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Riesaer Gymnasiasten auf Europatour

Bei einem Austauschprojekt lernen die Schüler gleich mehrere neue Länder kennen. An der jüngsten Station hat sie vor allem eines überrascht.

Von Stefan Lehmann
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Austauschprogramm in Griechenland: Eine Schülerdelegation aus Riesa besuchte gemeinsam mit den Lehrerinnen Claudia Böhmert (r.) und Simone Gründler (l.) die Stadt Larisa.
Austauschprogramm in Griechenland: Eine Schülerdelegation aus Riesa besuchte gemeinsam mit den Lehrerinnen Claudia Böhmert (r.) und Simone Gründler (l.) die Stadt Larisa. © privat

Riesa. In Deutschland ist von der letzten Wirtschaftskrise fast nichts mehr zu spüren; in den Straßen von Larisa und Thessaloniki sieht es dagegen ganz anders aus. „Was mir aufgefallen ist, waren die vielen alten Autos, von denen viele auch noch die alten Nummernschilder hatten“, sagt Kevin Daniel Warkus. „Gegenüber unserer Schule war eine Mall, die auch seit zehn Jahren so gut wie leer steht.“ 

Der Gymnasiast muss es wissen. Gemeinsam mit vier Mitschülern des Werner-Heisenberg-Gymnasiums war Warkus vor Kurzem in Larisa, für das Austauschprojekt „Erasmus Plus“.

An dem Projekt beteiligen sich Schüler aus insgesamt sechs Ländern: Deutschland, Griechenland, Luxemburg, Spanien, Großbritannien und Litauen. Jeweils eine Woche lang wird jede Partnerschule besucht. Das ist mehr als nur Urlaub, betonen die Schüler: Jeder Besuch steht unter einem bestimmten Motto, zu dem die Schüler auch Aufgaben bekommen. Im griechischen Larisa beispielsweise fanden sich die Schüler in Gruppen zusammen und sollten über Wirtschaftssysteme debattieren.

Bei der Diskussion rund um Sozialismus, Kommunismus und Kapitalismus bemerkten die Schüler vor allem die Unterschiede im Schulsystem, sagen sie. „Wer es sich leisten kann, besucht noch eine Nachmittagsschule, weil das staatliche Schulsystem nicht so gut ist“, sagt Kevin Daniel Warkus. Und dann ist da eben noch die Armut. Die sei in Larisa zwar spürbar, aber weit weniger ausgeprägt als in den großen Metropolen, sagen sowohl die Schüler als auch ihre Lehrer. 

„Ich habe meine Gastfamilie auch gefragt, ob es sicher ist, abends allein vor die Tür zu gehen“, erzählt Fenja Hoffmann. Für Larisa hätten die das bejaht – und gleich hinzugefügt, in Thessaloniki sehe das teils anders aus. Nach den knapp fünf Tagen in Griechenland überwiegen allerdings die positiven Erinnerungen – vor allem an die Gastfreundschaft, sagen alle, die teilgenommen haben. 

Während in Luxemburg die Leute etwas reserviert gewesen seien, gab es in Larisa viele gesellige Treffen in den weitläufigen Parks – für Mitte November war es schließlich noch angenehm warm. „Es wurde immer reichlich und ausgiebig gegessen“, erinnert sich Marc Kynast. „Und es war immer entweder sehr herzhaft oder sehr, sehr süß. 

Das Dazwischen fehlte.“ Dafür halten die Griechen offenbar wenig von Fast Food, haben die Schüler beobachtet. Neben dem Verbessern der Englischkenntnisse und dem Kennenlernen anderer Kulturen haben die bisherigen Reisen nach Luxemburg, Litauen und Griechenland auch einige Freundschaften entstehen lassen, sagt Schülerin Pia Haferkorn. „Das hätte ich vorher nicht erwartet.“ 

Über Instagram und WhatsApp halten die Jugendlichen miteinander Kontakt. Bis sich die insgesamt 68 Schüler wiedersehen, vergeht aber auch nicht mehr allzu viel Zeit, sagt sie. „Im Januar ist London dran, der Abschluss findet dann im März oder April in Spanien statt.“ Dazwischen ist Riesa an der Reihe.

 „Wir sind gerade dabei, die Woche für die Schüler zu planen.“ Die Heisenberg-Schüler haben es in der Hinsicht vermutlich etwas schwerer: Verglichen mit der 160.000-Einwohner-Stadt Larisa sei Riesa winzig, sagt Marc Kynast. Kreativität ist gefragt, um dem Besuch trotzdem etwas zu bieten.

Mehr zum Projekt gibt es hier und auf der Seite des Gymnasiums

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