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Pauken in den Sommerferien

Wegen Corona ist im vergangenen Schuljahr einiges auf der Strecke geblieben. Mit Zusatzangeboten versucht man nachzusteuern - auch in Riesa.

Lernen mitten in der Ferienzeit: Gymnasiast Linus geht mit Oliver Locke Geometrie-Aufgaben durch.
Lernen mitten in der Ferienzeit: Gymnasiast Linus geht mit Oliver Locke Geometrie-Aufgaben durch. © Sebastian Schultz

Riesa. Es ist warm, die Sonne scheint - eigentlich ideale Voraussetzungen, um die Sommerferien zu genießen. Doch so mancher Riesaer Schüler nutzt die Ferienzeit in diesen Tagen noch ganz anders. So wie zum Beispiel Linus. Statt ins Freibad oder ans Elbufer, geht er in dieser Woche jeden Tag für drei Stunden ins Städtische Gymnasium - und paukt. 

In zwei Wochen während der Sommerferien bietet die Schule die sogenannten Freiwilligen Bildungsangebote an. Eine erste Runde gab es schon in der ersten Ferienwoche. 

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Jetzt, zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres, ist Teil zwei der Sommerschule dran. Hintergrund des Angebots ist die Corona-Krise. Die hatte die Schulen fast ein halbes Jahr lang dazu gezwungen, nur eingeschränkt zu unterrichten. Kurz vor den Ferien hatte das Kultusministerium das Bildungsangebot ins Spiel gebracht

Individuellere Betreuung möglich

Und so sitzt Linus, der demnächst in die 7. Klasse kommt, jetzt in einem der Räume im Städtischen Gymnasium - und frischt sein Wissen in Geometrie auf. "Wir haben uns vorher darüber unterhalten, wie er so im Stoff steht und was er wiederholen möchte", erklärt Mathematik-Lehrer Oliver Locke. 

Geübt werden etwa das Winkelmessen und die Winkelbeziehungen. Am Vortag hatte der Lehrer sechs Schüler vor sich sitzen, heute ist Linus alleine. Eine andere Schülerin hatte kurzfristig abgesagt.

In den einzelnen Lernblöcken der Sommerschule sind meist nur wenige Schüler angemeldet. Die Lehrer können individueller auf die Schüler eingehen. Dass am Dienstag Geometrie gepaukt wurde, sei auf Wunsch von Linus passiert, sagt der Mathematik-Lehrer.
In den einzelnen Lernblöcken der Sommerschule sind meist nur wenige Schüler angemeldet. Die Lehrer können individueller auf die Schüler eingehen. Dass am Dienstag Geometrie gepaukt wurde, sei auf Wunsch von Linus passiert, sagt der Mathematik-Lehrer. © Sebastian Schultz

Schulleiterin Silke Zscheile ist zufrieden damit, wie das Angebot angenommen wurde. "Wir haben meist so fünf bis sieben Schüler. Ich muss auch sagen: 20 Mann in jedem Angebot hätten mich beunruhigt", sagt Zscheile und lacht.

 In den kleinen Gruppen sei es nun einmal leichter, auf die Schüler einzugehen, eine viel individuellere Betreuung anzubieten. Insofern seien kleinere Gruppen eher ein Argument für das Angebot. "Gestern war ein Schüler der Einzige im Physik-Unterricht, da wurde drei Stunden lang experimentiert. Der fand das super!" 

Ministerium betont Freiwilligkeit

Unter den Lehrern teilt dagegen nicht jeder die Begeisterung für das Thema. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte bereits im Juni in einer Mitteilung erklärt, man stehe den Angeboten skeptisch gegenüber.

 "Die vergangenen Wochen waren für die Lehrkräfte mit großen Kraftanstrengungen verbunden", heißt es darin. Sie bräuchten nun "dringend Zeit, sich zu erholen, zumal niemand weiß, welche Wirkungen die Pandemie auf das Schuljahr 2020/21 haben wird".

 Allerdings wolle man die Schulen nicht bevormunden und "einzelne Initiativen tolerieren (...), wenn das Prinzip der Freiwilligkeit strikt eingehalten wird". Sachsens Kultusministerium bestätigt auf Nachfrage, es müssten "weder Schüler noch Lehrer daran teilnehmen beziehungsweise Angebote unterbreiten".

Silke Zscheile lässt durchblicken, dass es Kritik auch innerhalb des Riesaer Kollegiums gegeben hat: "Es haben nicht alle hurra geschrien." Angesichts von 72 Ferientagen im Jahr hält sie es aber für vertretbar, dass der eine oder andere auch in der eigentlich unterrichtsfreien Zeit für ein paar Tage vorbeischaut. 

Neben dem Städtischen bietet beispielsweise auch das Werner-Heisenberg-Gymnasium eine Sommerschule an. Wie viele Schulen die Möglichkeit sachsenweit genutzt haben, ist noch unklar. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir auch noch keine Umfrage unter den Schulen gemacht", sagt ein Sprecher des Kultusministeriums. "Das folgt erst später."

Silke Zscheile leitet das Städtische Gymnasium in Riesa. Sie ist optimistisch gestimmt, was den Neustart an der Schule nach den Ferien angeht.
Silke Zscheile leitet das Städtische Gymnasium in Riesa. Sie ist optimistisch gestimmt, was den Neustart an der Schule nach den Ferien angeht. © Klaus-Dieter Brühl

Ausgefallener Stoff soll 2020/21 nachgeholt werden

Die Teilnehmer seien ganz unterschiedlich. "Es sind welche dabei, die es wirklich nötig haben, aber auch Schüler mit einer Zwei in dem jeweiligen Fach." Eine Hoffnung muss Silke Zscheile gleich begraben: Den "verlorenen" Stoff aus den vergangenen Monaten werde man mit den zwei Wochen nicht aufholen können. "Da ist das Angebot ein Tropfen auf den heißen Stein." Zumal ja nicht alle Schüler teilnehmen. 

Als kurz nach einem Corona-Verdacht am Rudolf-Stempel-Gymnasium die Schule geschlossen wurde, hatte ein Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung noch erklärt, eine solche Schließung würde den Lehrplan kaum beeinflussen: "Die Lehrpläne geben das her, da ist noch etwas Luft", hieß es damals.

 Doch wenig später schlossen alle Schulen - und das deutlich länger, als zunächst absehbar gewesen war. Da musste zwangsläufig etwas auf der Strecke bleiben, sagt Silke Zscheile. "Ich kann nicht bloß Stoff prügeln, ohne zu üben." 

Die Sorge der Eltern kann sie nachvollziehen. Aber sie ist optimistisch: "Das fangen wir wieder auf." Denn am Städtischen Gymnasium geht es nach den Sommerferien wieder mit dem Regelbetrieb los. 

Die Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz gilt dann bloß noch für schulfremde Besucher. Mitbringen sollen die Schüler aber trotzdem eine Maske. Was hingegen bleiben soll, ist das "Einbahnstraßensystem" in den Gängen. 

"Ich glaube, die Eltern warten drauf, dass es wieder losgeht", sagt die Schulleiterin. Davon, jetzt schon vor einem möglichen Risiko warnen, hält sie wenig - und rät lieber: "Positiv bleiben!"

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