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Riesaer Notfallchirurg rüstet auf

Die Röntgentechnik in der früheren Stahlwerks-Poliklinik funktioniert jetzt deutlich schneller. Dafür musste aber zunächst eine Decke verstärkt werden.

Dr. Torsten Dietrich freut sich über eine neu ausgestattete Praxis in Gröba. Eigentümer ist das Unternehmen Helios, bei dem der Chirurg angestellt ist.
Dr. Torsten Dietrich freut sich über eine neu ausgestattete Praxis in Gröba. Eigentümer ist das Unternehmen Helios, bei dem der Chirurg angestellt ist. © Sebastian Schultz

Riesa. Auf dem Weg zur Arbeit umgeknickt? Als Handwerker die Finger eingeklemmt? Oder als Schüler im Sportunterricht die Schulter verstaucht? Es gibt 1.000 unschöne Möglichkeiten, zum Fall für die Berufsgenossenschaft zu werden. Dr. Torsten Dietrich kennt unzählige davon: Der 52-Jährige ist nicht nur Facharzt für Chirurgie, Spezielle Unfallchirurgie und Notfallmedizin, sondern auch sogenannter D-Arzt: Durchgangsärzte sind besonders qualifizierte Mediziner, die im Auftrag von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen tätig sind.

Deshalb landen Angestellte, die einen Arbeitsunfall hinter sich haben, sehr regelmäßig in der Praxis im Ärztehaus Am Kutzschenstein, das manch Riesaer noch als Betriebspoliklinik des Stahlwerks kennt. Während einige Details im Gebäude noch an vergangene Jahrzehnte erinnern, hat Chirurg Dietrich jetzt gleich eine ganze Reihe neu ausgestatteter Räume zur Verfügung. Sein Arbeitgeber, das Unternehmen Helios, hat am Standort Riesa mehr als 130.000 Euro investiert, um die als Zweigstelle des Helios-MVZ in Rochlitz zählende Praxis auf den aktuellen Stand zu bringen.

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Das Ärztehaus "Am Kutzschenstein" in Gröba. Dort war früher die Betriebspoliklinik des VEB Rohrkombinat Stahl- und Walzwerk Riesa untergebracht.
Das Ärztehaus "Am Kutzschenstein" in Gröba. Dort war früher die Betriebspoliklinik des VEB Rohrkombinat Stahl- und Walzwerk Riesa untergebracht. © Sebastian Schultz

Da gibt es nun mehrere neu ausgestattete und umgebaute Räume: zwei Behandlungszimmer, zwei OP-Säle, einen Aufwachraum mit orangefarbenen Rollos. Nachgerüstet werden musste Verschattungstechnik an den Fenstern: Moderne Monitore messen die Helligkeit im Raum - und zeigen die Röntgenbilder erst dann an, wenn die Lichtverhältnisse im Raum der Norm entsprechen, um die digitalen Bilder einwandfrei beurteilen zu können. Der größte Stolz aber ist für den gebürtigen Döbelner der Raum mit der neuen Röntgentechnik.

Die Anlage erfüllt die neuesten Anforderungen der Berufsgenossenschaften und ist - so Dietrich - "topmodern". Gleichzeitig ist sie aber offenbar kein Leichtgewicht. Beim Einbau tauchten statische Probleme auf. Eine Probebohrung hatte zwar noch auf einen tragfähigen Boden hingedeutet. Als es ernst wurde, landete ein Bohrer dann aber doch überraschend in einem Hohlraum. "Der musste mit Beton aufgefüllt werden", sagt Dr. Dietrich. "Und anschließend musste man in der Praxis unter uns noch eine Stahlplatte an die Decke schrauben." Die Handwerker hätten die Zusatz-Arbeit aber mitten in der Corona-Krise zügig hinbekommen.

Einer der neu ausgebauten OP-Räume.
Einer der neu ausgebauten OP-Räume. © Sebastian Schultz

Nun aber können Torsten Dietrich und seine vier Schwestern mit der vollautomatischen Technik arbeiten. Montags leitet statt Dietrich der Fuß-Spezialist Peter Lorenz die Praxis. Denn montags ist Dietrich, der schichtweise auch noch im Rettungsdienst und im Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst tätig ist, als Oberarzt im Helios-Klinikum Leisnig tätig.

Seit 2018 gehört die Chirurgie-Praxis zum Unternehmen Helios, das hier in der Region Krankenhäuser etwa in Leisnig, Freital, Dippoldiswalde, Leipzig betreibt. Das Unternehmen hatte die altershalber zum Verkauf stehende Praxis von Vorgänger Ulrich Fickert übernommen. "Dass Helios in ein neues Gerät investiert, war für mich entscheidend, die Praxis zu übernehmen", sagt Torsten Dietrich, der beim Gesundheitskonzern angestellt ist. 

Die alte Röntgentechnik stammte aus der Nachwendezeit. Da galt es noch, eine Platte drunter zu schieben, später den Kasten wieder auszunehmen, ins Entwicklungsgerät mit Säuren und anderen Chemikalien zu geben, bis dort ein klassisch entwickeltes Bild raus kam. "Jetzt geht es auf Knopfdruck digital - und deutlich schneller." 

Das Team von Dr. Torsten Dietrich.
Das Team von Dr. Torsten Dietrich. © Sebastian Schultz

Das Gerät tauge nicht nur für die nächsten fünf, sechs Jahre, sondern weit darüber hinaus. Am häufigsten wird es erfahrungsgemäß kaputte Handgelenke röntgen, dahinter in wechselnder Reihenfolge Schultern, Knie, Sprunggelenke. Die Patienten kommen nicht nur aus Riesa, sondern auch aus dem Raum Döbeln, Oschatz, Südbrandenburg, Richtung Großenhain, Meißen und Freiberg.

Das Ziel des Chefs ist, dass die Patienten nicht länger als 20 Minuten bei ihm im Wartezimmer sitzen. "Das klappt noch nicht immer, aber schon recht häufig", sagt Dietrich, der schon in seiner Heimatstadt Döbeln und in Oschatz als Chirurg gearbeitet hatte, bevor in zwei Leipziger Krankenhäusern weitere Facharzt-Abschlüsse machte.  Häufig geht es um Arbeits- oder Wegeunfälle, Patienten können aber auch ohne Überweisung zu ihm kommen, sagt der 52-Jährige. "Aber der Gesetzgeber sieht es lieber, wenn die Patienten vorher ihren Hausarzt aufsuchen."

Ganz neu: der Aufwachraum für Patienten, die eine ambulante OP hinter sich haben.
Ganz neu: der Aufwachraum für Patienten, die eine ambulante OP hinter sich haben. © Sebastian Schultz

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