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Riesas OB hält digitale Sprechstunde

Per Videostream beantwortet Marco Müller Bürgerfragen. Es geht um Schulen, Vandalismus und eine Bewerbung für die Landesgartenschau.

Riesas OB Marco Müller (CDU) im Livechat bei Facebook.
Riesas OB Marco Müller (CDU) im Livechat bei Facebook. © Sreenshot: SZ

Riesa. Am Anfang bleibt der Oberbürgermeister erstmal stumm. Marco Müller (CDU) lächelt in die Kamera, die Hände liegen auf dem Tisch, am weißen Hemd steckt das Mikrofon, im Hintergrund steht das Stadtwappen - so begrüßt Riesas OB offensichtlich die Zuhörer im Livestream - nur: Die hören zunächst noch nichts. Ironischerweise ist der erste vollständige Satz, der ankommt ein "Wir hoffen, dass technisch auch alles klappt". Es dauert ein paar Minuten, ehe der Ton nicht mehr abbricht. 

Es ist eben eine Premiere, diese digitale Rathaus-Sprechstunde. Seit einigen Wochen schon ist die Stadtverwaltung aktiver auf Facebook, postet häufiger Bilder und Videos. Der Video-Livestream am Donnerstagnachmittag ist der logische nächste Schritt: Eine halbe Stunde lang will Müller Fragen der Riesaer beantworten. Die Idee ist nicht völlig neu. Spätestens im Zuge der Corona-Einschränkungen sind einige Gemeinden auf den Gedanken gekommen, die Sprechstunden oder Bürgerversammlungen digital abzuhalten.

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Keine Livestreams während des Wahlkampfs

In Riesa hingegen hatte Corona die Umsetzung erst verzögert, erklärt der OB nach der ersten Live-Schalte auf Nachfrage. "Wir wollten schon länger ein Format, mit dem wir auch die jüngeren Riesaer erreichen, die vielleicht klassische Medien nicht mehr so wahrnehmen." In die Bürgersprechstunde kämen tendenziell auch eher ältere Riesaer. Ziel sei es, zu erfahren, "wo der Schuh drückt" - aber auch: aufzuklären, was in der Stadt passiert und warum. Mit dem Oberbürgermeister-Wahlkampf, der 2021 ansteht, habe das nichts zu tun, sagt Müller. "Es wird einfach erklärt, was Stadtrat und Verwaltung machen." Man wolle "Aufklärung für die jungen Leute" betreiben, nichts weiter. Trotzdem stellt Müller in den Raum, man könne das Format aussetzen, wenn der Wahlkampf, "in die heiße Phase geht". 

Der Tonfall ist recht persönlich. Zur Sicherheit hatte die Stadtverwaltung schon im Vorfeld dazu aufgerufen, Fragen zu schicken. Die liest Müller in der ersten "Sendung" vom Blatt und antwortet dann. Nach etwa zehn Minuten trauen sich aber auch die ersten Zuschauer, Fragen zu stellen. Müller greift zum Smartphone und liest in den Kommentaren mit. 

Jugendladen, Müll im Park und Landesgartenschau

Die Fragen sind ein Ritt quer durch die Stadtpolitik. Zum geplanten Jugendladen im Stadtzentrum möchte ein Kommentator wissen, wie man verhindern wolle, dass dort "ein neues Antifa-Rekrutierungsbüro" entsteht. Der OB bleibt ruhig, stellt aber klar: Kritische Fragen seien erlaubt, aber man solle bitte darauf achten, bei der Formulierung niemandem zu nahe zu treten. "Junge Menschen sollen sich politisch aktivieren", sagt Müller dann, "aber natürlich soll in öffentlichen Jugendhäusern auch Neutralität gewahrt bleiben, und da werden wir auch großes Augenmerk drauf legen."

Es geht weiter mit einer Frage zur Grundschule in Weida, zu der Müller auf den Beschluss des Stadtrates verweist, den Standort in jedem Fall zu erhalten. Zur Bodenwelle an einer Kreuzung wird  Müller genauso befragt wie zum Stand von Arbeiten in Merzdorf und zur Frage, wie die Stadt mehr Parkplätze schaffen will. An der Stelle verweist der OB auf die laufende Umfrage zum Innenstadt-Verkehr. "Mein Appell: Beteiligt euch aktiv an dieser Umfrage!" Den Ärger eines Nutzers über Müll und Vandalismus im öffentlichen Raum teilt Marco Müller - und erklärt, man arbeite an einer gemeinsamen Lösung von Polizei und Bürgeramt. Denkbar seien etwa häufigere Kontrollgänge. Auch den Vorschlag, sich für die Landesgartenschau zu bewerben, findet Müller gut. Er wolle das Thema demnächst in den Stadtrat einbringen. 

Die Resonanz nach etwa 25 Minuten Livestream ist insgesamt positiv - von teils heftiger Kritik an den technischen Problemen einmal abgesehen. Es sei "ein bisschen schade", dass nicht alles zu verstehen war, sagt auch Müller. Trotzdem wird es wohl eine Fortsetzung geben - dann möglicherweise in den Abendstunden. Wann genau, steht noch nicht fest, vermutlich aber erst im Herbst. Gut möglich, dass neben Facebook dann auch die Plattform Instagram bespielt wird. "Es hat schon erste Hinweise gegeben, dass dort mehr junge Menschen zu erreichen sind."  

Die digitale Sprechstunde ist weiterhin auf Facebook unter News aus Riesa verfügbar

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