merken
PLUS

Riesas Fluthelden geehrt

Auf Initiative der SZ Riesa sind drei Bochumer Polizisten vom Land Sachsen als Lebensretter ausgezeichnet worden.

Von Jens Ostrowski und Antje Steglich

Maike Schiffels hat zu Hause im Ruhrgebiet einen Karton, der die Erinnerungen an ihren Fluteinsatz in Riesa vor einem halben Jahr dokumentiert. Radiomitschnitte, Zeitungsartikel und sogar Fernsehaufnahmen sind über sie und ihre Kollegen von der Bochumer Bereitschaftspolizei darin zu finden. „Wenn man in diese Kiste schaut, wird einem erst mal bewusst, was wir erlebt haben“, sagt die 27-jährige Polizeikommissarin. Und wie gefährlich ihr selbstloser Einsatz am 11. Juni war. Denn damals springt Maike Schiffels mit ihren Kollegen Sarah Lücke und André Siegert in die Elbe, um einen 81-jährigen Mann aus dem zu dieser Zeit reißenden Strom zu retten. Für ihre Heldentat wurden sie gestern auf Vorschlag der SZ-Lokalredaktion Riesa von Sachsens Innenminister Markus Ulbig mit dem Lebensrettungsehrenzeichen ausgezeichnet.

Anzeige
Coole Typen gesucht: Servieren in Döbeln!
Coole Typen gesucht: Servieren in Döbeln!

Hier hat Kreativität Tradition! Seit 1903 überrascht der Bürgergarten in Döbeln mit spannenden Ideen in der Küche und bei Feiern! Komm ins Team: als Servicekraft!

© Wolfgang Wittchen

„Damals waren wir auf dem Weg zur Elbebrücke, über die die Bundesstraße führt“, erinnert sich die 30-jährige Sarah Lücke. „Schon von Weitem haben wir aufgrund der Unruhe unter den Kollegen gemerkt, dass da irgendetwas nicht stimmt.“ Noch im Auto werden die Polizeibeamten über Funk zum Elbufer nahe der Bahnbrücke gelotst. „Es hieß, es treibe ein hilfloser Mensch in der Elbe.“ Sofort ziehen sich die drei Bochumer Beamten bis auf die Unterwäsche aus und springen ins 12 Grad kalte Wasser – ohne zu wissen, welche Gefahren unter Wasser lauern. Denn die Elbe steht weit über ihrem Flussbett und bedeckt Verkehrsschilder, die beim Sprung ins Wasser zu gefährlichen Hindernissen werden können. Zehn Minuten dauert damals der Kampf gegen die Fluten und um das Leben des Rentners. Die Lebensretter holen sich Schrammen an den Beinen, doch wirklich verletzt wird bei der Rettungsaktion niemand. Die Bochumer Polizisten sind die Helden von Riesa. Dabei hätte es auch anders ausgehen können. „Er ist glücklicherweise links vom Brückenpfeiler, nahe des Ufers, getrieben. Sonst hätten wir es nicht geschafft“, sagte Polizeikommissar André Siegert kurze Zeit später. Er konnte aus privaten Gründen gestern an der Auszeichnung nicht teilnehmen.

Dafür ehrte Innenminister Markus Ulbig (CDU) persönlich seine beiden Kolleginnen. Er lobte das große Engagement und den tatkräftigen Einsatz ohne Rücksicht auf Verluste. Und von einer guten Werbung für den Polizeiberuf. Als Dank gab es neben Urkunde und Medaille auch noch etwas speziell Sächsisches: ein Räuchermännchen in Polizeiuniform. Diese Idee, sagte Ulbig, hätten zwei Mitarbeiterinnen aus seinem Stab vom Weihnachtsmarkt mitgebracht. Mit dicken Bauch, festem Schnäuzer und – wie die beiden sympathischen Beamtinnen aus NRW auch – einem Stern auf den Schulterklappen.

Maike Schiffels und Sarah Lücke zeigten sich bei der Auszeichnung sehr zurückhaltend, sprachen davon, sie würden in vergleichbarer Situation wieder so handeln – und betonten, dass es nicht nur ihre Leistung gewesen sei, dass der Mann überlebte. „Unsere Kollegen haben uns tatkräftig unterstützt. Sie haben uns erst an den Ort des Geschehens gelotst und anschließend geholfen, ihn an Land zu ziehen. Das hätten wir aus eigener Kraft nicht geschafft.“ Und auch für die Riesaer Beamten hatten die Beiden lobende Worte: „Die waren ganz schnell da und haben uns mit Decken und allem versorgt, was wir brauchten.“

Nach zwei Tagen Dresden sind die beiden Frauen heute schon wieder im Einsatz bei der Bochumer Bereitschaftspolizei.