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Stadträte nehmen OJH Riesa unter die Lupe

Läuft die Sanierung des Jugendhauses aus dem Ruder? Bei der AfD sieht man das Vorhaben sehr kritisch. Der OB hält dagegen.

Bereit zur Besichtigung: Kurzfristig durften sich Stadträte am Montag auf der Baustelle des OJH Riesa umschauen.
Bereit zur Besichtigung: Kurzfristig durften sich Stadträte am Montag auf der Baustelle des OJH Riesa umschauen. © Sebastian Schultz

Riesa. Tausende Autofahrer kommen jeden Tag am Offenen Jugendhaus (OJH) an der Riesaer Elbbrücke vorbei. Doch wie sieht es drinnen aus? Davon wollten sich Riesaer Stadträte am Montag selbst ein Bild machen. Auf Wunsch der AfD-Fraktion richtete OB Marco Müller (CDU) kurzfristig eine Baustellenbesichtigung aus.

Anlass dafür war eine unliebsame Überraschung: Bei der Brandschutz-Sanierung des Hauses war aufgefallen, dass ein Teil der Dachkonstruktion womöglich vom Schwamm befallen ist. Die Stadt ließ eine Holzprobe bei einem Gutachter einreichen, um das abzuklären. Ausgerüstet mit gelben Bauhelmen machten sich Stadträte und der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter selbst ein Bild vor Ort.

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Hütter selbst sieht den Umbau des OJH kritisch. "Für mich sehen die Bauarbeiten nicht mehr nach Reko-Maßnahmen für den Brandschutz aus", sagt der Abgeordnete. "Heizung, Elektrik, Fußboden, Bäder - alles wurde entfernt. Das wirkt eher wie eine Komplettsanierung."

Vor dem Hintergrund der durch die Corona-Maßnahmen angespannten Haushaltslage regt der AfD-Politiker an, das Projekt komplett auf den Prüfstand zu stellen. "Ich schätze, dass die Kosten nicht bei unter 900.000 Euro bleiben, sondern eher 1,2 Millionen Euro erreichen." Schließlich sei nicht nur unterm Dach Schimmel, sondern auch der Keller feucht. Bei der finanziellen Größenordnung könne man gleich überlegen, das Haus abzureißen und wieder neu zu bauen - oder im Stadtgebiet nach einer anderen städtischen Immobilie schauen, die sich für das OJH eigne.

Riesas OB Müller spricht sich dagegen deutlich für das bestehende Haus aus. Es sei kein Hausschwamm gefunden worden. Der Planer habe auf die grundsätzlich solide Substanz des Gebäudes verwiesen. „Wir Riesaer wissen, dass das OJH schon immer – und noch heute - einen wichtigen Anlaufpunkt für unsere Jugend darstellt", sagt Müller. Der Standort sei wegen der zentralen Lage ideal und auch für Konzerte und Bandproben: Das OJH liegt ein ganzes Stück entfernt von den nächsten Wohnhäusern, so dass es wenig Ärger mit Nachbarn gibt. "Im und am Gebäude steckt sehr viel Herzblut der Jugendlichen", sagt der OB. Riesa wolle für junge Menschen attraktiv sein. "Dazu gehört ein Jugendhaus, das zwar nicht perfekt, aber für unsere Kinder sicher sein muss!“

Optimale Lage

Auch Carsten Hütter selbst hält die Lage des OJH für "optimal". "Die Frage ist, ob die laufende Baumaßnahme noch etwas mit dem zu tun hat, was den Stadträten am Anfang vorgestellt wurde", sagt der Landtagsabgeordnete.

Nutzer ist die Gesellschaft Outlaw, die das Jugendhaus unterhält. Laut Mitarbeiterin Anja Müller sei der Großteil der Arbeiten durch Vorgaben des Brandschutzes und der Elektrik bedingt. "In der mittleren Etage kommen lediglich ein paar Wände raus, um größere, offene Räume zu schaffen." Die Arbeiten liefen gut, die Planungen seien strukturiert, man warte jetzt auf die Ergebnisse des Holz-Gutachtens. "Ich bin noch tiefenentspannt."

Man hoffe, zum 30-jährigen Bestehen der Einrichtung Ende Oktober wieder in das Gebäude zurückkehren zu können. Aktuell nutzt man für die Jugendarbeit das ebenfalls von Outlaw betriebenen Riemix an der Klötzerstraße. Der Standort des OJHs sei jedenfalls ideal. "Das Gebäude ist bestens geeignet, um Jugendlichen Freiräume zu schaffen."

So sieht es auch Uta Knebel. "Das OJH ist auch ein schönes Gebäude, das man erhalten sollte", sagt die Chefin der Linken-Stadtratsfraktion. In einem Altbau sei es normal, dass es bei Bauarbeiten Überraschungen gebe - das wisse sie aus eigener Erfahrung. Man sehe aber deutlich, dass es einen Baufortschritt gibt.

Mögliche Regressansprüche

Die Stadt hat derweil, so teilt der OB mit, den Kommunalen Sozialverband Sachsen informiert: Der fördert die Hälfte der Kosten. Laut dessen Aussage gebe es keinen Grund, dass möglicherweise entstehende Zusatzleistungen zur „Schwammbekämpfung“ nicht gefördert werden können. Weil sie in engem Zusammenhang mit der Sanierung stehen, würde man solche Rettungsmaßnahmen als "ganz normale Mehraufwendungen" behandeln. Zudem habe man inzwischen vom Holzschutzgutachter die Bestätigung, dass es sich im OJH um keinen Hausschwamm, sondern vermutlich um den weniger gefährlichen sogenannten Blättling handelt.

Ohnehin sei die Variante Abbruch und Neubau keine echte Alternative: Man habe bereits rund 120.000 Euro für Planungsleistungen bezahlt, die Riesa in so einem Fall nicht zurück bekäme, weitere 700.000 Euro seien bereits vertraglich gebunden. Würde man die Verträge aufheben, müsse man mit Regressansprüchen rechnen. Und ein Neubau bräuchte eine erneute Planung. "Aufwand und Nutzen stehen bei dieser Variante also in keinem Verhältnis", sagt Marco Müller. Zudem habe der Stadtrat sich klar für eine Sanierung des Gebäudes entschieden - und dafür die Mittel im Haushalt freigegeben.

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