merken
PLUS

Riesa

Riesaer Totenkrone wird untersucht

Noch immer sind Archäologen am Rathausplatz aktiv. Neben Skeletten und Grüften sind sie dabei auf einen besonderen Grabschmuck gestoßen.

Diese Totenkrone aus dem Barock – 16. bis Mitte 18. Jahrhundert – ist im Stadtmuseum Riesa zu sehen. Eine Ähnliche wurde nun auch bei Ausgrabungen am Rathausplatz gefunden.
Diese Totenkrone aus dem Barock – 16. bis Mitte 18. Jahrhundert – ist im Stadtmuseum Riesa zu sehen. Eine Ähnliche wurde nun auch bei Ausgrabungen am Rathausplatz gefunden. © Stadtmuseum Riesa

Riesaer. Bei den Ausgrabungen der Archäologen im Rahmen der Bauarbeiten am Riesaer Rathausplatz wurde jetzt ein besonderer Fund gemacht: In einer der Grüfte fand sich eine sogenannte Totenkrone, sagte der Sprecher des Landesamtes für Archäologie Christoph Heiermann. „Der vorliegende Fund datiert in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts“, so der Experte. Weitere Details würde es erst mit der Reinigung und Restaurierung der Totenkrone geben. Zurzeit liege sie gut verpackt im Landesamt in Dresden.

Die Sitte, Tote mit Kronen zu schmücken, kam bereits im 16. Jahrhundert auf und war bis in das 20. Jahrhundert zu beobachten, erklärt Christoph Heiermann. Meist wurde sie früh Verstorbenen mitgegeben, Unverheirateten und häufig Frauen. „Aber auch Männer konnten so ausgestattet werden. Sie wurden mit einer Krone analog zur Hochzeitskrone geschmückt, da man sich nach dem Tode eine Hochzeit im Himmel, im Jenseits, ausmalte.“

Anzeige
Es spricht nichts mehr gegen Strandurlaub
Es spricht nichts mehr gegen Strandurlaub

Die DOMOS-Apotheke sorgt mit guten und derzeit besonders günstigen Sonnenschutzmitteln für einen gefahrlose Urlaubszeit am Strand.

Die Kronen konnten sehr aufwendig und kompliziert aus versilbertem oder vergoldetem Draht sein, geschmückt mit echten oder künstlichen Blümchen, Früchten, Gewürzen und Perlen. Familienangehörige, Verwandte und Freunde stifteten solche Kronen, weshalb sich manchmal mehr als eine im Grab findet. „Die Kirche sah diese teure Opulenz nicht gerne und versuchte, sie einzuschränken“, sagt Christoph Heiermann.

Mehrere Exemplare im Museum

In späteren Jahrhunderten stellten die Kirchen solche Krönchen deshalb selbst für die Aufbahrung zur Verfügung. Dann konnte man sie wiederverwenden und musste keine neue für viel Geld herstellen lassen. Die Totenkronen wurden dann sogar sichtbar in der Kirche aufbewahrt.

Wer Interesse daran hat, sich eine solche Totenkrone einmal von Nahem anzusehen, kann dies im Riesaer Stadtmuseum tun. Dort sind gleich mehrere ausgestellt, sagt Museumsleiterin Marita Prätzel.

Ob auch der jüngst gefundene Grabschmuck einmal in Riesa ausgestellt wird, ist noch unklar. Vielleicht kommen außerdem noch einige Funde dazu. Die Archäologen sind voraussichtlich noch bis Ende Juni am Rathausplatz tätig. Bislang haben sie dort insgesamt mehr als 150, teils unvollständige Skelette sowie mehrere Grüfte gefunden.

Mehr zum Thema Riesa