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Riesas Mumien bekommen Ausstellung

Das Museum will die Geschichte der Klostergruft aufarbeiten. Dafür gab´s jetzt einen stattlichen Förderbetrag.

Die Mumien in der Gruft unter der Klosterkirche in Riesa wurden 2016 bis 2018 wissenschaftlich untersucht. Bald soll ihnen eine Sonderschau gewidmet werden.
Die Mumien in der Gruft unter der Klosterkirche in Riesa wurden 2016 bis 2018 wissenschaftlich untersucht. Bald soll ihnen eine Sonderschau gewidmet werden. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Aufwand war groß, als 2016 das erste Mal Wissenschaftler in die Gruft unter der Riesaer Klosterkirche hinabstiegen. Ehe es überhaupt richtig losgehen konnte, musste die Luft mikrobiologisch untersucht werden. Später wurden die Särge mit den mumifizierten Toten geröntgt, die Grabbeigaben untersucht. Bis 2018 waren die Forscher um die Anthropologin und Archäologin Amelie Alterauge in Riesa beschäftigt. 

Die umfangreiche wissenschaftliche Arbeit und Dokumentation hat das Stadtmuseum in Riesa jetzt zum Anlass genommen, eine Sonderausstellung zu planen. Am Montag wurde dafür schon einmal der finanzielle Grundstein gelegt: Sparkassen-Vorstand Rainer Schikatzki überreichte einen Scheck der Meißner Sparkassenstiftung an Museumsleiterin Maritta Prätzel. 

Ein außergewöhnliches Projekt sei das Ausstellungsvorhaben, sagt Schikatzki. Schon der Antrag sei mit 20 Seiten ungewöhnlich lang gewesen, da stecke viel Vorarbeit drin. Dazu komme noch, dass sich Museen eigentlich nie um die Förderung bewerben. Und zuguter Letzt ist auch die stolze Summe von 10.000 Euro vergleichsweise hoch. Weitere 5.000 Euro schießt die Stadt Riesa zu. 

Ungewöhnlich hohe Fördersumme

15.000 Euro insgesamt für eine Ausstellung - laut der Museums-Chefin ist das durchaus ein stattlicher Betrag. "Aber dieses Thema verdient es auch." Das sieht man auch in der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Riesa so. Michael Herold vom Kirchenvorstand erzählt, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen erst auf Umwegen zustande kamen. 

Es habe schon mehrere Anläufe gegeben, am Ende kam aber kein Projekt zustande. "Dann kam Frau Alterauge und sagte: Wenn man zu Mumien forscht, dann kommt man um Riesa eigentlich nicht herum." Ein Glücksfall sozusagen. 

Museums-Chefin Maritta Prätzel erklärt Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU, M.) und Sparkassenvorstand Rainer Schikatzki die Objekte aus der Klostergruft, die in der Dauerausstellung zu besichtigen sind.
Museums-Chefin Maritta Prätzel erklärt Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU, M.) und Sparkassenvorstand Rainer Schikatzki die Objekte aus der Klostergruft, die in der Dauerausstellung zu besichtigen sind. © Sebastian Schultz

Die Anthropologin hatte im SZ-Gespräch 2017 vor allem den Umstand hervorgehoben, dass die Gruft unter der Klosterkirche weit weniger gestört wurde, als das bei vielen anderen Gräbern der Fall ist. Nachdem Anfang 2019 bereits ein Beitrag zu den ersten Erkenntnissen in den Blättern zur Heimatgeschichte erschienen war, soll Alterauge nun auch an der Sonderausstellung mitwirken. 

Auch einen Vortrag könnte es geben. "Parallel soll während der Sonderausstellung die Gruft auch für Besucher zugänglich sein", kündigt Maritta Prätzel an. Denn die Mumien können natürlich nicht ins Museum umgebettet werden. Stattdessen wird es im Haus am Poppitzer Platz Informationen zu den Personen geben, die unter der Klosterkirche bestattet wurden, ebenso wie zur Entdeckungsgeschichte.

Besondere Kleidungsstücke

Die Ausstellungsstücke umfassen beispielsweise die Grabbeigaben. "Es gibt interessanten Goldschmuck und vieles andere." Auch die Röntgenbilder der Toten könnten dann zu sehen sein - und nicht zuletzt die Kleidung. Die hatte für besonderes Aufsehen bei den Restauratoren in Dresden gesorgt. 

"Sie sind eine große Besonderheit", sagt Maritta Prätzel. "Aus dem niederen Adel gibt es kaum so gut erhaltene Beispiele von Kleidung." Nicht zuletzt deshalb hätten die Dresdner die Kollegen aus Riesa ermuntert, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Bisher nämlich widmet das Stadtmuseum den Mumien nur einen kleinen Teil der Dauerausstellung. Dort ist etwa Kopfschmuck aus der Gruft zu betrachten und eine mumifizierte Ratte. 

Man habe auch inhaltlich noch so manche Überraschung für die Besucher in petto, verspricht die Museumschefin - und hofft, dass die Ausstellung auch über Riesa hinaus Beachtung findet.

 Mit dem Förderbescheid jedenfalls können sich die Mitarbeiter daran machen, die neue Schau zu realisieren. Bis November wird jetzt recherchiert, danach geht es an Details wie die Objektauswahl, den Gestaltungsplan und den Druck von Tafeln. Eröffnen soll die Ausstellung dann im Juni 2021. 

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