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Riesa

Riesas Händler lassen sich was einfallen

Am Mittwoch waren die meisten Geschäfte noch geöffnet. Ab Donnerstag bieten viele Extra-Dienstleistungen an.

Tierbedarf bleibt erlaubt: Fachgeschäfte wie der Fressnapf in Riesa dürfen weiter geöffnet bleiben. Die Mitarbeiterinnen Andrea Gnade (l.) und Julia Saytos freut es. In anderen Riesaer Geschäften droht dagegen Kurzarbeit.
Tierbedarf bleibt erlaubt: Fachgeschäfte wie der Fressnapf in Riesa dürfen weiter geöffnet bleiben. Die Mitarbeiterinnen Andrea Gnade (l.) und Julia Saytos freut es. In anderen Riesaer Geschäften droht dagegen Kurzarbeit. © Lutz Weidler

Von Christian Kluge

Riesa. Bei den Einkaufsläden in der Pausitzer Delle sieht es am Mittwoch aus wie immer. „Wir sind Grundversorger und haben weiter ganz normal geöffnet“, sagt Fressnapf-Fachverkäuferin Andrea Gnade. „Ob wir auch am Sonntag öffnen sollen, das wissen wir noch nicht.“ 

Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Auch im Getränkemarkt nebenan geht das normale Leben erstmal weiter. „Aber ob wir weiter Lottoscheine annehmen können, wissen wir noch nicht“, sagt die dortige Mitarbeiterin. Denn eigentlich ist ab Donnerstag der Betrieb von Wettannahmestellen untersagt – laut Allgemeinverfügung des Freistaats.

Kurzarbeit droht

Wesentlich schwieriger gestaltet sich die Lage für Unternehmen, die komplett schließen müssen. Harald Czudaj, der mit Gerd Leopold die Olympia-Fitnesscenter in Riesa und Coswig betreibt, ist angefressen. 

„Wir müssen Kurzarbeitergeld für unsere 40 Mitarbeiter beantragen. Aber die Kosten gehen bei uns ja weiter. Normalerweise müsste sofort unsere monatliche Umsatzsteuer-Vorauszahlung gestoppt werden. Außerdem glaube ich nicht daran, dass ab 20. April wieder alles normal läuft.“ Der Ex-Olympiasieger im Viererbob rechnet auch mit einer baldigen Ausgangssperre.

Einer seiner Riesaer Konkurrenten, die Fitness Arena, hat schon seit 17. März „deutschlandweit den Betrieb in allen Studios bis auf Weiteres eingestellt“. So verkündet ein Aushang an der verschlossenen Eingangstür.

Schwierige Zeiten erwartet auch Annett Margenberg, die auf der Hauptstraße Mode verkauft. „Die Herbst- und Wintersaison war für uns schon schwierig, weil der Winter ausgefallen ist.“ Da gehen Pelzjacken eben nicht besonders gut. „Ich denke auch, die Steuerzahlungen sollten jetzt erst einmal ausgesetzt werden. Für meine zwei Mitarbeiter werde ich auch Kurzarbeitergeld beantragen.“

Kunden melden sich am Fenster

Gleich mehrere Unternehmer bieten als Alternative zu ihren geschlossenen Läden einen Telefonservice an. Geschäftsführerin Sylvia Donat vom Intersport-Laden: „Auch wenn unser Geschäft geschlossen ist, sind wir für unsere Kunden erreichbar. Schreibt uns eine Mail und wir liefern kostenfrei bis an die Haustür.“

Bei der Thalia-Buchhandlung bleiben ab Donnerstag die Türen auch geschlossen, aber: „Unsere Filiale ist an den normalen Öffnungszeiten besetzt und wir machen Telefondienst“, erklärt Filialleiter Denny Funke. 

„Unsere Kunden können bei uns natürlich auch per Email Bücher bestellen, die wir dann per Post zuschicken. In den letzten Tagen sind vor allem Kinder- und Jugendbücher gut verkauft worden.“ Was Funke auf die Tatsache zurückführt, dass nun zahlreiche Jugendliche zuhause sitzen.

