merken
PLUS Radebeul

Riesige Buche wird gefällt

Der Baum ist nicht mehr zu retten, sagt eine Expertin vom Stadtgrünamt und erklärt, wie viele Bäume im Jahr gerodet und neu gepflanzt werden.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese Blutbuche gepflanzt.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese Blutbuche gepflanzt. © Norbert Millauer

Radebeul. Sie spendete Schatten, schützte vor Regen und war mit ihrem gewaltigen Stamm und der hohen Krone auch schön anzusehen. Doch seit einigen Monaten muckert die große Blutbuche im Apothekerpark hinter der Bahnhofstraße. Die Krone ist licht, die Blätter sind klein und braun – nicht erst, seit der Herbst Einzug gehalten hat. Besonders auffällig sind die Pilze am Stamm. Die Stadt erklärte jetzt, dass der Baum nicht mehr zu retten ist.

Warum muss die Buche im Apothekerpark gefällt werden?

Anzeige
Zukunft? Na klar!
Zukunft? Na klar!

Die Berufsakademie Sachsen bietet ein krisensicheres Studium mit besten Job-Chancen und Ausbildungsvergütung.

Dass der Baum, der schon Ende des 18. Jahrhunderts gepflanzt wurde, nicht mehr gesund ist, hat man schon vor zwei Jahren festgestellt, sagt Anja Osang vom Sachgebiet Stadtgrün. „Aber so ein Prachtexemplar lassen wir nicht sofort fällen.“ Stattdessen wurde versucht, den Baum zu entlasten, in dem die Krone zurückgeschnitten wurde. 

Was bei einer anderen Buche vor dem Lößnitzgymnasium gelang – der Baum dort steht wieder in voller Pracht –, zeigte im Apothekerpark nicht die gewünschte Wirkung. „Wenn Schäden am Stamm auftreten und Pilze das Holz befallen, ist der Baum nicht mehr zu retten“, sagt Anja Osang. 

Denn in der Regel seien nicht die Pilze verantwortlich für das Baumsterben, sondern besiedelten bereits abgestorbenes Holz. Zunderschwamm, Riesenporling und der Gemeine Spaltblättling haben sich an der Buche breitgemacht.

Wie viele Bäume werden pro Jahr gerodet und wie viele neu gepflanzt?

Etwa 11 000 Bäume stehen an den Straßen und auf den Grünflächen von Radebeul – Pflanzen in Privatgrundstücken und Wäldern nicht mitgezählt. Im Schnitt müssen davon etwa 50 kranke Exemplare pro Jahr gefällt werden, erklärt Anja Osang. Dieses Jahr seien noch 20 Fällungen von überwiegend jungen Bäumen dazugekommen, welche die Trockenheit nicht überlebt haben. Es fallen aber nicht nur Bäume weg, etwa 200 werden pro Jahr neu gepflanzt, erklärt die Sachbearbeiterin. Auch im Apothekerpark ist eine Neupflanzung geplant.

Inzwischen haben sich Pilze am Stamm ausgebreitet – für die Baumexpertin vom Stadtgrün ein Zeichen, dass der Baum nicht mehr zu retten ist. 
Inzwischen haben sich Pilze am Stamm ausgebreitet – für die Baumexpertin vom Stadtgrün ein Zeichen, dass der Baum nicht mehr zu retten ist.  © Norbert Millauer

Welche Arten trotzen am besten Hitze und Trockenheit?

Die letzten beiden Sommer waren extrem, das ging auch an den Stadtbäumen nicht vorüber. Stadtbirnen und Rotdornbäumen hat die Trockenheit besonders geschadet, sagt Anja Osang. „Seltsamerweise halten auch Birken und Kiefern die extreme Trockenheit nicht gut aus, obwohl das Arten ohne großen Wasserbedarf sind.“

Bei Neupflanzungen wählt die Stadt deshalb inzwischen bewusst Arten aus, die besser mit Hitze und Trockenheit klarkommen. Hainbuche, Eiche, Linde, Ahorn und Esche sind unempfindlich. Aber auch Sorten aus wärmeren Ländern werden gerne gepflanzt, zum Beispiel die Lederhülsenbäume, die hinterm Rathaus stehen.

Bei Straßenbäumen muss die Stadt auch auf die Größe achten. Platanen etwa wären zwar gut geeignet, werden für schmale Straßen aber zu mächtig, sagt die Baumexpertin.

An der Nizzastraße beispielsweise wurde als neue Sorte der Amberbaum gepflanzt. Auch Blumen- und Blasenesche sollen künftig hinzukommen.

Wie werden die Bäume im Stadtgebiet untersucht?

Einmal im Jahr muss jeder Baum unter die Lupe genommen werden. Anja Osang ist dafür mit speziellem Gerät unterwegs, zum Beispiel mit einem sogenannten Diagnosehammer. Damit schlägt sie gegen den Stamm, um zu hören, ob er an bestimmten Stellen hohl ist. Mit einem Sondierstab überprüft sie außerdem die Tiefe von Löchern im Stamm. Ob ein Baum gefällt werden muss, hängt vor allem davon ab, ob von ihm eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Wie können sich Bürger um Straßenbäume kümmern?

Weiterführende Artikel

Apothekerpark wird Bewegungsinsel für Kinder

Apothekerpark wird Bewegungsinsel für Kinder

In der Grünanlage in Radebeul entsteht ein Spielplatz. Die Freien Wähler wünschten sich dort auch Geräte für Erwachsene, weil für sie Freizeitangebote fehlen.

Spielplatz im Apothekerpark geplant

Spielplatz im Apothekerpark geplant

Bislang hat die Grünanlage in Radebeul-West nur Bänke zum Ausruhen zu bieten. Künftig sollen Angebote für Kinder locken.

Wer den Bäumen vor der Haustür etwas Gutes tun will, darf sie vor allem in der heißen, trockenen Jahreszeit gerne hin und wieder gießen. „Da nützt jeder zusätzliche Eimer Wasser dem Baum beim Kampf ums Überleben“, sagt Anja Osang. Inzwischen gebe es immer mehr Einwohner, die sich um Bäume kümmern, die Baumscheiben pflegen oder sogar hübsch bepflanzen.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul