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Mehr Glas für Riesas Krankenhaus

Die Brandschutzvorschriften sind schärfer geworden. Das verlangt nach einem Umbau im Elblandklinikum.

Viel Glas, viel Licht: ein Blick in den Innenhof von Haus 5 des Riesaer Krankenhauses. Das wurde erst unlängst um eine Etage aufgestockt. Nun wird im Inneren eine Etage nach der nächsten neu gemacht.
Viel Glas, viel Licht: ein Blick in den Innenhof von Haus 5 des Riesaer Krankenhauses. Das wurde erst unlängst um eine Etage aufgestockt. Nun wird im Inneren eine Etage nach der nächsten neu gemacht. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Schon ein Blick auf die Fassade von Haus 5 des Elblandklinikums verrät es: Der Anbau an der rechten Seite des Hochhauses ist neueren Datums. Keine 20 Jahre ist das Gebäude alt, in dem unter anderem die Geburtenabteilung und die Palliativstation untergebracht sind. Und dennoch merkt man auch hier, wie sich die Zeiten ändern. Stand beim Bau 2003 noch das Prinzip Transparenz und Offenheit im Mittelpunkt, setzen die heutigen Bauvorschriften nun andere Schwerpunkte.

Und deshalb verschwinden nun auch die offenen Tresen, an denen sich Patienten und Pflegepersonal über den Tisch hinweg unterhalten können. Die alten Tresen müssen raus und durch neue ersetzt werden, die mit Glasscheiben für eine Abtrennung bis unter die Decke sorgen. Lediglich ein aufschiebbares Fenster bleibt noch frei.

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Alles offen: So wurden die Tresen beim Bau von Haus 5 im Jahr 2003 angelegt. Nach den neuen Brandvorschriften ist das aber nicht mehr ideal.
Alles offen: So wurden die Tresen beim Bau von Haus 5 im Jahr 2003 angelegt. Nach den neuen Brandvorschriften ist das aber nicht mehr ideal. © Klaus-Dieter Brühl
Hinter Glas: So sehen die frisch umgebauten Tresen aus. Immer, wenn eine Etage umgebaut wird, muss auch der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden.
Hinter Glas: So sehen die frisch umgebauten Tresen aus. Immer, wenn eine Etage umgebaut wird, muss auch der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden. © Klaus-Dieter Brühl
Patrick Spiegel ist jetzt hauptamtlich für den Brandschutz der Elblandkliniken zuständig - nicht nur in Riesa, sondern auch in Meißen und Radebeul.
Patrick Spiegel ist jetzt hauptamtlich für den Brandschutz der Elblandkliniken zuständig - nicht nur in Riesa, sondern auch in Meißen und Radebeul. © Klaus-Dieter Brühl

Man könnte es vermuten - aber die Abtrennung hat nichts mit möglichen Corona-Vorschriften zu tun: Dafür sind die aktuellsten Brandschutzvorschriften verantwortlich. "In dem Moment, wo wir an einer Station zu bauen anfangen, müssen wir auch den Brandschutz auf den aktuellsten Stand bringen", sagt Patrick Spiegel. Der Meißner ist seit Kurzem an den drei Standorten der Elbland-Kliniken als Vollzeitkraft für den Brandschutz zuständig.

Die Stelle wurde neu geschaffen - als Vorsorgemaßnahme, nicht etwa deshalb, weil es zu oft gebrannt hätte. Selbst altgediente Mitarbeiter können sich nicht an einen Brand im Riesaer Krankenhaus erinnern. Allenfalls an einen qualmenden Motor im Kellergeschoss. Patrick Spiegel möchte den Ernstfall im Klinikum auch lieber nicht erleben. "Ich habe mal einen Brandeinsatz in einem Pflegeheim mitgemacht, das reicht", sagt der Vizechef der Freiwilligen Feuerwehr Meißen.

Vorhang fährt automatisch herunter

Deshalb hat er bei den laufenden Umbauarbeiten nicht nur in Haus 5 ein Wort mitzureden. Offene Stationsbereiche mit Holzmöbeln, Aktenordnern, Papier-Ablagefächern - das soll nach den aktuellen Vorschriften alles baulich vom Flurbereich abgetrennt sein. Und auch die Café-artigen Aufenthaltsbereiche, die es auf einzelnen Ebenen noch gibt, müssen beim nächsten Umbau mit einem Brandschutzvorhang versehen werden, der im Fall des Falles automatisch herabfährt und den Teil vom Flur abtrennt.

