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Prozess um Vergewaltigung endet abrupt

Ein junger Riesaer soll seine damalige Freundin zum Analsex gezwungen haben. Doch vor Gericht sieht die Sache ganz anders aus.

Am Amtsgericht in Riesa ging jetzt ein Prozess gegen einen 18-Jährigen zu Ende, der wegen Vergewaltigung angeklagt war.
Am Amtsgericht in Riesa ging jetzt ein Prozess gegen einen 18-Jährigen zu Ende, der wegen Vergewaltigung angeklagt war. © Sebastian Schultz

Riesa. Das Verfahren gegen einen 18-jährigen Riesaer wegen Vergewaltigung ist eingestellt worden. Das hat der Vorsitzende Richter des Jugendschöffengerichts Herbert Zapf auf Anfrage am Montag mitgeteilt. 

Dem jungen Mann war vorgeworfen worden, seine damalige Freundin Anfang 2020 gegen ihren Willen zum Analsex gezwungen zu haben. Er selbst bestritt die Vorwürfe. Die Frau habe dem Analverkehr zunächst zugestimmt. Als sie sagte, dass sie Schmerzen habe, habe er von ihr abgelassen, so die Version des 18-Jährigen. 

Am zweiten Verhandlungstag schließlich seien die Zeugenaussagen so diametral ausgefallen, wie er das bisher selten erlebt habe, sagt Richter Herbert Zapf. Zwar bestand die junge Frau weiterhin darauf, gegen ihren Willen zu den sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Teile ihrer Aussage widersprachen aber offenbar denen von anderen Zeugen. Wenig plausibel erschien auch, dass die Frau noch am Abend der mutmaßlichen Vergewaltigung Sex mit zwei anderen Männern gehabt habe. 

So gegensätzliche Zeugenaussagen wie in diesem Prozess habe er bisher selten erlebt, sagt Richter Herbert Zapf.
So gegensätzliche Zeugenaussagen wie in diesem Prozess habe er bisher selten erlebt, sagt Richter Herbert Zapf. © Archivfoto/ Sebastian Schultz

Womöglich wäre der Prozess gegen den 18-Jährigen angesichts der widersprüchlichen Aussagen auch mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Alle Seiten waren aber offenbar daran interessiert, die Sache zu Ende zu führen, statt den Prozess weiter auszufechten und durch eine aufwendigere Beweisaufnahme noch in die Länge zu ziehen. Letztendlich stimmten Verteidiger Claus Kobold und der Vertreter der Nebenklage zu, das Verfahren gegen eine Zahlung von 1.500 Euro Schmerzensgeld einzustellen. 

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