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Riesige Leistungen – Riesenpreise

Die Stadt eröffnet die neue Museums-Dauerausstellung und ehrt engagierte Bürger. Warum die den Preis verdienen.

Von Kevin Schwarzbach

Es ist wohl die Aufregung. Noch vor Beginn des vollgepackten Freitagabendprogramms lässt eine Zuschauerin ihr Sektglas fallen – klirrend zerspringt es auf dem Boden.

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Gleich drei Veranstaltungen fanden gestern im Stadtmuseum statt – verpackt in einen kurzweiligen Abend. Ein Theaterstück zur Eisenbahngeschichte, die 17. Riesenpreisverleihung und die Eröffnung der neuen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte standen auf dem Programm. Da kann einem schon mal vor Aufregung das Sektglas aus der Hand rutschen.

„Dieses Jahr haben wir zwei Veranstaltungen, die die Riesenpreisverleihung wunderbar umrahmen: Das 175. Jubiläum der Ferneisenbahnstrecke Dresden-Leipzig und die Eröffnung unserer neuen Dauerausstellung, die sich intensiv mit der Geschichte unserer Stadt auseinandersetzt“, eröffnet Maritta Prätzel, Leiterin des Stadtmuseums, den Abend. Wie die Eisenbahn nach Riesa kam, zeigt die Theatergruppe des Museumsvereins in ihrem 45-minütigen Theaterstück. Das stellt die Lachmuskeln der Zuschauer vor schwierige Aufgaben, an jeder Ecke lauert ein knackiger Witz. Und wenn der Freiherr von Riesa ein Bier möchte, dann „soll sich selbstverständlich der Spies drum kümmern.“

Ein Riese für den Riesen

Und dieser Spies, von Beruf Braumeister im Hammerbräu, erscheint wenige Minuten später tatsächlich auf der Bühne – ihm wird der Riesenpreis für das Ehrenamt verliehen, für seine Darstellung als Stadtmaskottchen. Ein Riese für den Riesaer Riesen, eine Premiere. „Ich werde mich heute bei keinem bedanken, weil das den Abend sprengen würde. Entweder alle oder keiner“, sagt Gunter Spies. Vielmehr möchte er sich entschuldigen, vor allem bei seiner Familie. „Man kann leider nur einem Herren dienen. Darunter hat meine Familie manchmal zu leiden, da ich nur wenig Zeit habe. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Und Besserung geloben, ich bin jetzt auch Opa“, sagt der Riesaer Riese.

Nicht Opa, sondern eher einer der Väter der Stadtentwicklung ist für Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) der Empfänger des Wirtschafts-Riesen. „Ständig schmiedet er Pläne, sucht Mitstreiter und versucht seine Ideen konstruktiv und zielgerichtet zu verwirklichen. Mit seiner drängelnden, ungeduldigen, aber immer an Verbesserung orientierten Art kämpft er stetig um die Weiterentwicklung unserer Stadt“, sagt Töpfer. Gemeint ist Andree Schittko, Centermanager der Elbgalerie. Er ist sichtlich überrascht und widmet „den Preis allen, die daran beteiligt sind, die Stadt kontinuierlich voranzutreiben.“

Für seine jugendliche Frische, das musikalische Einfühlungsvermögen und die sportliche Eleganz wird das Tanzstudio Live mit dem Sport-Riesen geehrt. „Wir freuen uns unheimlich, dass wir den Riesen nun endlich haben“, sagt Babett Keller im Namen aller Vereinsmitglieder.

Bleibt noch der Riese für das Lebenswerk. Der geht an Werner Richter, ein Schmied aus Gröba. Er wird für sein unbändiges Engagement im Bauausschuss und dem Kanuverein sowie für seine Beteiligung bei beinahe allen in Gröba stattfindenden Projekten ausgezeichnet. „Ich bin baff“, sagt Werner Richter als er ans Pult tritt. „Ich kann momentan nur sagen, dass ich weitermachen werde. Es gibt noch genug zu tun.“

Und zum Schluss wird natürlich auch die Ausstellung nicht vergessen. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich an der Dauerausstellung beteiligt und teilweise sogar Exponate beigetragen haben. In dieser Ausstellung steckt auch das Herzblut zahlreicher engagierter Riesaer Bürger, die den Weg unserer Stadt bis in die Gegenwart nachgezeichnet haben, damit interessierte Besucher ihn erkunden können“, sagt Kathleen Kießling, Geschäftsführerin der FVG. Wenige Minuten später fällt erneut ein Sektglas zu Boden. Wieder zerbricht es laut klirrend in unzählige Teile. Diesmal war wohl nicht die Aufregung schuld, sondern eher die Freude.