Denn der gilt dann als Rettungsweg. Weshalb Patrick Spiegel genau schaut, wo frisch bezogene und mit Plastikfolie abgedeckte Patientenbetten zwischenzeitlich abgestellt werden. Und ob der Wagen mit den neuen Handtüchern nicht etwa in einer offenen Brandschutztür parkt. Denn die Türflügel werden nur mit Magneten an der Wand gehalten. Im Brandfall schalten die Magneten ab, so dass die Türen zufallen - und zusammen mit brandhemmenden Wänden dafür sorgen, dass sich ein mögliches Feuer nicht von einem Abschnitt des Krankenhauses auf den nächsten ausbreiten kann. So muss auch nicht gleich das ganze Krankenhaus im Brandfall evakuiert werden.

Frisch gemacht: Schwester Sandra in einem der neuen Patientenzimmer von Haus 5. Statt drei stehen nur noch zwei Betten in einem Zimmer der chirurgischen Abteilung. Weil es insgesamt etwas mehr Zimmer gibt, blieb die Zahl der Patientenbetten trotzdem fast
Frisch gemacht: Schwester Sandra in einem der neuen Patientenzimmer von Haus 5. Statt drei stehen nur noch zwei Betten in einem Zimmer der chirurgischen Abteilung. Weil es insgesamt etwas mehr Zimmer gibt, blieb die Zahl der Patientenbetten trotzdem fast © Klaus-Dieter Brühl

"90 Minuten halten diese Abtrennungen den Flammen stand", sagt der Brandschutz-Beauftragte. In der Zeit sollte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle haben. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, werden nach neuestem Standard nicht nur die Flure, sondern sämtliche Räume mit Rauchmeldern ausgestattet.

Die sind so sensibel, dass sie schon beim Rauch einer einzelnen Zigarette auslösen würden. Aber die ist im Krankenhaus ohnehin verboten. Ob Chefarzt, Pfleger oder Patient: Wer rauchen will, muss vor die Tür. So sieht es auch das sächsische Krankenhausgesetz vor, von der eigenen Hausordnung mal ganz abgesehen.

Während das quasi schon immer gilt, kommen aktuell noch die Corona-Vorschriften dazu, die im gesamten Gebäude einen Mund-Nasen-Schutz vorschreiben. "Die Ärzte und Mitarbeiter im OP-Bereich mussten das schon immer aushalten", sagt Verwaltungsdirektor Peter Zeidler. Derzeit gilt es eben für alle, die im Krankenhaus zu tun haben. Davon sei vielleicht nicht jeder begeistert - aber der Schutz der Gesundheit stehe eben im Mittelpunkt, so Zeidler.

Herdplatte entzündet Wischtuch

Und dazu gehört letztlich auch der Brandschutz. Dass trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch im Krankenhaus ein Brand auftreten kann, zeigt ein aktueller Polizeibericht aus Torgau: Dort rückten erst am vergangenen Sonntag Feuerwehr und Polizei in die obere Etage aus, weil dort eine Brandmeldeanlage ausgelöst hatte. Offenbar hatte eine 58-jährige Angestellte auf einer eingeschalteten Herdplatte ein Wischtuch liegen lassen, das Feuer fing. Zum Glück reichte es dort aus, die Etage zu belüften.

In Riesa soll Patrick Spiegel helfen, genau solche Vorfälle zu verhindern. Er ist deshalb nicht nur für Brandschutzübungen zuständig, sondern auch für die Belehrung von Mitarbeitern. "Beim Thema Brandschutz sehen wir uns durchaus als Vorreiter in der Kliniklandschaft", sagt Verwaltungsdirektor Peter Zeidler.

Die Patienten selbst werden davon im Regelfall gar nicht viel mitbekommen. Dafür aber ein anderes Ergebnis der Modernisierungsmaßnahmen: In der neu vorgerichteten Etage von Haus 5, wo jetzt die Chirurgie eingezogen ist, gibt es statt Dreibett- nur noch Zweibettzimmer. Und das Bad ist direkt vom Zimmer zu erreichen. Die Gänge sind breiter und durch die großen Fenster vom Licht durchflutet - kein Vergleich zum Hochhaus nebenan. Dort gehen unterdessen die Umbauarbeiten weiter. Sie werden in Riesa noch einige Jahre andauern.

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