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Dem Berggeist auf der Spur

In Karpacz werden Riesengebirgsgeheimnisse gelüftet – der Auslöser dafür war ein geheimnisvolles Fundstück.

Im „Museum der Riesengebirgsgeheimnisse“ in Karpacz können Kinder ungewöhnliche Zaubermaschinen ausprobieren und mit Beinkraft eine Kugel zum Leuchten bringen.
Im „Museum der Riesengebirgsgeheimnisse“ in Karpacz können Kinder ungewöhnliche Zaubermaschinen ausprobieren und mit Beinkraft eine Kugel zum Leuchten bringen. © Wolfgang Wittchen

Eine dumme Idee. Wie konnten sie nur, die Gäste in der Wirtsstube?! Schlecht reden über ihn, den Berggeist des Riesengebirges. Über den Zauberer, den selbst Mutige nur hinter vorgehaltener Hand bei seinem Spottnamen „Rübezahl“ nennen. Natürlich hat der Geist die Lästerungen in der Wirtschaft gehört. Natürlich war er zornig. Die Quittung: Statt ihrer Menschenköpfe trugen die Unvorsichtigen plötzlich Tierköpfe auf dem Hals. Der Herr der Berge hatte Rache geübt und die Spötter verzaubert. Gewissermaßen der Welt zur Mahnung sind die Gestraften samt Gasthaus in Miniatur nachgebaut und aufgestellt im „Museum der Riesengebirgsgeheimnisse“ im polnischen Karpacz (Krummhübel). Im Herzen der Gebirgslandschaft, unter der Schneekoppe, hat die Ausstellung hier seit 2012 ein Domizil in einem modernen Glas-Stein-Stahlbau, der im inneren aber gefüllt ist mit mittelalterlichen Legenden, Glas-, Bergbau- und Geistergeschichten.

Momentan ist das Haus wie andere Museen in Polen nicht zugänglich, wegen der Corona-Epidemie. Interessierte können aber einen Rundgang in Bildern machen auf der Webseite – teilweise sogar auf Deutsch. Zudem sollen an dieser Stelle einige Geschichten rund um den Berggeist erzählt werden, die im Haus zur Sprache kommen. Dass es dieses Museum an genau der Stelle, einige Meter Luftlinie unterhalb der Kirche Wang gibt, ist schon so eine Geschichte für sich und bietet Stoff für Mysterien und Mutmaßungen. Der Auslöser für den Neubau – vielleicht ein Zufall. „Oder ein Wunder“, sagt Museumsmitarbeiterin Katarzyna Paczyńska. Der Besitzer Jakub Paczyński wollte hier an der Mickiewicza-Straße eigentlich eine Pension errichten. Die Bauarbeiten liefen. Da kam – es war der 26. März 2011 – plötzlich ein langer, verzierter Stab in der Erde zum Vorschein. 

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Am Eingang gibt es eine Darstellung des Rübezahls. In der Schau ist die Kopie eines Zeremonienstabs zu sehen, der unter dem Museum gefunden wurde.
Am Eingang gibt es eine Darstellung des Rübezahls. In der Schau ist die Kopie eines Zeremonienstabs zu sehen, der unter dem Museum gefunden wurde. © Wolfgang Wittchen

Experten untersuchten das Fundstück und stellten fest: „Es ist rund 200 Jahre alt“, erzählt Katarzyna Paczyńska. Möglicherweise wurde es einst für kultische Handlungen genutzt. Die Region ist beziehungsweise war ja eine Heimstätte für Aberglaube, Alchemie und Mythen. Der Original-Stock mit dem glitzernden Bergkristall befindet sich im Riesengebirgsmuseum in Jelenia Góra (Hirschberg). Doch in Karpacz ist eine Kopie zu sehen. Sie ist so etwas wie das Herzstück des Museums. Dieses zu bauen, entschied sich Jakub Paczyński, der sich schon als Kind für die Legenden der Bergwelt begeistert habe und als kleiner Junge gern alleine durch die Berge gewandert sei.Mit der interaktiven Ausstellung, wollte er Wissen über den Berggeist, die Sagen und das Riesengebirge vermitteln.

Schon der Stab ist ein Rätsel – vielleicht wurde er einst bei kultischen Handlungen verwendet. War eventuell eine Art Zeremonienstab für religiöse Riten der Vergangenheit. Um welche genau es sich handeln könnte, ist nicht klar. Das Riesengebirge war bis ins Mittelalter unbesiedelt. Im 13. Jahrhundert ließen sich Franken, Thüringer und Sachsen hier nieder. Die waren offiziell zwar schon zum christlichen Glauben konvertiert. Oft aber hielten sich unter ihnen alte Bräuche über lange Zeit.

Mit Rübezahls Namen schon wurde früher Werbung gemacht.
Mit Rübezahls Namen schon wurde früher Werbung gemacht. © Wolfgang Wittchen

Das Museum, vor dessen Eingang eine Nachbildung der ältesten überlieferten Darstellung des Berggeistes in Gestalt eines geflügelten Fabelwesens steht, ist eines zum Anfassen und Ausprobieren, zum Spielen, Hören, Lesen und natürlich zum Schauen. Eine Treppe führt dabei hinab in die Bergwelt. Hier werden zwölf Legenden um den Geist vermittelt – meist figürlich mit Puppen dargestellt. Auch Rübezahl selbst taucht immer wieder auf, zum Beispiel in Gestalt eines Fabel-Mischwesens aus Hirsch, Reh, Bär und Wildschwein. „Die Tiere verkörpern den Stolz, die Schnelligkeit, die Größe und die Stärke des Bergherrschers“, erklärt Katarzyna Paczyńska. 

Im Museum gibt es auch Einblick in den Arbeitsraum eines „Laboranten“. Das waren Kräutersammler, die ab dem 17. Jahrhundert im Riesengebirge Tinkturen und Arzneien herstellten und verkauften. Nach der Einführung von Arzneimittellisten und amtlichen Zulassungsverfahren ging ihre Zahl immer mehr zurück. Der letzte Laborant soll Ernst August Zöffel, gewesen sein. Er starb 1879 in Krummhübel. „Über 200 Medikamente wurden einst im Riesengebirge hergestellt und europaweit verkauft“, weiß Katarzyna Paczyńska.Bergwelt und Berggeist, wurden aber auch eingesetzt zu Vermarktungszwecken. Das zeigen alte Werbezettel aus deutscher Zeit. „Hotel Rübezahl“, „Restaurant und Konditorei zum Rübezahl“ – der Herr der Berge musste mit seinem Namen herhalten. Fremdsprachige Gäste, wenn sie wieder anreisen dürfen, können sich für den Rundgang einen Tablettcomputer ausleihen, über den die Schau auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Russisch vermittelt wird. Außerdem sind deutschsprachige Legenden auf die Wände gedruckt.

Das Museum der Riesengebirgsgeheimnisse „Karkonoskie Tajemnice“, ul. Mickiewicza 1a, in Karpacz bietet auf der Webseite Informationen auch auf Deutsch und jetzt in der Schließzeit viele Möglichkeiten für einen virtuellen Einblick.

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