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Rieseneiche: Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage loderten an dem jahrhundertealten Baum in Niedergurig Flammen. Viele sind geschockt.

Von Theresa Hellwig
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Rund eine halbe Stunde brauchten die Feuerwehren am Montagabend, um die Rieseneiche in Niedergurig zu löschen.
Rund eine halbe Stunde brauchten die Feuerwehren am Montagabend, um die Rieseneiche in Niedergurig zu löschen. © Feuerwehr Malschwitz

Niedergurig. Die Erschütterung ist in der Stimme des Malschwitzer Bürgermeisters deutlich zu hören: „Wir sind alle sprachlos. Der Baum hat so viel überlebt“, sagt Matthias Seidel (CDU), „und jetzt will ihn jemand vernichten.“ Denn am Montagabend hat die Rieseneiche in Niedergurig, die auf ein Alter von 600 bis 800 Jahren geschätzt wird, erneut gebrannt. Schon in der Nacht zum Sonnabend war ein Feuer gemeldet worden.

Gegen 19 Uhr, das gab die Polizeidirektion Görlitz bekannt, hatte ein Zeuge Feuerwehr und die Polizei alarmiert. Der Brand hatte sich im Inneren des Baumes ausgebreitet. Bis er gelöscht war, dauerte es etwa eine knappe halbe Stunde, hieß es aus der Rettungsleitstelle. Brandursachenermittler kamen am Dienstag zu dem Baum, die Kriminalpolizei ermittelt. In beiden Fällen, das gab die Polizei jetzt bekannt, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. „Ein Baum im Freien entzündet sich nicht so einfach selbst, ohne ein Gewitter“, sagte Anja Leuschner von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz. „Ob es sich um eine fahrlässige oder eine vorsätzliche Brandstiftung handelte, dazu können wir aber noch nichts sagen.“

Der Schaden am Baum wird auf etwa 500 Euro geschätzt. Doch für die Gemeinde Malschwitz, für die der Baum ein Wahrzeichen ist, ist es noch mehr: 1.000 Euro Belohnung hat sie für den entscheidenden Hinweis auf den Täter oder die Täterin ausgesetzt. „Der Baum steht nicht weit weg von der Bundesstraße – wir hoffen, dass jemand etwas gesehen hat“, sagt Matthias Seidel. „Die gesamte noch lebende Seite war verkohlt“, berichtet er von seinem Besuch des Baumes. „Das war die Seite, die das Wasser gezogen hat.“

Nicht zum ersten Mal hat der Baum mit einem Feuer zu kämpfen. Im Jahr 2002 brannte er mehrere Tage lang. Damals sollen Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst haben. Ob die Eiche, die als Naturdenkmal geschützt ist, die Brände überleben wird, ist unklar. „Wir wollen uns das noch einmal mit einem Baumexperten ansehen“, so Seidel. Experten vom Umwelt- und Forstamt des Landratsamtes haben den Baum bereits am Dienstag besucht. „Er ist auf knapp der Hälfte seines Umfangs, bis in eine Höhe von maximal vier bis fünf Metern, vom Brand geschädigt“, so eine Sprecherin des Landratsamtes. Aussagen zur Überlebenswahrscheinlichkeit könnten noch nicht getroffen werden.

Tätern droht Freiheitsstrafe

Sollte die Polizei einen Tatverdächtigen finden, droht diesem eine saftige Strafe. Wie schwer die ausfallen kann, hängt davon ab, ob das Gericht die Tat als Brandstiftung oder nur als Sachbeschädigung wertet. Eine Brandstiftung liegt aus rechtlicher Sicht dann vor, so erklärt Staatsanwalt Christopher Gerhardi, wenn ein angezündeter Baum in einem Wald steht. Denn dann besteht die Gefahr, dass das Feuer auf andere Bäume übergreift. Eine solche Brandstiftung wird mit mindestens einem und bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe bestraft. 

Steht ein Baum einzeln, könne das Zündeln auch als Sachbeschädigung gewertet werden. Dann liege die maximale Strafe bei zwei Jahren. Wenn es sich bei dem angezündeten Baum wie in Niedergurig um einen besonderen, eben um ein Naturdenkmal, handelt, könne das bei der Strafzumessung eine Rolle spielen. Am Ende liege diese Entscheidung beim Gericht.

Aus den Bränden zieht die Polizei nun Konsequenzen. „Wir stellen zwar keine Streife an den Baum“, erklärte Polizeisprecherin Anja Leuschner gegenüber der SZ, „doch wir werden im Rahmen der Streifen nun öfter an dem Baum vorbeifahren.“

So sah es am Montagabend am Brandort aus.
So sah es am Montagabend am Brandort aus. © Feuerwehr Malschwitz

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