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Riesaer wegen Vergewaltigung vor Gericht

Ein 18-Jähriger soll seine damalige Freundin zum Analverkehr gezwungen haben. Das Gericht stellt der Fall vor eine schwere Frage.

Ein 18-Jähriger aus Riesa ist derzeit wegen Vergewaltigung angeklagt. Der junge Mann bestreitet die Tat.
Ein 18-Jähriger aus Riesa ist derzeit wegen Vergewaltigung angeklagt. Der junge Mann bestreitet die Tat. © Sebastian Schultz

Riesa. Wegen Vergewaltigung muss sich derzeit ein 18 Jahre alter Riesaer vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Dem jungen Mann wird vorgeworfen, seine damalige Freundin im Januar 2020 gegen ihren Willem zum Analverkehr gezwungen zu haben. Erst nach mehrmaliger Aufforderung soll er von ihr abgelassen haben. 

Zur ersten Verhandlung bestreitet der junge Riesaer den Vorwurf. Die ein Jahr ältere Frau und er seien damals bereits einige Wochen zusammen gewesen. "Wir waren in dieser Zeit auch schon mehrfach intim miteinander", erklärt er in der Verhandlung. "Da war immer alles in Ordnung." Auch Analsex habe es zuvor schon einmal gegeben, damals habe die Frau aber Schmerzen gehabt und sie hätten nach kurzer Zeit aufgehört. 

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Am besagten Tag hatte das Paar tatsächlich Sex. "Ich habe sie dann auch gefragt, ob sie es noch einmal anal probieren will." Die Frau habe zunächst eingewilligt, nach kurzer Zeit aber gesagt, sie habe Schmerzen. Auf die Aufforderung hin habe er auch aufgehört, so der Angeklagte. "Das waren vielleicht 30 Sekunden."Dass etwas nicht in Ordnung gewesen sei, habe er nicht mitbekommen. 

Trennung am selben Nachmittag

Kurios: Noch am selben Nachmittag trennen sich die beiden - aber nicht wegen des nun angeklagten Vorfalls. Die junge Frau habe ihm gestanden, mit einem gemeinsamen Freund des Paares fremdzugehen. So etwas sei schon einmal passiert. "Wir waren deshalb auch schon zwischendrin getrennt", erzählt der 18-Jährige.

Zur Polizei geht die Frau erst zwei Tage später. Dort schildert sie den Vorfall anders als der Angeklagte. In ihrer Version der Geschichte hat sie deutlich öfter und nachdrücklicher ihr "Nein" zu verstehen gegeben. Das Jugendschöffengericht um den Vorsitzenden Herbert Zapf steht damit nun vor der schwierigen Frage: Welche Version ist die Glaubhaftere? Weitere Zeugen gibt es nicht. Mehrere Kurznachrichten über WhatsApp belegen zumindest, dass die Geschädigte den Vorfall noch am Tatabend thematisiert hat. 

Anwalt weist auf Widersprüche hin

Der Angeklagte und Verteidiger Claus Kobold weisen noch auf einen weiteren Widerspruch hin, der sich im Rahmen der Beweisaufnahme ergibt. Noch in der Nacht nach der mutmaßlichen Vergewaltigung soll die Geschädigte mit einem anderen Mann Sex gehabt haben. Der hatte sich später selbst bei der Polizei gemeldet. "Wer macht so etwas, nachdem sie angeblich vergewaltigt wurde?", fragt der Angeklagte. "Das passt doch nicht zusammen!" Rechtsanwalt Kobold stellt die Frage in den Raum, warum die Frau nicht noch einmal vernommen wurde, nachdem das bekannt wurde. Bei der ersten Vernehmung hatte die 20-Jährige dazu keine Aussagen gemacht. 

Für etwas mehr Klarheit in dem Prozess könnten die Angaben der jungen Frau vor dem Gericht sorgen. Am ersten Verhandlungstag hatte sie kurzfristig erklärt, sie sei nicht in der Lage, am Prozess teilzunehmen. Ihre Zeugenaussage soll nun Ende August nachgeholt werden. Dann dürfte am Amtsgericht in Riesa auch das Urteil fallen. 

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