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Riesaer Schwimmer holt Gold und Bronze

75 Sportler mit Handicap kämpfen am Sonnabend bei den Special Olympics um Medaillen.

Von Sebastian Schultz

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Noch ist das Wasser glatt wie ein windstiller See, und das Hallendach spiegelt sich in der Oberfläche. Am Beckenrand steht der 24-jährige Stephan Kampe, einer der Sportler aus Riesa, der heute um eine Medaille kämpft. Um seine Hüften hat er ein Handtuch geschlungen. Darauf sind zwei Pferde zu sehen, die an einem Strand entlang galoppieren. „Das ist mein Glückshandtuch“, erklärt er schmunzelnd, „das ist bei jedem Wettkampf mit dabei.“

Im Riesaer Hallenschwimmbad fand am Samstag ein nicht ganz alltäglicher Wettbewerb statt: Das 25-Meter-Becken war Austragungsort der Special Olympics im Schwimmen mit 75 Startern aus Sachsen und Baden-Württemberg. Darunter auch drei Riesaer Mannschaften – von der Förderschule „Lichtblick“, vom Lebenshilfe e.V. und der Trainingsgruppe des Sportclub Riesa. Organisiert werden diese Wettbewerbe vom Verein Special Olympics Deutschland in Sachsen e.V. aus Dresden. Das Ziel ist es, Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung die Gelegenheit zu bieten, im sportlichen Wettbewerb anzutreten. Dabei geht es weniger um Konkurrenz und Leistungskampf, sondern vielmehr um ein sportliches Miteinander. Jürgen Zenker, Vorstandsmitglied des Vereins, betont: „Bei uns gibt es keine Verlierer. Jeder ist ein Gewinner.“

Um diese Wettbewerbe zu veranstalten, benötigt der Verein Strukturen vor Ort. Bereits seit 2006 findet deshalb eine intensive Zusammenarbeit mit der Sektion Schwimmen des Sportclub Riesa statt. Unter anderem stellt der SC die Halle, organisiert die Verpflegung der Sportler und stellt etliche ehrenamtliche Helfer. Und der SC beteiligt sich eben auch mit einer eigenen Schwimmgruppe am Wettbewerb. Mittendrin ist Stephan Kampe.

Aufgrund einer Lernbehinderung lernte er an der Förderschule „An der Goethestraße“, jetzt arbeitet er in der Werkstatt des Lebenshilfe e.V., wo er in der Holzabteilung seine handwerklichen Fertigkeiten anwenden kann. Alles ganz normal, findet Stephan Kampe, der sowieso nicht gern über sein Handicap spricht. Und wenn er in seiner Freizeit nicht im Wohnheim Musik hört oder sich ausruht, findet man den aktiven Sportler auf dem Fußballplatz oder beim Schwimmen.

Seit vier Jahren trainiert Stephan Kampe jetzt im SC Riesa. „Durch das regelmäßige Training gelingt es mir, immer besser zu werden“, erklärt Kampe seine Motivation. Besonders gut ist er in den Disziplinen Freistil und Brustschwimmen. Nur mit Rückenschwimmen kann er sich gar nicht anfreunden und hat dafür auch eine gute Begründung: „Da sieht man doch gar nicht, wo man hinschwimmt.“

Die Teilnahme an Schwimmwettbewerben ist für Kampe sehr wichtig. „Das gibt mir die Möglichkeit zu zeigen, was ich kann und was wir beim Training alles gelernt haben“, erklärt er. So war Kampe zum Beispiel beim Landeswettbewerb in Chemnitz mit dabei. „Aber hier in Riesa für meine Heimatstadt anzutreten, ist schon etwas ganz besonderes.“ Vor allem, da der Wettkampf gleichzeitig ein Anerkennungswettbewerb ist und Kampes Ticket zu nationalen Sommerspielen in Hannover sein kann.

Allein deshalb hätte sich das Talent etwas mehr Publikum gewünscht. „Dann könnten die Leute mal sehen, wie sehr wir hier kämpfen“, findet er. Mehr als 80 Zuschauer werden es an diesem Samstag aber nicht, auch seine Eltern und Geschwister haben keine Zeit, um zuzuschauen.

Bereits am Vormittag finden die Klassifizierungsläufe statt. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus der Sportler gibt es mehrere Leistungsklassen. Stephan Kampe qualifiziert sich für die zweite und dritte Leistungsklasse, er rechnet fest mit einem Medaillenplatz. „Eine Goldmedaille sollte schon drin sein“, sagt er selbstbewusst. Aber bereits mit dem ersten Finallauf im 50-Meter-Freistil merkt er, dass es schwierig ist. Der Start ist mit einem etwas verunglückten Kopfsprung nicht optimal. Doch Kampe kann aufholen und sichert sich immerhin Bronze.

Auch der zweite Lauf im 50-Meter-Brustschwimmen bringt nicht den erhofften Erfolg. Ein vierter Platz muss genügen. Die Enttäuschung steht Kampe ins Gesicht geschrieben. „Wahrscheinlich habe ich mich schon zu den Qualifizierungsläufen am Vormittag zu sehr verausgabt“, erklärt er und legt nun seine ganze Hoffnung in den Staffellauf. Nach einer kurzen Verschnaufpause ruft er seine drei Staffelkollegen zu sich. Arm in Arm bilden sie einen kleinen Kreis. „Wir werden jetzt noch mal alles geben“, spricht Kampe sich und seinem Team Mut zu, „wir wollen gewinnen und unsere Mannschaft glücklich machen.“

Ob es an diesen Worten liegt oder die Sportler doch noch letzte Kraftreserven aktivieren konnten: Die Staffel des SC ist jedenfalls vom Start weg nicht aufzuhalten. „Jetzt hat’s geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Kampe stolz nach dem Zieleinlauf. Und bei der Siegerehrung auf dem obersten Treppchen zu stehen, zaubert doch noch ein überglückliches Lächeln in sein Gesicht.

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