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Riesenkrippe lockt Tausende Besucher an

Ein Bastler aus Frýdlant hat das Objekt aus über 300 Teilen gebaut. Seine Familie erhält es mit viel Aufwand.

Gustav Simons Weihnachtskrippe in  Frýdlant ist ein Wunder: Das 1890 bis 1953 hergestellte Modell ist teilweise beweglich.
Gustav Simons Weihnachtskrippe in Frýdlant ist ein Wunder: Das 1890 bis 1953 hergestellte Modell ist teilweise beweglich. © Radek Petrasek

Es ist das Lebenswerk des Friedländer Krippenbauers Gustav Simon – eine mechanische Weihnachtskrippe. Und die lockt inzwischen das ganze Jahr über Besucher in das private Museum an der Zahradní-Straße im böhmischen Frýdlant (Friedland). Denn die Krippe ist teilweise beweglich. Möglich sei das nur dank ständiger guter Pflege. Dafür sorgt der Enkel des Volkskünstlers. Er heißt Robert Simon.

„Jeder Temperaturwechsel und vor allem Feuchtigkeit schaden dem alten Mechanismus“, erklärt Lucie Kubátová, die Urenkelin des Künstlers und gegenwärtige Besitzerin der Weihnachtslandschaft mit 130 beweglichen und 50 festen Figuren und Tieren. „Sehr empfindlich sind vor allen die Schnüre, die die Objekte mit der Mechanik verbinden.“

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Gustav Simon baute die Krippe in den Jahren 1890 bis 1953 in einem der ältesten Gebäude der Stadt. Die Figuren sitzen im Moos, das regelmäßig gewechselt werden muss, in Bewegung bringen sie ein Windebaum aus Rad und Kurbel und Gewichte. „Jede Reparatur bedeutet, unter die Krippe zu kriechen und dort stundenlang auf dem Rücken zu liegen und zu montieren“, beschreibt Lucie Kubátová die mühselige Arbeit. Die Krippe befindet sich im ehemaligen Wohnzimmer des Umgebindehauses, das der Schöpfer bewohnte. „Hier hat er den Großteil seines Lebens verbracht“, erzählt Lucie Kubátová.

Die Anfertigung und Komplettierung der Krippe dauerte mehr als 60 Jahre. Begonnen hat Gustav Simon als 23-Jähriger. Er machte sein Werk der Öffentlichkeit nur stückchenweise zugänglich. Zuerst war die Krippe statisch, unbeweglich. Erst später konstruierte und baute der Tüftler Gustav Simon eine Zusatzmechanik nach dem Prinzip eines Uhrwerkes und brachte die Figuren in Bewegung.

Kein Platz mehr zum Wohnen

Bald war die Krippe mit 330 Objekten und mit der Abmessung von 4,30 Metern mal zwei Metern schon so groß, dass Simon in der Stube keinen Platz zum Leben hatte. So musste er ein angrenzendes Grundstück hinzukaufen. Dort, im Nebenhaus, wohnt bis heute noch der 71-jährige Enkel mit seiner Frau und der Familie seiner Tochter. Sie alle kümmern sich zusammen mit Liebe um das Kulturwerk von Gustav Simon.

„In den Jahren 2009 bis 2012 wurde das Umgebindehaus sorgfältig renoviert und gleichzeitig wurde dort die ebenfalls restaurierte Weihnachtskrippe installiert“, erzählt Urenkelin Kubátová. Die Krippe ist untrennbarer Bestandteil des Gebäudes und steht unter Denkmalschutz. Die Kosten für die Renovierung des Hauses wurden gedeckt durch eine Förderung der EU, durch das tschechische Kulturministerium, durch den Bezirk und weiteres Geld von der Stadt. Auch die Einheimischen haben damals geholfen und die Sanierung der Krippe mit Spenden von über 150.000 Kronen (knapp 6.000 Euro) unterstützt. Weil die Bauarbeiten gut gelungen waren, erhielt Lucie Kubátová dafür im Jahr 2011 von der Stiftung Umgebindehaus in Ebersbach-Neugersdorf den nun alle zwei Jahre ausgelobten Umgebindehauspreis.

Magnet für Besucher

Das Kleinod ist ein Magnet – jedes Jahr besuchen über 3.000 Menschen die Weihnachtskrippe mit Stall, Burg und vielen Bäumchen. „Das größte Interesse gibt es in der Advents- und Weihnachtszeit, aber auch in der touristischen Hauptsaison zwischen Mai und September kommen Besucher häufig zu uns“, sagt Kubátová.

Tschechien ist ein Krippenland. Deswegen gibt es vielerorts Ausstellungen mit dieser figürlichen Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte. Krippen besonderer Art befinden sich unter anderem in Kryštofovo Údolí (Christophsgrund).

Die Krippenbautradition überlebte die Kriegs- und Nachkriegszeit, als durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung die meisten Krippen im nördlichsten Böhmen verschwanden, also aus dem Schluckenauer Zipfel. Die Region hatte sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Krippenschnitzerei und des Krippenbaus entwickelt. Die Ursprünge sind bei Südtiroler Schnitzern zu sehen, die Anfang des 19. Jahrhunderts Figuren aus Zirbelholz nach Schluckenau (Šluknov) brachten. Bald hatten Einheimische die Kunst des Schnitzens erlernt, und ihre Figuren sollen den alpenländischen Vorbildern kaum nachgestanden haben. Heute ist eine Schluckenauer Krippensammlung in der ehemaligen Sparkasse in Jiříkov (Georgswalde) zu sehen.

  • Die Krippe in Frýdlant ist im Dezember täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zugänglich, mit Ausnahme einer Mittagspause, ab Januar bis zum Frühjahr dann nur nach Absprache unter 00420 60510629.

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