" Sanierungsmaßnahmen um. Dazu gehörten etwa die Schließung des aufgrund kleinteiliger Produktion und hoher Rüstzeiten unrentablen Standorts Offenbach sowie organisatorische und personelle Restrukturierungsmaßnahmen an den anderen Standorten. In Riesa und Heitersheim wurde während der Fortführung sogar Personal aufgebaut.

Laut Kappus hätten mehrere Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften Interesse am Unternehmen gezeigt. Letztlich hätte das Konzept von Ad Astra überzeugt - einer im Jahr 2000 gegründeten Gesellschaft im Alleinbesitz von Ulrich Clemm und Thomas Krüger.

Die Gesellschaft hatte sich zunächst mit der Entwicklung von Software- und Technologie-Unternehmen befasst und zuletzt wieder mehr auf das mittelständische Beteiligungsgeschäft konzentriert. Ad Astra praktiziere dabei nicht den klassischen Private-Equity-Ansatz, bei dem Firmen nach einigen Jahren gewinnbringend wieder abgestoßen werden. „Wir sind langfristig orientiert und wollen Kappus mit dem neu bestellten Geschäftsführer Rainer Gsell zu alter und neuer Stärke führen“, teilen Clemm und Krüger mit. (SZ/csf)

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