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Döbeln

Riesiges Interesse an Vision für Villa Bauch

Die Veranstalter sind vom Zuspruch völlig überrascht. Besucher legen mit Spenden Grundstock für Millionen-Investition.

In der ehemaligen Fabrikanten-Villa an der Gersdorfer Straße 6 in Roßwein haben vier Sänger des Nobiles-Quintetts ein Benefizkonzert gegeben. Die Zuhörer saßen und standen dicht an dicht.
In der ehemaligen Fabrikanten-Villa an der Gersdorfer Straße 6 in Roßwein haben vier Sänger des Nobiles-Quintetts ein Benefizkonzert gegeben. Die Zuhörer saßen und standen dicht an dicht. © Lars Halbauer

Roßwein. Das haben die Sänger des Vokalensemble Nobiles noch nie gemacht, wahrscheinlich nicht einmal während ihrer Zeit beim Leipziger Thomanerchor: Am Donnerstagabend begannen sie ein Konzert vor der Zeit. „Da rückt die Pause näher“, erklärten sie ihrem – auch dafür – dankbaren Publikum. Dem wurde einiges abverlangt.

Die ersten Gäste trafen in der Villa Bauch bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn ein. Eine halbe Stunde vorher war der Saal schon bis auf Rest- oder reservierte Plätze gefüllt. Die Bitte, zusammenzurücken, brachte wenig. Also wurden Stühle auf den Laubengang im Obergeschoss gestellt. Als alle besetzt waren, nahmen die Gäste kurzerhand auf den Treppenstufen Platz. Einige begnügten sich mit Stehplätzen vorm Saal, auf der imposanten Eingangstreppe, und mancher hörte sogar durch die geöffneten Fenster der Villa im Garten des Anwesens zu.

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Doch egal, wo sie saßen oder standen: Ab dem ersten Titel genossen die Besucher den Gesang der erst kürzlich wieder prämierten Männer. Sie verquickten Bekanntes mit eigenen Kompositionen und zeigten sich überaus humorvoll: „Nicht erschrecken. Wir singen Hebräisch. Sie können also gar nichts verstehen.“

Im zweiten Teil des Benefizkonzertes stimmen die Musiker vom Balkon aus an. Die Zuhörer sitzen im Grünen.
Im zweiten Teil des Benefizkonzertes stimmen die Musiker vom Balkon aus an. Die Zuhörer sitzen im Grünen. © Lars Halbauer

Damit die Luft zum Atmen und Singen gar nicht erst knapp wurde, hielten die Musiker den ersten Teil mit geistlichen Werken mit knapp einer Stunde überschaubar. In drei Gruppen begleiteten sie danach Neugierige durch das Wohnhaus, das Teppich-Fabrikant Oskar Bauch 1906 für seine Familie hatte erbauen lassen.

Ganz viel von der damaligen Ausstattung – etwa die Holztreppen, Deckenmalerei und Bleiglasfenser – ist noch in erstaunlich gutem Zustand. Sogar Mobiliar wie das Ehebett der Bauchs, der Schreibtisch des Unternehmers oder der Einbauschrank mit der Schellackplattensammlung stammen aus damaliger Zeit.

„Fast wie im Museum“, findet Martina Thiele. Die Vorsitzende des Roßweiner Heimatvereins kann das ruhigen Gewissens behaupten. Denn sie selbst führt mit ihren Mitstreitern eines. In der Villa war sie zuvor nie. Auch für Gertraude Block, Heimatfreundin und -kennerin, ist das, was sie sieht, neu. „Herrlich“, geriet sie ins Schwärmen. Die letzte Bewohnerin aus der Bauch-Familie, Luise, kannte Gertraude Block dagegen persönlich. Das hörte Susanne von Erffa gern. Sie ist die Nichte von Luise Bauch. Ihr gehört die Villa jetzt.

Im Spendenhut liegen bereits zur Pause 1 200 Euro. Schätzungsweise drei Millionen wird der Umbau kosten.
Im Spendenhut liegen bereits zur Pause 1 200 Euro. Schätzungsweise drei Millionen wird der Umbau kosten. © Lars Halbauer

Mit ihrem Mann Axel ist sie zum Benefizkonzert nach Sachsen gereist. Die von Erffas wohnen in Karlstadt bei Würzburg, kommen aber sechs- bis achtmal im Jahr nach Roßwein. Dann leben sie auch in der Familienvilla und besuchen Freunde wie die Lomtschers aus Marbach.

Eine Chance nicht nur für Roßwein

Dieser Bekanntschaft ist es zu verdanken, dass es für die Villa zu einer „Vision“ kommen konnte. Schon als Kind war Thomaner Lukas Lomtscher häufiger bei der 2006 verstorbenen Luise Bauch zu Gast. Daher wusste er, wie es in dem Haus aussieht und, dass es sich von der Raumaufteilung her super für das eignen würde, was nach Meinung der Nobiles-Künstler in Sachsen fehlt und in Roßwein entstehen könnte: eine Akademie für kleinere Ensembles.

Dort sollen Musiker proben und Ideen entwickeln, ihre Arbeit bei Konzerten vorstellen können. Aber auch für andere (Musik-)Veranstaltungen, Vereinsberatungen oder Musik- und Instrumentalunterricht soll das Haus einmal offen stehen.

Susanne und Axel von Erffa gehört die Villa Bauch, von der sie die ersten Entwürfe mitgebracht haben.
Susanne und Axel von Erffa gehört die Villa Bauch, von der sie die ersten Entwürfe mitgebracht haben. © Lars Halbauer

Das gefällt Susanne von Erffa. „Das wäre auch im Interesse meiner Tante“, ist sie sich sicher. Die sei sehr musikbegeistert gewesen und habe noch bis ins hohe Alter im Kirchenchor gesungen, erzählte die Nichte. Sie ist möglicherweise die einzige, die das immense Interesse der Öffentlichkeit an dem Benefizkonzert nicht überrascht hat. „Auch wir geben manchmal solche Konzerte. Da ist das Haus immer voll“, sagte sie.

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Schon bei dieser ersten öffentlichen Präsentation des Projektes „Musikakademie Villa Bauch“ erfahren die Mitstreiter um Lukas Lomtscher großen Zuspruch. Hubert Paßehr sieht das Projekt als große Chance für Roßwein und die Region, etwas mit enormer Außenwirkung zu entwickeln und zu etablieren. Sehr beeindruckt sei er davon, dass die Initiative dazu von Leuten von außerhalb kommt und sich einer davon – nämlich Lukas Lomtscher, ursprünglich aus Marbach – auf seine Wurzeln besinnt. „Es ist schön, dass jemand große Ideen, ja sogar Visionen entwickelt und noch besser, dass diejenigen auch die Ärmel hochkrempeln und zupacken“, findet der CDU-Stadtrat Hubert Paßehr.

Kontakt: [email protected]

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