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Riesa

So läuft's auf Riesas Spielplätzen

Die SZ hat sich in der Region umgesehen. Es herrscht wieder Leben in den Sandkästen und an den Spielgeräten – wenn auch nicht überall.

Es darf wieder geklettert werden: Wegen der Lockerungen der Corona-Regeln können Kinder wie hier am Poppitzer Platz wieder die Spielgeräte auf den Spielplätzen der Gegend in Beschlag nehmen.
Es darf wieder geklettert werden: Wegen der Lockerungen der Corona-Regeln können Kinder wie hier am Poppitzer Platz wieder die Spielgeräte auf den Spielplätzen der Gegend in Beschlag nehmen. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Einen Tag, bevor sich Regen und Kälte in Sachsen eingefunden haben, hat die SZ eine Tour zu Spielplätzen in Riesa und Umgebung gemacht. Das Ergebnis: Bei  Sonnenschein und Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius – also bestem Spielplatz-Wetter – sah es dort am Sonnabend genauso aus wie vor der Corona-Krise. Die in den Randgebieten waren überwiegend leer. 

Spielplatz 1 – Glauchauer Straße

Am Besten besucht war die neue Anlage im Weidaer Wohngebiet an der Glauchauer Straße, die von acht bis 20 Uhr genutzt werden kann. Mama Michelle, die an diesem Tag mit Töchterchen Lusia gekommen ist, kennt die Vorgeschichte des neuen Spielplatzes. „Hier stand früher ein Wohnblock. Der und der alte Spielplatz weiter hinten wurden abgerissen“, sagt die junge Frau, die froh ist, dass die neue und großzügig gestaltete Anlage nach der Corona-Sperre nun endlich auf ist. „Das war schon anstrengend, als Lusia nur zuhause war. Da haben wir gebastelt, gemalt und Spiele gespielt.“ Bloß ihren natürlichen Bewegungsdrang, den konnte das kleine Mädchen eben nicht ausleben.

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Jetzt tobt sie mit Lena und Finn über den Spielplatz, den die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) mitten zwischen den vielen Wohnblöcken errichtet hat. Es gibt einen Sandkasten, ein Spielhaus, eine Schaukel, einen großen Kletterplatz mit drei Geräten und vier bunt bemalte Bänke für alle, die mal Pause machen wollen. „Ein paar Bänke mehr könnten es aber schon sein“, sagt Madleen, die sich mit ihrem Nachwuchs mit Michelle getroffen hat. „Und Papierkörbe gibt es gar keine.“

Der Spielplatz an der Glauchauer Straße.
Der Spielplatz an der Glauchauer Straße. © Sebastian Schultz

Susan Eisenreich, bei der WGR für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erklärt dazu auf SZ-Anfrage: „Wir appellieren an die Besucher, ihren Müll wieder mitzunehmen, um Verunreinigungen vorzubeugen. Aus der Erfahrung heraus wurden zahlreiche Mülleimer auf anderen Spielplätzen immer wieder dazu genutzt, um Hausmüll zu entsorgen.“

Und was ist mit den Bänken? „Für jeden der beiden Spielplätze haben wir erst einmal zwei Bänke geplant. Sollte der Bedarf hier jedoch in Zukunft wesentlich höher sein, könnte man da aber auch noch einmal die eine oder andere Bank zusätzlich aufstellen.“

Die beiden Mütter freuen sich derweil auf einen entspannten Abend, denn: „Die Kinder halten schon lange durch“, sagt Michelle. „Aber abends sind sie dann knülle.“ Michelle und Madleen aber vielleicht auch, denn an diesem Sonnabend sitzen sie auf der bunten Bank in der prallen Sonne. Lösung hier: „Eine Sitzmöglichkeit mit Dach ist nicht angedacht“, erklärt Susan Eisenreich. „Denn da in der Nähe der Spielflächen auch größere Bäume stehen, könnte man sich unweit der Spielflächen ein schattiges Plätzchen auf der Wiese suchen.“ Stimmt, denn am Spielplatzrand stehen unter anderem einige schon recht hohe Birken, unter denen man es sich auf mitgebrachten Decken oder Campingstühlen gemütlich machen kann.

Spielplatz 2 – Straße der Freundschaft

Leere herrschte dagegen bei bestem Fußballwetter auf dem kleinen Kickerplatz an der Straße der Freundschaft in der Pausitzer Delle. Das dürfte aber nicht immer so sein, denn der Rasen vor einem der beiden Kleinfeldtore ist nicht mehr existent, was auf reichliche Nutzung schließen lässt. Allerdings nicht in den letzten zwei Monaten, als alle Sportanlagen gesperrt waren. Dafür spielen im Hinterhof zwischen den Wohnblöcken zwei Anwohner Badminton. Ginge vielleicht auch auf dem kleinen Sportareal, aber das Volleyballnetz zwischen den beiden großen Metallpfosten gibt es derzeit nicht. Und es wäre eh zu hoch für Badminton. Die Corona-Nutzungsregeln im DIN-A4-Format hat ein Experte übrigens gleich mal quer an einem der großen Bäume angebracht. Das macht das Lesen nicht unbedingt einfacher.

