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Riesas Chorlegende wird 90

Jahrzehntelang prägte Karl Haffner die Orchester- und Chorszene in Riesa. Dabei wollte er ursprünglich nur ein paar Jahre in der Stadt bleiben.

Mehr als 50 Jahre lang leitete Karl Haffner (r.) verschiedenste Chöre in Riesa und Umgebung. Zu seinem 90. Geburtstag gratulierte ihm der Konzertchor um Jürgen Becker (M.) mit einem kleinen Konzert.
Mehr als 50 Jahre lang leitete Karl Haffner (r.) verschiedenste Chöre in Riesa und Umgebung. Zu seinem 90. Geburtstag gratulierte ihm der Konzertchor um Jürgen Becker (M.) mit einem kleinen Konzert. © Sebastian Schultz

Riesa. Als der Chor das letzte Lied anstimmt, hält Karl Haffner nichts mehr auf der Sitzbank vor seinem Haus in Riesa. Leicht gestützt auf den Gehstock, marschiert er schnurstracks in Richtung der Singenden, lässt sich ein Gläschen Sekt reichen, und stimmt selbst mit in Viva la Musica ein. 

Die Musikeinlage am Vormittag des 25.Juni wird wahrscheinlich nicht die letzte zu Karl Haffners 90. Geburtstag bleiben, vermutet seine Frau. Der Konzertchor ist schließlich nicht der einzige, den er jahrzehntelang geleitet hat. Jeder, der auch nur ein wenig Interesse für die Musik-Szene in der Region hat, kennt seinen Namen. 

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In den 1950er-Jahren kam Karl Haffner nach Riesa, wurde auf Betreiben Herbert Risses Leiter des Volkskunstensembles "Joliot Curie". Der Konzertchor ist einer der Nachfolger des Ensembles.
In den 1950er-Jahren kam Karl Haffner nach Riesa, wurde auf Betreiben Herbert Risses Leiter des Volkskunstensembles "Joliot Curie". Der Konzertchor ist einer der Nachfolger des Ensembles. © Sebastian Schultz

"Ein, zwei Jahre hältst du's in Riesa aus"

Karl Haffner sei ein "kulturelles Unikum", sagt CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen. Er habe mit seiner freundschaftlichen Art über Jahre die Truppen zusammengehalten, sich viel engagiert. "Wo man ihn auch brauchte, er war da." Kein Wunder also, dass sich manch bekanntes Gesicht aus der Stadt sehen lässt, bis hin zum Oberbürgermeister. 

Dabei hatte der langjährige Chorleiter ursprünglich gar nicht vor, so lange in der Stahlstadt zu bleiben. Er studierte in den 1950er-Jahren gerade in Halle an der Musikhochschule, als er vom Anfang des Jahres verstorbenen Herbert Risse gefragt wurde, ob er nicht das Volkskunstensemble leiten könne.

 "Ich dachte mir: Ein, zwei Jahre hältst du's aus." Dann habe er einen Freund in Halle erst einmal gefragt, wo denn eigentlich Riesa liegt. "Der sagte, Riesa liegt an der Elbe. Und ich müsste aufpassen, auf welcher Seite ich stehe." Denn auf dem gegenüberliegenden Ufer sei schon Westsibirien. Mit diesem Spruch neckt Karl Haffner noch heute manche Freunde, erzählt er und grinst. Den trockenen Humor hat er sich behalten, viele Gratulanten begrüßt er mit einem Spruch auf den Lippen. 

Neben dem Ensemble Joliot Curie, aus dem später der Konzertchor hervorging, leitete Karl Haffner 29 Jahre lang den Universitätschor in Dresden. "Das war eine schöne Zeit für mich", erzählt der im heutigen Rumänien geborene Sohn eines Handwerkers und einer Lehrerin. Später übernahm Haffner außerdem die Riesaer Singegemeinschaft und einen Chor in Jacobsthal. 

Da stand Haffner noch selbst vor dem Orchester: Auftritt mit dem Volkskunstensemble "Joliot Curie" auf dem Rathausplatz in Riesa. Die Aufnahme entstand Anfang der 1960er-Jahre.
Da stand Haffner noch selbst vor dem Orchester: Auftritt mit dem Volkskunstensemble "Joliot Curie" auf dem Rathausplatz in Riesa. Die Aufnahme entstand Anfang der 1960er-Jahre. © Stadtmuseum Riesa

Der Sohn leitet zwei Chöre

Bis 2009, also mehr als 50 Jahre lang, war Karl Haffner Leiter des heutigen Konzertchors. "Besonders habe ich mich gefreut, dass ich jeden von euch erkenne - mit Name!", sagt der 90-Jährige nach dem Chorkonzert und lächelt verschmitzt. Den Takt in Riesas Gesangsszene gibt Karl Haffner heute nicht mehr an.

 "Aber ich höre natürlich gern Musik", sagt er. Für moderne Lieder habe er keinen Nerv, gesteht er. Auch, weil da für seinen Geschmack zu oft englisch gesungen wird. Aber es gibt ja CD-Spieler. Da laufe dann viel Klassik oder Romantik. Beethoven, Brahms, Schubert. 

Die Begeisterung für Musik und Gesang hat er offenbar auch in der Familie weitergegeben. Seine beiden Kinder arbeiten als Lehrer, die Tochter in Dresden, der Sohn in Leipzig. "Er leitet dort derzeit auch zwei Chöre", sagt er. 

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