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Riesa soll Sigmund-Jähn-Straße bekommen

Ein Stadtrat würde dem ersten Deutschen im All gern eine Straße in Weida widmen. Es gibt aber noch ein paar Hürden.

Eine Sigmund-Jähn-Straße für Riesa? Das wird in der Stadtpolitik durchaus positiv gesehen.
Eine Sigmund-Jähn-Straße für Riesa? Das wird in der Stadtpolitik durchaus positiv gesehen. © KD BRUEHL

Riesa. Morgenröthe-Rautenkranz hat es vorgemacht: Anfang des Jahres hat der Geburtsort von Sigmund Jähn eine Straße nach dem Mann benannt, der 1978 als erster Deutscher ins All flog. Nun soll Riesa nachziehen und dem im September 2019 gestorbenen Kosmonauten ebenfalls eine Straße widmen.

Das zumindest ist der Wunsch von Stefan Schwager, Stadtrat für die Freien Wähler und Mitglied der Ratsfraktion Gemeinsam für Riesa. Nach seiner Vorstellung soll die Greizer Straße in Weida künftig Sigmund-Jähn-Straße heißen. 

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Dass die Wahl auf die Straße fällt, an der einst das Ardennegymnasium stand, ist kein Zufall. Schließlich befinde sich dort die Volkssternwarte, sagt Stefan Schwager, der bei Riesas Sternenfreunden engagiert und gleichzeitig auch Chef  des Riesaer Sternwartenvereins ist. Der Verein hatte Sigmund Jähn 2013 zum Ehrenmitglied gemacht. "Es gibt also auch einen Bezug zur Persönlichkeit", so Schwager, der Jähn selbst mehrfach getroffen und auch darüber hinaus Kontakt zu ihm gehalten hatte. 

Sigmund Jähn (l.) und Stefan Schwager bei einem Treffen vor einigen Jahren.
Sigmund Jähn (l.) und Stefan Schwager bei einem Treffen vor einigen Jahren. © Sternwarte Riesa e.V.

Persönlich besucht hat der gelernte Buchdrucker, spätere Jagdflieger und promovierte Physiker Jähn die Stadt Riesa wohl aber nie. "Das hatten wir uns mal vorgenommen", sagt Stefan Schwager. Doch ergeben habe es sich letztlich nicht. Dass der einstige Kosmonaut zu DDR-Zeiten einmal in Riesa gewesen wäre, ist Stefan Schwager auch nicht bekannt. Verbürgt ist ein Besuch indes in Gröditz im Jahr 1978, wo  auch jahrelang eine Schule nach Jähn benannt war.

Eine Umbenennung der Greizer Straße in Riesa zugunsten des ersten deutschen Raumfahrers hält Stefan Schwager dennoch für gerechtfertigt. Jähn habe sich mit Riesa identifiziert, habe sich in Schreiben an den Sternwartenverein lobend darüber geäußert, was dieser auf die Beine gestellt habe. Auch in Fernsehbeiträgen sei seine Fürsprache dokumentiert. 

Dass das Thema Straßennamen und DDR-Persönlichkeiten durchaus brenzlig sein kann, wie im Falle des Kommunisten Dr. Kurt Fischer und der noch immer nach ihm benannten Straße im Stadtteil Poppitz, weiß auch Stefan Schwager. Im Falle von Sigmund Jähn sieht der Stadtrat aber keine Gefahr. "Jeder Raumfahrer, auch er, hat hat sich letztlich als Vertreter der gesamten Menschheit gefühlt. In dem Moment, in dem sie da oben fliegen, ist da weder eine Grenze, noch Religion, noch politisches System." Jähn habe sich außerdem nach der Wiedervereinigung um die europäische Raumfahrt verdient gemacht. 

"Er war einfach ein toller Mensch und was kann man so jemandem noch Gutes tun, wenn er nicht mehr da ist?", so Stefan Schwager mit Blick auf die mögliche Umbenennung der Straße.

Erste Reaktionen auf den Vorschlag in der Stadtpolitik sind positiv. Die Räte im Kulturausschuss hatten sich für die Idee ausgesprochen. Die Stadtverwaltung klärt derzeit verschiedene Fragen rund um die Idee, auch die Kosten, machte Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) diese Woche im Kulturausschuss deutlich. Wenn die  Sache beschlussreif sei, solle das Thema wieder in die städtischen Gremien kommen, so Müller.

Klar ist, dass es zwei Anlieger gibt, die die Umbenennung betreffen würde. Einer davon ist der Sternwartenverein selbst, dessen Observatorium die Adresse Greizer Straße 2 hat. "Bei uns ist das aber unkompliziert", so Stefan Schwager, da der eigentliche Vereinssitz daneben an der Kreuzstraße liege. Wie die anderen Anlieger eine Umbenennung sehen und was für Kosten das Ganze verursacht, will die Stadtverwaltung klären.

Stefan Schwager hofft auf Wohlwollen der Nachbarn. Falls deren Skepsis überwiege, sei er gern bereit, mit ihnen zu reden. Er wolle im Moment aber keine Gespräche führen, um nicht dem Rathaus vorzugreifen.

Dass Straßen-Umbenennungen möglich seien, wenn es den Willen aller dazu gebe, habe in Riesa das Beispiel der einstigen Mannheimer Straße gezeigt, so Schwager. Diese war vor zehn Jahren auf Initiative von Riesas damaliger Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) in Geschwister-Scholl-Straße umbenannt worden – und damit nach Widerstandskämpfern gegen das Nationalsozialismus. Ein politisches Zeichen gegen den damals wie heute ansässigen NPD-Verlag "Deutsche Stimme" und somit gegen Rechtsextremismus. 

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Auch eine Sigmund-Jähn-Straße hätte eine Symbolik. Aber eine andere. Eine, die für Zukunft, Innovation und Internationalität stehe. Schließlich würden Astronauten auch auf der Internationalen Raumstation ISS nationenübergreifend zusammenarbeiten, so Stefan Schwager.

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