Spielplatz 3 – Poppitzer Platz

Weiter zum Spielplatz am Riesaer Stadtmuseum. Auch hier ist niemand zu sehen, aber viel mehr als ein sehr großes Klettergerüst und eine Wippe gibt es hier auch nicht. Der SZ-Fotograf hatte sich einen Tag zuvor offenbar eine günstigere Uhrzeit für den Besuch dort ausgesucht.

Spielplatz 4 – Ortsteil Poppitz

Eine schöne und großzügige Spielplatzanlage findet sich derweil auch im Riesaer Ortsteil Poppitz. Am Ortsausgang Richtung Göhlis hängen die Corona-Regeln am Eingang richtig. Fünf Punkte sind aufgeführt. Die Erwachsenen sollen ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen, nur ein Kind pro Spielgerät, Abstandsregel von 1,5 Metern beachten, nach dem Spielen Hände und Gesicht waschen und auch den Kontakt zu Risikogruppen meiden. Auf dem Platz locken zwei Klettergerüste mit Rutschen, eins ohne Rutsche, Schaukelkorb, Wippe und Sandkasten zum Spielen. Es gibt mehrere Bänke, auf denen man auch im Schatten sitzen kann.

Während der Autor noch die gesamte Anlage ansieht, kehrt auf einmal Leben ein. Vier Jungs rücken mit ihren Fahrrädern ein und toben kreuz und quer über den Spielplatz und die Geräte. „Gestern haben wir auf dem kleinen Platz nebenan auch Fußball gespielt“, erzählt einer der kleinen Besucher. „Wir sind auch früher schon hier gewesen, vor Corona.“

Aufsichtspersonen sind weit und breit nicht in Sicht. Und was ist mit der Abstandsregel? „Meine Mama hat mir davon erzählt“, sagt ein Junge. Aber Mama ist nicht da – und dann gelten eben keine Regeln, die ihr Leben einsam auf einem Papier am Baum fristen. Dann wird gespielt, was das Zeug hält. Was am Ende richtig und verkehrt ist, wird eh erst die Zukunft zeigen.

Spielplatz 5 und 6 – Mautitz und Jahnishausen

Zu den letzten besuchten Spielplätzen. Der im Ortsteil Mautitz mit Wippe, Tischtennisplatte und zwei Klettergerüsten samt einer Rutsche ist leer – wie fast immer, wenn der Autor dort vorbeifährt. 

Der Spielplatz in Jahnishausen im April.
Der Spielplatz in Jahnishausen im April. © Lutz Weidler

Auch auf der schönen und ruhig gelegenen Anlage in Jahnishausen ist es ruhig. Auch wie so oft. Auf dem benachbarten Fußball-Kleinfeld kicken zwei Jungs, während die Spielgeräte in der Sonne braten. Die Tischtennisplatte verlassen, ebenso Schaukel, Bänke und Wippe. Ein Pluspunkt hier: Es gibt ein großes überdachtes Sitzelement – genau das, was sich Michelle und Madleen in Weida auch wünschen würden.

Spielplatz 7 – Mergendorf

Leer auch der Spielplatz an der Prausitzer Straße im Riesaer Ortsteil Mergendorf. Was kein Wunder ist, weil der immer noch durch ein rot-weißes Band abgesperrt ist. Wippe, Klettergerüst und Tischtennisplatte sind nicht zugänglich – und werden wie in Mautitz auch sonst selten von Kindern genutzt.

Spielplatz 8 – Grubnitz

Zurück zum Start der Rundreise: Schon nach einem Kilometer passiert der Autor auf dem Jahnatalweg den Spielplatz in Grubnitz – und trifft dort Theodor, der heilfroh ist, dass er endlich wieder drauf darf. In weiten Schwüngen schaukelt der Stauchitzer Oberschüler mit offensichtlich viel Spaß hin und her. Seine Kumpels sind noch nicht in Sicht, Abstandsregel also kein Problem. „Ich war schon früher oft hier“, erzählt der Sechstklässler, der immer noch schulfrei hat. „Das habe ich schon sehr vermisst. Zuhause haben wir keine Schaukel, nur ein Trampolin.“ Und Fußball hat er auf dem benachbarten Platz an der Jahna mit seinen Freunden früher auch gern gespielt.

Die sitzen möglicherweise gerade noch beim Mittagessen – aber dann kann das runde Leder ja endlich wieder herausgeholt werden aus der Versenkung. Nur bitte versuchen, die Corona-Regeln von Frank Seifert, dem Stauchitzer Bürgermeister, zu beachten. Die hängen vorschriftsmäßig am Zugang zum Spielplatz aus. Fragt sich nur, ob die verschiedenen Verfasser dieser Regeln sich beim Entwurf auch mal an ihre eigene Kindheit erinnert haben. Denn so richtig funktionieren werden die wohl nicht. 

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