Auf dem Riesaer Wochenmarkt war am Mittwoch von Extra-Hygiene-Abständen noch nichts zu bemerken.
Auf dem Riesaer Wochenmarkt war am Mittwoch von Extra-Hygiene-Abständen noch nichts zu bemerken. © Eric Weser

Wer im Sonnenklar-Reisebüro Riesa buchen möchte, muss auch zum Hörer greifen oder eine Mail schicken. „Leider geschlossen. Wir sind trotzdem für sie da.“ So steht es auf dem Zettel an der Eingangstür.

Das Telefon nutzt Uhrmachermeister Ekkehard Preuß nicht besonders viel. Er muss den Verkauf in seinem Fachgeschäft am Donnerstag einstellen und für seine Verkäuferin Kurzarbeitergeld beantragen. Als Handwerker hofft er allerdings darauf, wenigstens weiter Reparaturarbeiten durchführen zu können. „Die Kunden können sich dann bei mir am Werkstattfenster um die Ecke melden“, sagt Preuß. „Ich befürchte, bis hier jemand finanzielle Unterstützung vom Staat bekommt, sind viele schon weg vom Fenster. Und es wird sicher noch drastischere Einschnitte wie Ausgangssperren geben.“

Unsicherheit über Meisterschaft

Im Riesaer Hallenschwimmbad sind derweil wichtige Reinigungsarbeiten angesagt, bevor im Mai – wenn alles gut läuft – wieder das Freibad in Weida seine Pforten öffnet. „Die Wasseraufbereitung geht derzeit noch ganz normal weiter“, sagt Nicole Zimmermann von der Betreibergesellschaft Magnet. Zumal im Mai theoretisch noch ein großer sportlicher Höhepunkt in Riesa ansteht. Zimmermann: „Vom 8. bis 10. Mai sollen bei uns eigentlich die Süddeutschen Meisterschaften ausgetragen werden.“ Bis Mittwochmittag ist noch keine Absage der Titelkämpfe in Riesa eingetrudelt, aber der DSV hat genau an diesem Tag alle seine überregionalen Meisterschaften bis zum 31. Mai ausgesetzt.

Lieferdienst statt Restaurantbesuch

Einschnitte gibt es auch in der Gastronomie. Das Restaurant Kreta am Rathausplatz muss zwar ab Donnerstag – wie alle anderen Restaurants auch – um 18 Uhr schließen. Es weiß sich aber zu helfen.

 „Wir bieten jetzt bis 21 Uhr für Riesa und seine Stadtteile eine Außer-Haus-Lieferung unserer gesamten Speisen an. Die Speisekarte steht auf unserer Homepage“, verkündet Geschäftsführer Nikos Tsoulfas. 

Bestellt werden kann per Telefon, die Lieferung erfolgt frei Haus. „Ansonsten ist der Wegfall des Abendgeschäftes für uns natürlich auch eine Katastrophe. Es kommt doch niemand morgens um acht Uhr zu uns zum Essen.“ Trotzdem hat Tsoulfas Verständnis für die Regelungen, sagt aber auch: „Das wird so manchen in den Ruin treiben. Auch bei uns sind ab jetzt fast alle Mitarbeiter in Kurzarbeit. Und wie lange wir das durchziehen können, wissen wir nicht.“

Umsatzausfall in Milliardenhöhe

Wie lange bleiben die Einschränkungen? Am Mittwoch findet sich dazu eine Information auf der Homepage des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Präsident Josef Sanktjohanser wird so zitiert: „Durch massive Umsatzausfälle werden tausende selbstständige Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen vernichtet.“ Die verfügten Geschäftsschließungen würden bundesweit zu einem Umsatzausfall von rund 1,15 Milliarden Euro pro Tag führen.

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Sanktjohanser: „Betroffen sind viele kleine Textileinzelhändler, Schuh- und Sportgeschäfte, Parfümerien, der Möbeleinzelhandel und Elektronikgeschäfte sowie Kauf- und Warenhäuser.“ Selbst Online-Handelsunternehmen würden durch Corona einen Umsatzrückgang von 20 bis 30 Prozent haben. Für zahlreiche Handelsunternehmen bedeute dies höchstwahrscheinlich die Insolvenz – wenn nicht unbürokratisch staatliche Hilfen in Form von direkten Zahlungen und KfW-Bürgschaften ohne Eigenbeteiligungen gewährt werden.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.