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Riesenärger um neue Bus-Fahrpläne

Das Bus-Netz im Kreis sollte attraktiver werden. Nach jetzigen Plänen aber scheint das Gegenteil der Fall. Nun regt sich massiv Widerstand. Oybin geht sogar noch weiter.

Nach derzeitigen Plänen des Landkreises soll die Heimfahrt von der Schule für die 13-jährige Nina aus Lückendorf fast eine Stunde dauern. Dagegen protestiert jetzt ganz Oybin.
Nach derzeitigen Plänen des Landkreises soll die Heimfahrt von der Schule für die 13-jährige Nina aus Lückendorf fast eine Stunde dauern. Dagegen protestiert jetzt ganz Oybin. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Oybins Bürgermeister ist keiner, der sich schnell in Rage bringen lässt. Aber was sich Tobias Steiner (SPD) da vorige Woche in einer Videokonferenz seiner Amtskollegen mit den Verkehrsplanern des Landkreises anhören musste, das, sagt er, sei schon ein starkes Stück gewesen. Eins, gegen das die Gemeinde vehement in Widerstand gehen müsse.

Was Steiners und den Zorn mehrerer seiner Amtskollegen hervorgerufen hat, ist der Entwurf des neuen Busfahrplans, der mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft treten soll, und den die Kreisverwaltung den Bürgermeistern in dieser Runde nun erstmals vorgestellt hat.

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In dem neuen Fahrplan geht es diesmal nicht nur um ein paar Zeitverschiebungen. Es geht darum, das komplette Nahverkehrsnetz umzukrempeln. Anlass dafür sind die Fahrplanänderungen bei der Bahn. Der Busverkehr soll künftig auf die neuen Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge abgestimmt werden.

Das allein ist ein gigantischer Aufwand, der zur Folge hat, dass sich der gesamte Linienverkehr ändert und alles neu abgestimmt werden muss: Anschlüsse, Schulwege, Ankunftszeiten. Sogar der morgendliche Schulbeginn steht auf dem Prüfstand.   

Aber das ist noch nicht alles. Denn außerdem sollte das Angebot im öffentlichen Nahverkehr verbessert, weiter ausgebaut und attraktiver werden. Es sollte engere Takte auf viel genutzten Strecken geben oder Fahrten auch später am Abend und in den Ferien. 

Bürgermeister sehen "dringenden Gesprächsbedarf"

"Ein deutlich verbesserter öffentlicher Nahverkehr sind doch auch die Ziele der sächsischen Staatsregierung", sagt Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD), der genauso sauer ist wie sein Amtskollege aus Oybin. "Wir hatten dem Kreis vor einem Jahr schon Hinweise und Vorschläge unterbreitet", erzählt er, "aber nichts davon hat sich in dem Plan jetzt wiedergefunden." 

Es war  eine neue Plus-Bus-Linie geplant, sagt Peuker, die grenzüberschreitende Linie von Großschönau über Varnsdorf (Warnsdorf), Seifhennersdorf und Rumburk (Rumburg) nach Ebersbach. "Die fehlt im Konzept jetzt völlig."

Auch für Oybin steht im neuen Planentwurf  eine Reihe von Verschlechterungen. Die Linie 6 beispielsweise  würde demnach statt bisher 19-mal nur noch neunmal wochentäglich von Zittau nach Oybin fahren, die Linie 7 von Zittau nach Lückendorf will der Kreis gleich komplett streichen.

Für die Schüler hätte das beispielsweise zur Folge, dass sie morgens bis zu einer Dreiviertelstunde vor Unterrichtsbeginn vor verschlossenen Schultüren stehen oder für den Heimweg mehr als eine Stunde lang im Bus sitzen müssten.

Oybiner Gemeinderat fast Protest-Beschluss

Als letzteres bereits Ende Februar durchgesickert war, hatten Lückendorfer Einwohner mit einer Unterschriftensammlung für den Erhalt der Linie protestiert. Am Montag hat sich auch der Oybiner Gemeinderat geschlossen hinter die Forderung gestellt und das sogar in einem einstimmig gefassten Beschluss festgeschrieben.

Der Bürgermeister ist jetzt offiziell von der Gemeinde beauftragt, sich "aktiv und mit Nachdruck gegenüber dem Landkreis für den Erhalt der Buslinie 7 einzusetzen". Tobias Steiner muss sich das auch nicht zweimal sagen lassen. "Man kann doch nicht den gesamten Schülerverkehr dem Interesse unterordnen, dass alle Busse zu bestimmten Zeiten am Bahnhof sein müssen", findet der Bürgermeister.

Und noch etwas merkt er an: "Wenn wir zukünftig mehr auf den öffentlichen Nahverkehr setzen und auch bessere Angebote für Touristen schaffen wollen, dann ist das Ausdünnen des Fahrplans das falsche Signal."

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Beim Landkreis indes wird betont, dass es sich nach wie vor um ein Konzept und nicht um den endgültigen „Fahrplan“ handelt. Derzeit würden noch Gespräche mit den Bürgermeistern und Schulleitern geführt, erklärt Landratsamts-Sprecherin Franziska Glaubitz. Bis Ende April hätten die Bürgermeister die Möglichkeit, dem Landkreis ihre Bedenken und Änderungsvorschläge vorzutragen. Über einen "offensichtlichen Protest" sei dem Landkreis derzeit nichts bekannt. 

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